Rems-Murr-Kreis

Siebenpunkt, Erdhummel und alle anderen Insekten sind in Not - wie viele finden Sie in Ihrem Garten?

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Siebenpunkt Marienkäfer
Gesehen an der Endersbacher Straße in Stetten: Der Siebenpunkt-Marienkäfer. © Michael Eick
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Erdhummel
Gesehen an der Endersbacher Straße in Stetten: Die Erdhummel © Michael Eick
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Hainschwebfliege
Gesehen an der Endersbacher Straße in Stetten: Die Hainschwebfliege © Michael Eick
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Blaugrüner Schenkelkäfer
Gesehen an der Endersbacher Straße in Stetten: Der blaugrüne Schenkelkäfer © Michael Eick

Auch in Stetten gibt’s eine dieser stets ungeliebten Einfahrtstraßen: direkt im Anschluss an einen Kreisel, vorbei an Industriebauten, rein ins Dorf. Und trotzdem: Hier gibt’s ein paar Stückchen Natur, die vorbildlich sind. Hier blühen Salbei, Witwenblume, Margeriten, Lein, Königskerze, verschiedene Nelkenarten, auch der ganz banale Löwenzahn, seltene Kleesorten, Schafgarbe und noch viel mehr. Es ist eine Pracht. Eine mehrjährige, was besonders hervorzuheben ist. Und die freut nicht nur die Menschen.

Michael Eick vom Nabu Rems-Murr sitzt am Straßenrand und zählt. An die 40 Pflanzenarten macht er auf diesem kleinen Stückchen aus, das bis vor kurzem noch niemand brauchte, das stets als Hundeklo missbraucht wurde und das unter dem bürokratischen Namen „Straßenbegleitgrün“ läuft. Jetzt aber ist es ein Biotop geworden. Eines, wie es in dieser Qualität wenige in den Gemeinden des Rems-Murr-Kreises gibt, sagt Eick. Und damit einen Lebensraum für Insekten bietet – die Tiere, die aus unserer Welt gerade so still verschwinden. Um die geht’s Eick ganz besonders.

Ein winzig kleines Wildbienchen, dessen Namen nicht mal der Fachmann kennt

Michael Eick findet die Hainschwebfliege, den Siebenpunkt-Marienkäfer, seinen kleineren Bruder mit den zwei Punkten und den eingewanderten Vetter aus Asien, der mit ganz vielen Punkten aufwarten kann. Außerdem eine höchst divenhafte aber wunderschöne, schlank-elegante Schmarotzerwespe, die aber einfach nicht stillhält und daher auf keinem Foto landet. Dafür kann er den blaugrünen Schenkelkäfer aufs Bild bannen. Eick findet die Ackerhummel, die Erdhummel und die Gartenhummel, die Honigbiene und ein winzig kleines Wildbienchen, dessen Namen nicht mal er kennt. „In Deutschland“, sagt Michael Eick, „gibt es rund 500 Arten an Wildbienen. Diese Namen kann man gar nicht alle wissen.“

Insektensommer
Blühender Straßenrand: Die Gemeinde Kernen sei bei dieser Bepflanzung und Pflege vorbildlich, sagt Nabu-Fachmann Michael Eick. © Eckstein

Michael Eick probt schon mal für eine Nabu-Aktion ähnlich der Stunde der Gartenvögel. „Insektensommer“ heißt sie und gefordert sind wieder alle, die ein bisschen Zeit und Lust haben und außerdem Liebe für die kleinen Krabbler und Flieger an den Blumen.

Zwei Termine gibt’s, denn im Frühsommer tummeln sich andere Insekten als im Hochsommer. Daher sollten sich Insektenzähler einmal vom 29. Mai bis 7. Juni und ein zweites Mal vom 31. Juli bis 9. August jeweils eine Stunde Zeit nehmen. Gezählt wird im eigenen Garten oder auch an einer Stelle wie der in Stetten, wo’s blüht und fliegt. Der Nabu freut sich über jedes erkannte und gezählte Insekt, doch um die Zählung leichter zu machen, gibt’s acht Tiere, auf die das Augenmerk besonders gelenkt werden soll. Anfang Juni geht’s zum Beispiel um das Tagpfauenauge und den Admiral, die Steinhummel und die Hainschwebfliege, die Florfliege, den asiatischen Marienkäfer, die Blutzikade und die Lederwanze. Im August stehen unter anderem der Schwalbenschwanz, die blaue Holzbiene, die Ackerhummel und das große Heupferd im Fokus.

Drei Hummeln auf einmal gesehen? Dann auch drei zählen

Die Frage, ob die dicke Hummel, die dem Beobachter ins Blickfeld brummt, dieselbe ist wie die von vor fünf Minuten, stellt sich nicht: Eine Hummel gesehen ergibt nur einen Strich für die Hummel. Nur wer mehrere Tiere auf einmal sieht, darf auch mehrere vermerken.

Wer nicht nur zählen, sondern auch dafür sorgen will, dass die Insekten im eigenen Garten eine Heimat finden, kann schon mit ganz kleinen Maßnahmen für Nahrung und Nistplatz sorgen. Zum Beispiel, indem einfach ein oder zwei Flecken im Rasen zur Blühwiese werden. Die entsteht entweder, weil der Rasen an dieser Stelle nicht mehr gedüngt wird und sich die Wildblumen irgendwann von allein ansiedeln. Oder, wer’s gern schneller bunt haben will, indem die Erde am ausgewählten Platz mit Sand und Kies abgemagert wird. Dann die für den Standort passende heimische Blühmischung aussähen, ein bisschen festtreten, gießen und warten. Und – ganz wichtig und schön für Gartenfaulpelze – nur ein-, höchstens zweimal im Jahr mähen. Denn vor allem die so selten gewordenen Schmetterlinge sind oft ein ganzes Jahr an ihre Pflanze gebunden. Wer die abmäht, schafft nicht Ordnung, sondern tötet das Tier.

Was, wann, wie?

Die Insektensommer-Zählaktion findet vom 29. Mai bis zum 7. Juni und vom 31. Juli bis zum 9. August statt. Gezählt wird jeweils eine Stunde lang.

Gezählt werden darf im eigenen Garten, irgendwo in der Natur oder am Straßenrand. Der Zählort muss angegeben werden.

Die Ergebnisse werden entweder mit der Handy-App „Nabu Insektenwelt“ an den Nabu weitergeleitet. Oder online auf www.nabu.de/tiere-und-pflanzen/aktionen-und-projekte/insektensommer gemeldet.

Hier gibt’s auch ein Zählhilfe-Blatt zum Download.