Rems-Murr-Kreis

Richtig bewerben mit Selfie

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Symbolfoto © Christine Tantschinez
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So einfach kann heute der Weg zum neuen Arbeitsplatz sein. Aber Vorsicht: Fachleute von der Agentur für Arbeit warnen vor zu viel unüberlegter Spontanität.

Waiblingen/Winnenden. Eine Bewerbung, die nur aus einem Selfie besteht? Das klingt echt lässig. „Haben Sie heute ein Foto für uns?“, fragen die Rems-Murr-Kliniken und gehen damit auf der Suche nach Pflegekräften neue Wege. Aber Achtung: Nicht jedes Selfie ist bewerbungstauglich. Wer erfolgreich sein will, sollte auch ins Selfie ein wenig Hirnschmalz stecken.

Hemdkragen weiß und bis zum Würgen zugeknöpft, Krawatte gedeckt und schlimmer als die von Opa, Jackett steif und ungefähr so sympathisch wie eine Zwangsjacke – diese Bewerbungsfoto-Zeiten sind vorbei. Die Rems-Murr-Kliniken beispielsweise – verstärkt auf der Suche nach Menschen, die in der Pflege arbeiten möchten – bevorzugen inzwischen ein Selfie. Den ganzen Juni lang wurde eine große Kampagne gefahren, die auf mehreren Kanälen lief. Der große Aufwand ist zwar inzwischen vorbei, doch nach wie vor ist der dazugehörige QR-Code, über den das Selfie an die Zuständigen gelangt, aktiv und wird genutzt. Und auch das Bild, das zur Kampagnenzeit das große Plakat schmückte, das zentralst im Foyer des Winnender Krankenhauses platziert war, ist online noch zu sehen.

Die Werbung zur Bewerbungskampagne zeigt eine hübsche junge Frau in bester Laune beim Musikhören. Die Haare wallen, die Augen sind geschlossen, die Szene ist scheinbar ganz privat. Man wollte, heißt es aus dem Klinikum, durch die Motivwahl bewusst zum Ausdruck bringen, „dass die Bewerber sich gerne authentisch präsentieren können beziehungsweise sollen“.

Nicht jeder Schnappschuss taugt als Bewerbungsfoto

Aber Vorsicht! Lisa Henkel und Jana Schmidt, beide Berufsberaterinnen bei der Agentur für Arbeit und spezialisiert auf junge Menschen, raten dringlichst dazu, auch in ein scheinbar so lässiges Selfie ein bisschen Hirnschmalz zu stecken. Nicht jeder Schnappschuss taugt als Bewerbungsfoto. Bierflasche in der Hand oder verrutschtes Bikinioberteil am Strand sollten niemals jemandem zugeschickt werden, der womöglich den Traumjob anbieten könnte.

Über die Motive, die als Bewerbung in den Rems-Murr-Kliniken landeten, ist nichts Genaueres zu erfahren. Es seien „überwiegend typische Selfiemotive“ gewesen, „die im Rahmen von Freizeitaktivitäten gemacht wurden“. Bis jetzt sind 66 Bewerbungen dieser Art eingegangen, wobei bislang nur fünf Selfies dann auch bis zu einem Arbeitsvertrag geführt haben.

In der Forderung nach einem Selfie ist freilich das Versprechen enthalten, dass auf den einst üblichen Aufwand verzichtet werden kann. Nichtsdestotrotz, sagen die Berufsberaterinnen, sollte sich jeder, der eines als Bewerbungsfoto verschicken will, überlegen, was er vermitteln will. Die junge Frau auf dem Werbeplakat zum Beispiel: Sie informiert darüber, dass sie erstens ein Sonnenschein ist und zweitens Hobbys hat – Musik und Fotografieren nämlich. Menschen, die sich für etwas begeistern können und außerdem gute Laune verbreiten, sind für einen Arbeitgeber wie die Rems-Murr-Kliniken ganz ohne Frage interessant.

