Rems-Murr-Kreis

Sehen und gesehen werden: Tipps im Straßenverkehr

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Fahrradfahrer im Dunkeln © Christine Tantschinez
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Die Sichtbarkeit wird mit reflektierenden Material enorm erhöht

Waiblingen. Im Winter drohen Verkehrsteilnehmern nicht nur widrige Witterungen, Schnee und Glätte. Knapp ein Viertel aller Straßenverkehrsunfälle mit Personenschäden geschehen laut Statistischem Bundesamt in der Dämmerung und bei Dunkelheit. Sehen und gesehen werden ist deswegen in der dunklen Jahreszeit besonders wichtig.  

Morgens um 7 Uhr ist es noch stockdunkel. Und nachmittags um 16 Uhr beginnt bereits die Dämmerung. Was schon bei hellen Lichtverhältnissen nicht gerade einfach ist, wird beispielsweise für Schulkinder im Winter noch viel gefährlicher: sicher zur Schule und zurück kommen. Aber nicht nur Kinder sind in Gefahr: Bei Dunkelheit ist es für Radfahrer und Fußgänger besonders schwer, sich von ihrer Umgebung abzuheben und aufzufallen. Laut ADAC ist ein dunkel gekleideter Fußgänger von einem Autofahrer bei schlechten Sichtverhältnissen erst aus rund 25 Meter Entfernung zu erkennen. Zum Vergleich: Der Anhalteweg eines Autos beträgt bei einer Notbremsung aus Tempo 50 etwa 28 Meter. Eine helle Mütze oder Jacke bei einem Passanten wird zumindest aus 90 Metern Abstand erkannt.

Reflektoren schützen

Kleidung oder Accessoires mit reflektierendem Material verbessern die Sichtbarkeit  jedoch enorm, auf bis zu 140 Meter. An Schulranzen und Rücksäcken sind nicht umsonst Reflektoren angebracht, noch besser sind Jacken oder Westen, die mit eingebauten Reflexmaterial die Sichtbarkeit der Kinder (und Erwachsenen) erhöhen. Der TÜV Rheinland empfiehlt allerdings, auf das Prüfsiegel zu achten. "Reflektoren sollten die DIN Norm EN 13356 erfüllen und mit dem CE-Zeichen versehen sein" sagt Ralf Diekmann, Produktsicherheitsexperte. Wer sich beim Kauf unsicher ist, könne aus wenigen Metern Entfernung ein Handyfoto mit Blitzlicht von der Reflektionsfläche machen, empfielt der Experte. Gutes Rückstrahlverhalten wird dann direkt auf dem Display sichtbar.

Radfahrer sollten vorsorgen

Auch Radfahrer haben bei Dunkelheit schlechtere Karten. Um bei schlechten Sichtverhältnissen rechtzeitig wahrgenommen zu werden, rät der Automobil-Club Verkehr (ACV) allen Radfahrern, mit Warnwesten zu fahren. Auch die richtige Beleuchtung am Rad und ausreichend Reflektoren können dabei helfen, Unfälle zu vermeiden. Zumal bei verschmutzter oder fehlender Beleuchtung am Rad ein Bußgeld von mindestens 20 Euro fällig wird. 

ACV-Sprecher Jürgen Koglin warnt zudem, die Verkehrsregeln nicht leichtsinnig zu missachten. "Wer entgegen der Fahrtrichtung unterwegs ist oder über eine rote Ampfel fährt, riskiert nicht nur Bußgeld und Punkte in Flensburg, sondern sein Leben" sagt Koglin. Die Regeln der Straßenverkehrsordung gelten auch für Radfahrer.

"Gucklöcher" sind gemeingefährlich

Den größten Anteil an der Verkehrssicherheit aber tragen die Autofahrer. Deswegen sind funktionierende, saubere und auch richtig eingestellte Scheinwerfer die Mindestanforderung im Winter. Licht an, auch bei Tag. Denn wer trotz ungünstiger Sichtverhältnisse ohne Licht fährt, dem kann auch bei einem nicht selbst verursachten Unfall eine Teilschuld zugesprochen werden. 

Die Wischerblätter müssen funktionsfähig, der Scheibenwischwascher-Behälter gut gefüllt sein, weil man gerade im Winter mehrmals die Salzreste von der Scheibe spülen muss. 

Gemeingefährlich wird es, wenn sich Autofahrer an der morgendlichen vereisten Scheibe lediglich ein "Guckloch" freikratzen. Dann ist man quasi im Blindflug unterwegs. Schnell übersieht man einen Radfahrer, Fußgänger oder ein abbiegendes Auto. Wenn die Polizei einen erwischt, droht ein Bußgeld. Passiert wirklich ein Unfall, ist im schlimmsten Falle ebenfalls der Versicherungsschutz weg.

Bei einer vereisten Scheibe hilft also nur eins: Geduldig komplett frei kratzen. Dabei bitte den Motor auslassen: Das hilft nämlich rein gar nichts, sondern belastet nur die Umwelt.