Rems-Murr-Kreis

Rudersbergerin ist Busfahrerin des Jahres

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Fahrgäste loben den Fahrstil von Sabrina Hausmann genauso wie ihre Freundlichkeit und ihr umfassendes Wissen, wenn es um das doch ziemlich komplizierte Tarifsystem geht. © Habermann / ZVW

Waiblingen/Rudersberg. Zum zweiten Mal hat im Rems-Murr-Kreis eine Frau den Wettbewerb „Busfahrer des Jahres“ gewonnen: Sabrina Hausmann aus Rudersberg holt für Omnibus Dannenmann den elften Titel. Der Preis wird das 15. Jahr vergeben. Die Branche sucht händeringend nach Nachwuchs.


Der Beruf Busfahrer ist aktuell nicht gerade beliebt bei Berufseinsteigern. Busfahrer sitzen täglich genauso viele Stunden am Steuer wie Lkw-Fahrer, nur dass sie dabei noch Personen befördern. Auch am Wochenende, an Feiertagen und nachts müssen viele der Linien bedient werden. Der Umgang mit Fahrgästen ist dabei bekanntlich nicht immer ganz stressfrei, gerade wenn man es mit lauten Schulklassen oder Betrunkenen zu tun hat.

Die Busfahrerin des Jahres 2018, Sabrina Hausmann, hat in solchen Situationen einen ganz besonderen Trick auf Lager: Gebe es Probleme mit Fahrgästen, dann mache sie immer eine Durchsage „mit einem Späßle oder einem Witz“, erzählt die Rudersbergerin. Mit Kindern und Betrunkenen singe sie manchmal ein Lied, „danach ist dann Ruhe“.

Bei der Preisübergabe darf sie sich mal chauffieren lassen

Ein roter Linienbus bringt die junge Busfahrerin zur Preisübergabe, heute darf sie sich einmal chauffieren lassen. Auf dem Bürgersteig warten schon Landrat Dr. Richard Sigel, VVS-Geschäftsführer Horst Stammler und Dannenmann-Geschäftsführer Markus Dannenmann. Der Empfang ist herzlich. Die 38-Jährige strahlt, ihre Freude über die Auszeichnung ist groß.

Sie sei gelernte Arzthelferin und bis vor zwei Jahren in der Pharmaindustrie tätig gewesen, erzählt sie. Dann habe sie „ihren Traum zum Beruf gemacht“: Sie fahre unheimlich gerne, arbeite aber auch am liebsten viel mit Menschen zusammen. Deshalb kam Lkw-Fahren nicht infrage, es musste schon ein Omnibus sein. Für Dannenmann fährt sie seit November 2016. Sie ist eine von vier Busfahrerinnen dort, die restlichen 34 Fahrer sind Männer.

Fahrgäste loben Fahrstil und Freundlichkeit

Auf die Frage, ob die Arbeit als Frau in einer solchen Männer-Domäne nicht manchmal auch schwer sei, winkt sie lachend ab. Sie habe ein wirklich lockeres, gutes Verhältnis zu ihren männlichen Kollegen, es sei ein „angenehmes Arbeiten“ mit ihnen und verglichen mit ihrem alten Beruf, bei dem sie es vorwiegend mit Frauen zu tun gehabt habe, „sehr, sehr stressfrei“.

Wie gut sie in ihrem neuen Beruf angekommen ist, beweisen die vielen positiven Rückmeldungen von Fahrgästen, die ihr ja auch den ehrenvollen Titel „Busfahrer des Jahres“ beschert haben. Fahrgäste loben ihren Fahrstil genauso wie ihre Freundlichkeit und ihr umfassendes Wissen, wenn es um das doch ziemlich komplizierte Tarifsystem geht. Auch ihr Chef lobt seine Mitarbeiterin in den höchsten Tönen. Sie habe sich in kürzester Zeit in das Liniensystem eingearbeitet, sagt Dannenmann und weist dabei auf eine Karte des Rems-Murr-Kreises. Auf der ist das weitläufige, von seinem Busunternehmen bediente Streckennetz eingezeichnet. Das Kerngebiet liege zwar im VVS-Tarifverbund, doch andere Strecken im Schwäbischen Wald Richtung Schwäbisch Gmünd sind Teil des benachbarten Tarifverbundes „Ostalb Mobil“. Hausmann bewege sich mit ihren Bussen in zwei Tarifgebieten, bediene bis zu 50 Kilometer lange Linien und sei dabei immer freundlich und kompetent. Auch den Waldbus mit dem Fahrradanhänger fahre Hausmann regelmäßig. Sie meistere all ihre Aufgaben mit „Perfektion“, wie Dannenmann immer wieder betont.

Beliebte Linie: 266 nach Schwäbisch Gmünd

Landrat Dr. Richard Sigel findet ebenfalls lobende Worte. Man sei „froh über die guten Busfahrer“, die im Kreis für die Beförderung für Personen „mit ganz verschiedenen Bedürfnissen“ unersetzbar seien. Der Wettbewerb sei die „beste Werbung für den Beruf und auch für den ÖPNV“, so Sigel.

Sabrina Hausmann jedenfalls ist glücklich in ihrem Beruf. Eine wirkliche Lieblingsstrecke habe sie nicht, sehr gerne fahre sie jedoch die Linie 266 nach Schwäbisch Gmünd. Nicht nur die Fahrgäste seien dort sehr freundlich, auch die Bus- und Autofahrer seien auf der Strecke „noch hilfsbereiter als sonst“. Ihren Kollegen sei dieses Phänomen auch schon aufgefallen.


Busfahren im Rems-Murr-Kreis

Im Rems-Murr-Kreis gibt es 850 Bushaltestellen und 87 Buslinien. Kernaufgabe der Busse ist es, Menschen aus Orten ohne Bahnhaltestelle zur Bahn zu bringen.

Spätabends sind an vielen Bahnhöfen Ruftaxis verfügbar. Diese müssen im Voraus bestellt werden, entweder telefonisch oder über die App des Tarifverbunds. Die Taxis bedienen die gleichen Ortschaften wie tagsüber die Linienbusse. Für die Fahrt löst man ein normales Busticket.

2011 wurde mit Ruzica Tepic zum ersten Mal im Rems-Murr-Kreis eine Frau zum „Busfahrer des Jahres“ gewählt. Sie ist ebenfalls beim Busunternehmen Omnibus Dannenmann angestellt.

Max Dannenmann begann den Linienverkehr 1927 mit einem umgebauten Lieferwagen. Die Strecke führte von Strümpfelbach über Endersbach und Waiblingen zur Straßenbahnhaltestelle in Fellbach.