„Präsentiere dich so, wie du möchtest, dass man dich sieht“, empfehlen die Berufsberaterinnen. Im Selfie sollte also stecken: Das kann ich; das mag ich; so bin ich. Und vielleicht schon ein Hinweis darauf, warum gerade dieser Beruf genau der richtige ist. Soziale Kompetenz? Gerne für jemanden sorgen? Das ist wichtig für ein Berufsleben in den Kliniken. Warum also nicht ein Selfie zusammen mit der Oma, einem kleinen Nachbarskind, einem Tier, um das man sich kümmert? Kreativität ist durchaus gefragt.

Der Weg zum Arbeitsplatz wird leichter

Die beiden Berufsberaterinnen finden die Selfie-Kampagne nicht schlecht. Denn es macht den ersten Schritt auf dem Weg zum Arbeitsplatz sehr viel einfacher. Wie schrecklich – und teuer – war es, die großen Bewerbungsmappen vielfach herzurichten und zu verschicken. Und dann kam womöglich nicht mal eine Absage zurück.

Doch auf die klassischen Unterlagen kann trotzdem nicht verzichtet werden. Auch die Rems-Murr-Kliniken wollen nach der ersten Kontaktaufnahme Zeugnisse mit Unterlagen zu Zusatzqualifikationen und Lebenslauf. Und mit Sicherheit im Gespräch wissen, warum gerade hier der richtige Arbeitsplatz sein könnte. Diese Bewerbungs-Selbstverständlichkeiten müssen also nach wie vor mit Sorgfalt fertiggestellt werden.

Richtig bewerben:

Die Wege zum neuen Arbeitsplatz sind längst nicht mehr so reglementiert, wie es früher war. Die beiden Berufsberaterinnen empfehlen jungen Menschen: Probiert Verschiedenes.

Bei manchen Unternehmen kommt Beharrlichkeit gut an: Immer wieder ein Praktikum zu machen öffnet oft die Türen.

Für den ersten Schritt muss es vielleicht auch nicht die große Bewerbungsmappe sein. Manchmal reicht auch ein gut gemachter Flyer, in dem die wichtigsten Infos zum Bewerber stehen.

Wer zum Bewerbungsgespräch eingeladen wird, muss nicht unbedingt im Anzug kommen. Die Kleidung muss dem gewünschten Arbeitsplatz entsprechen. Das heißt: Wer sich bei einer Bank bewirbt, wird um Jackett und Krawatte kaum herumkommen. Wer sich bei einem Handwerksbetrieb vorstellen möchte, kann sicher auch mit einem einfarbigen Poloshirt und einer schicken Jeans punkten. Wer sich in der Kosmetikbranche bewirbt, sollte Wert auf ein gepflegtes Make-up legen – in einer Bibliothek spielt das vermutlich eher eine untergeordnete Rolle. Niemand sollte sich selbst verleugnen und verkleiden – denn dann ist das Auftreten nicht authentisch. Doch dem Anlass entsprechend sollte das Outfit schon sein.

Wichtig ist, betonen die Berufsberaterinnen: Jeder, der sich bewirbt, muss Bescheid wissen, bei wem er sich bewirbt. Und muss erklären können, warum gerade dieses Unternehmen das richtige sein könnte.

Damit’s mit der Bewerbung klappt, bietet die Berufsberatung Hilfe an. Jeden ersten und dritten Dienstag im Monat gibt’s zum Beispiel den Bewerbungsmappencheck. Außerdem bieten die Beraterinnen regelmäßig Sprechstunden an. Hinzu kommen noch verschiedene Vorträge und Aktionstage.

Alle Termine gibt es im Internet. Suchen Sie bei Google nach den Stichwörtern „Arbeitsagentur Waiblingen“ und „Veranstaltungen“. Wählen Sie die entsprechende Seite aus und klicken Sie dort auf „Veranstaltungen vor Ort“. Gehen Sie dann auf die „Veranstaltungsdatenbank“.