Rems-Murr-Kreis

Südwest-SPD: Ein Scherbenhaufen

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Leni Breymaier (SPD) im Oktober in unserer Redaktion. © Alexander Roth

Waiblingen. Auf Unverständnis und Unmut stößt das Verhalten von Lars Castellucci, der die abtretende SPD-Landesvorsitzende Leni Breymaier beerben möchte, obwohl sich weder für Breymaier noch für ihn eine Mehrheit angedeutet hatte. „Die Parteibasis ist sauer, dass der Landesvorstand so kurz vor den Kommunalwahlen die Krise der SPD noch verschärft“, sagt Alexander Bauer.

Die Kandidatur von Lars Castellucci sei „zum jetzigen Zeitpunkt absolut unpassend“, findet der Schwaikheimer SPD-Mann Alexander Bauer. Der Rückzug von Leni Breymaier zeuge hingegen von Haltung und Anstand. „Lars müsste jetzt eigentlich auch sagen, mit so einem Minderheitsvotum kann auch ich nicht kandidieren.“ Bauer sieht darin den Versuch des neoliberalen Parteiflügels, dem er Castellucci zurechnet, sich gegen den eher linken Flügel rund um Breymaier zu behaupten und die Macht an sich zu reißen, ohne auf die Parteibasis zu hören.

Im Rahmen eines Mitgliedervotums am vergangenen Montagabend hatte die Landes-SPD versucht, ein Stimmungsbild zu erhalten, ob Leni Breymaier die Partei in Baden-Württemberg weiter führen und sich beim Landesparteitag am kommenden Samstag erneut zur Wahl stellen sollte. Castellucci hatte sich als Gegenkandidat in Stellung gebracht. Nach der zweiten Auszählung waren 48,46 Prozent der Stimmen auf Breymaier und 48,25 Prozent auf Castellucci entfallen. Breymaier hatte deshalb noch Montagnacht verkündet, nicht kandidieren zu wollen. Castellucci bleibt bei seiner Kandidatur – was parteiintern für Empörung sorgt. Ein Streit, der, so kurz vor den Kommunalwahlen angezettelt, absolut unnötig und kontraproduktiv sei, so Bauer.

Bauer über Castellucci: Kein Macher

„Die Landespartei ist gespalten. Mit so einem Minderheitsvotum bekommt auch ein Lars Castellucci die Partei nicht geeint. Lars war 13 Jahre lang Vize-Landesvorsitzender der Partei. In Sitzungen ist er nicht gerade als sprudelnder Quell prickelnder Ideen aufgefallen“, sagt Bauer. Ein Macher sei Castellucci nicht. Er scheine nur zu taktieren und darauf gewartet zu haben, seine Chance auf Machtzugriff zu nutzen. Die Südwest-SPD brauche stattdessen einen „dritten, bodenständigen Kandidaten mit Erfahrung an der lokalen Basis“, findet Bauer. Er könne sich den Landtagsfraktionsvorsitzenden Andreas Stoch oder einen der SPD-Oberbürgermeister im Land vorstellen. Das Führungspersonaltableau der SPD sei leider nicht reichhaltig.

Der SPD-Kreisvorsitzende Rems-Murr, Jürgen Hestler, hat ebenfalls kein Verständnis dafür, dass Lars Castellucci auf seiner Kandidatur besteht: „Bei 48 Prozent tritt man doch nicht mehr an!“ Er sei ehrlich gesagt durcheinander, wie wenig die SPD-Führung offenbar wisse, „was der richtige Weg ist“. Den Rückzug Breymaiers findet er schade, aber konsequent und respektabel. Leider hinterließen das Mitgliedervotum und seine Folgen nun Ratlosigkeit allenthalben.

Hestlers vier „S“ für die SPD

Er merke, dass die SPD nicht so weitermachen könne, ständig nur „zur Sachpolitik zurückzukehren“. Stattdessen benötige die Partei seines Herzens vier „S“:
 

  1. Sinnlichkeit: „Wir müssen unsere gute Politik spürbar und menschlich rüberbringen. Geschichten aus dem Leben für das Leben erzählen.“
  2. Sympathischeres Personal: Die SPD brauche mehr Politikerinnen und Politiker mit Charme und Witz, die die Leute von ihrem Erscheinungsbild und ihrer Art nicht abstoßen, so Hestler. „Politiker, die im Leben stehen, bei den normalen Leuten ankommen. Mehr solche wie Malu Dreyer. Jemanden, der so denkt wie du und ich.“
  3. Sachkenntnis: Ganz ohne gehe es freilich nicht, es komme aber darauf an, diese menschennah und nicht staubtrocken rüberzubringen.
  4. Schnelligkeit: „Beim Landesparteitag werden 120 Anträge abgearbeitet werden müssen“, so Hestler. Das könne eine Partei schon lähmen. Ob da wirklich jeder Antrag notwendig ist!?
     

Leni Breymaier, die er sehr schätze, habe es leider nicht geschafft, die SPD im Südwesten zu einen und auf einen Weg des Wiedererstarkens zu führen, so Hestler. Aber die Hoffnung stirbt zuletzt. „Wir müssen am Samstag alles tun, dass sich ein dritter, ein Kompromisskandidat findet“, sagt Hestler.