Rems-Murr-Kreis

Schorndorfer OB hofft auf Prostitutionsverbot

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Matthias Klopfer, Oberbürgermeister in Schorndorf, plädiert für ein Sexkaufverbot. © Habermann / ZVW

Schorndorf. Sexkauf sei das älteste Verbrechen der Welt: Der Schorndorfer Oberbürgermeister Matthias Klopfer findet klare Worte für diese Art Gewerbe. Auch in seiner Stadt gibt’s Bordelle. Solange sich die Betreiber an die Regeln halten, muss die Stadt sie dulden, ebenso die für Prostitution genutzten Mietwohnungen. „Die eigentlichen Profiteure sind schwäbische Vermieter“, empört sich Klopfer: „Sie haben abartige Renditen auf diese Objekte. Das muss man nicht machen.“


Das Rotlicht in Schorndorf flackert, verglichen mit anderen Großen Kreisstädten, auf Sparflamme. In Waiblingen oder Fellbach gibt’s viel größere Bordelle. Trotzdem holt Matthias Klopfer das Thema immer wieder auf die Agenda: „Mir geht es darum, die Stadt zu sensibilisieren. Wir werden das immer wieder zum Thema machen. Sexkauf widerspricht der Menschenwürde.“

Prostitution in Deutschland ausdrücklich erlaubt

Der Gesetzgeber sieht das anders: Prostitution ist in Deutschland ausdrücklich erlaubt. Freier dürfen sich frei fühlen in der Bundesrepublik. Andere Staaten handhaben das Gewerbe viel restriktiver. Manch eine Junggesellenabschiedsparty beginnt deshalb, wie zu hören ist, im Flugzeug: Für ein verlängertes Wochenende fliegt man gern nach Deutschland, weil dort was geht.

Gang ins Bordell als „gedankenloser Freizeitvertreib“

Der Schorndorfer Oberbürgermeister glaubt fest daran, dass sich das ändern wird: Ein Prostitutionsverbot wird kommen, hofft er – nur kann das noch dauern. Klopfer hält das schwedische Modell für das richtige. Dort ist Prostitution verboten. Bestraft werden aber nur die Freier, nicht die Frauen. Ein Sexkaufverbot könnte den einen oder anderen Bordellbesucher zum Umdenken zwingen, gibt Klopfer zu bedenken: „Der Gang ins Bordell ist für viele zu einem gedankenlosen Freizeitvertreib geworden. Viele scheren sich nicht darum, unter welchem Druck und welcher Not Frauen ihnen zu Diensten sind.“

Klopfer selbst bei städtischen Kontrollen dabei

Kürzlich war Matthias Klopfer selbst im Rotlichtmilieu unterwegs – als Teilnehmer einer städtischen Kontrolle. Drei Prostitutionsstätten gibt es in Schorndorf. Dort schauen Mitarbeiter des Fachbereichs Sicherheit und Ordnung vorbei, um zu sehen, ob die Auflagen eingehalten sind.

Kontrollen werden angekündigt

Es geht beispielsweise um Brandschutz und die seit gut einem Jahr geltenden Vorschriften des Prostituiertenschutzgesetzes. Etwa dürfen Prostituierte ihr Arbeitszimmer nicht als Wohnraum nutzen, und sie müssen ein Badezimmer für sich haben.

Die Stadt kündigt solche Kontrollen an. Auf blitzblanke Räume traf Klopfer; „es sah so aus, als wär’ alles für einen Besuch der Schwiegermutter vorbereitet“. Sexarbeiterinnen waren zum Zeitpunkt der Kontrolle nicht vor Ort. Die Betreiber müssen das eine oder andere Detail noch verbessern, berichtet Klopfer, und es wird eine zweite Begehung geben. Ist alles in Ordnung, wird die Stadt die Erlaubnis für den weiteren Betrieb geben müssen.

„Schwäbische Vermieter“ verdienen indirekt viel Geld an Prostitution

Überhaupt nicht gut zu sprechen ist Klopfer auf „schwäbische Vermieter“, die von Prostitution profitieren – und zwar in ganz erheblichem Ausmaß. Es kommt ordentlich was zusammen an Mieteinnahmen im Zuge des Geschäftsmodells Prostitution – viel mehr natürlich, als wenn die Räume dauerhaft von einem herkömmlichen Mieter bewohnt wären. Direkt auf die Sachlage angesprochen, erntete Klopfer von einem Vermieter lediglich schlüpfrige Bemerkungen.

Videobotschaften auf Facebook-Seite

„Ich bin kein Freier“: Das ist der Titel einer Aktion, welche die Künstlerin Justyna Koeke vom Verein „Sisters“ initiiert und für die auch Klopfer eine Videobotschaft abgegeben hat:

Vor laufender Kamera fragten die Akteurinnen Männer auf der Straße, warum sie nicht ins Bordell gehen. Die Antworten fallen höchst unterschiedlich aus – mal mit Blick auf die eigene Befindlichkeit, mal mit dem Fokus auf den Prostituierten, die ihrer Menschenwürde beraubt würden, wie einige der Männer sagen.

„Eklig“ müsse das sein, der 15. Sexpartner an einem Tag zu sein, sagt einer der Befragten. „Weil ich’s nicht nötig hab´“, „weil sich das nicht gehört“, „weil ich meine Frau liebe“, „weil es mich langweilen würde“, „weil ich mir meine Frauen lieber gern an einer Bar selber klammer’“, „weil ich es unerotisch finde“, „weil ich es für wichtig halte, dass die Menschenwürde aller geachtet wird“, „weil ich keine Frauen missbrauchen möchte“.

Die Videos sind auf Facebook zu finden unter „IchbinkeinFreier“.


Nur die wenigsten sind freiwillig im Gewerbe

Im März ist in Schorndorf der Barbara-Künkelin-Preis an Sabine Constabel verliehen worden. Sie kämpft seit Jahren für ein Sexkaufverbot in Deutschland und setzt sich für die Rechte von Prostituierten ein. Bei der Preisverleihung sagte die Sozialarbeiterin aus Stuttgart: „Die Frauen leben wie Nutztiere für die parasitären Personen in diesem Umfeld.“

Sabine Constabel gehört dem Vorstand des Vereins „Sisters“ an. Das Hauptziel des Vereins: „Wir helfen Frauen in und aus der Prostitution. Wir begleiten sie auf dem Weg in ein sicheres Leben.“

Auf seiner Homepage schreibt der Verein zum Mythos, Frauen würden sich freiwillig für Prostitution entscheiden: „Falsch. Über 90 Prozent der Frauen tun es gezwungenermaßen. Es muss nicht immer der Frauenhändler und Zuhälter sein, der prügelt und vergewaltigt. So manches Mal werden Frauen aus den Slums in Osteuropa auch von ihren eigenen Familien in die Prostitution geschickt. Oder die junge Frau vom eigenen „Freund“. Oder die junge deutsche Prostituierte von der „Althure“, die in ihrem „Studio“ inzwischen andere anschaffen lässt.“