Rems-Murr-Kreis

So werden Wohnungssuchende betrogen

Wohnungssuche_0
Die Wohnungssuche gestaltet sich mitunter schwierig. Symbolfoto. © Andreas F. / Fotolia

Fellbach. Die Wohnungen sind in begehrter Lage, meist möbliert und überraschend billig. Der vermeintliche Vermieter schreibt aus dem Ausland, entweder auf Englisch oder der Text wurde offensichtlich von einem Computerprogramm ins Deutsche übersetzt. Der große Haken: Die Schlüsselübergabe soll gegen eine hohe Kaution erfolgen. Wer das Geld überweist, ist einem Betrüger auf den Leim gegangen.

Wer nach einer Wohnung sucht, steht in der Regel unter Druck. Im schlimmsten Fall hat man ein konkretes zeitliches Ultimatum und kein sonderlich großes finanzielles Budget. Natürlich benutzt man heutzutage auch bei der Suche nach einer Bleibe das Internet. Auf Portalen wie Immobilienscout24, Immowelt und Immonet gibt es viele verlockende Angebote. Jedoch stellt man nach spätestens der zehnten Anfrage fest: Die Website ist heillos überlaufen, auf eine Anzeige melden sich Hunderte Interessierte. Der perfekte Ort für Betrüger also, um ihre Köder auszuwerfen.

Betrüger wollen schnelle Entscheidung

Ein vermeintlicher Wohnungsbesitzer antwortet dem Interessenten aus dem Ausland, auf Englisch oder schlechtem Deutsch. Er oder sie erzählt eine rührende Geschichte, sehr persönlich, gerne geben sich die angeblichen Vermieter auch als Arzt aus. Oft fordert der Betrüger den Wohnungssuchenden auf, sich schnell für oder gegen die Wohnung zu entscheiden. In der zweiten oder dritten Mail kommt dann die Bedingung: Man solle die Kaution oder ein Pfand für eine Schlüsselübergabe auf ein ausländisches Konto überweisen. Dieses Geld kassieren die Betrüger. Auf die Spur kommen kann man ihnen nicht.

19-Jährige aus Aalen auf Betrüger hereingefallen

Erst am 24. September ist laut Polizeipräsidium Aalen wieder jemand auf die Betrüger hereingefallen: Eine 19-Jährige aus Aalen hatte einer Betrügerin 800 Euro auf ein italienisches Konto überwiesen, für die Besichtigung einer Wohnung in Fellbach. Danach erst wurde sie auf die Betrugsmasche aufmerksam; ihr Geld wird sie allerdings nie wieder sehen.

Aus Rems-Murr-Kreis vor allem Fellbacher Adressen

Solche Betrugsfälle sind keine Seltenheit. Auf einer Blogspot-Seite haben Betroffene seit 2010 Fälle von versuchtem oder gelungenem Wohnungsbetrug eingetragen. Jedes Jahr hat mehrere Tausend Einträge. Hier sind Bildern von der Aufmachung der Anzeigen aufgelistet, Screenshots aus dem E-Mail-Verkehr mit den Betrügern, Listen der benutzten Namen, Adressen, und E-Mail-Adressen. Manche Anzeigen erscheinen mit zig verschiedenen Adressen. Standorte wie Berlin, München und Hamburg sind beliebt. Auch Stuttgarter Adressen tauchen auf. Aus dem Rems-Murr-Kreis sind es vor allem Fellbacher Adressen: Die Albert-Schweizer-Straße 11, die Esslinger Straße 11, die Cannstatter Straße 60 und der Elsa-Brändström-Weg sind von den Betrügern wiederholt verwendet worden.

Online-Portale warnen – versteckt

Dass solche betrügerische Anzeigen seit etwa zehn Jahren auf diesen Websites kursieren, wirft die Frage auf, wieso die Betreiber der Online-Immobilienportale nicht stärker dagegen vorgehen. Von Immobilienscout24 gibt es zwar einen Eintrag im eigenen Blog zu diesem Thema – dieser ist jedoch noch aus dem Jahr 2016 und nur aufrufbar, wenn man das Stichwort „Betrug“ zusammen mit dem Seitennamen bei Google eingibt. Vorbeugend dürfte seine Wirkung also gering sein. In diesem Beitrag gibt Immobilienscout24 an, man sei „mit hohem Aufwand vorbeugend tätig“, jedoch könne man die enorme Anzahl eingehender Anzeigen nicht alle vor Veröffentlichung überprüfen. Gesetzlich sei auch der Anbieter selbst für seine Anzeige verantwortlich, nicht das Portal. Man habe aber technische Maßnahmen etabliert und beschäftige zusätzlich „ein spezialisiertes Team für die Qualitätssicherung“. Die Betrüger ließen sich jedoch immer wieder neue Tricks einfallen, wodurch ihre Bekämpfung ein „Katz-und Maus-Spiel“ sei.

Masche ist seit Jahren dieselbe

Es fällt dennoch auf, dass die Masche der Vorkassebetrüger seit Jahren dieselbe ist. Wieso weisen die Immobilien-Websites ihre Nutzer nicht einfach auf ihrer Startseite gut sichtbar auf diese Masche hin? So wie viele Banken vor Phishing warnen?

Sucht man auf den Websites nach so einer Warnung, stellt man fest: Immowelt verfügt auf ihrer Startseite tatsächlich über einen großen Hinweis. Dort kann man über die große Anzeige „Sicherheit für Mieter, Vermieter und Verkäufer - Unseriöse Angebote erkennen“ direkt auf die Sicherheitshinweise zugreifen. Dort wird dann der Vorkassebetrug auch gleich an zweiter Stelle – nach der Phishing-Warnung - erklärt und es wird davor gewarnt.

Schon auf der Tochterseite Immonet sucht man nach so einem Hinweis vergeblich. Immobilienscout24 hat zwar unter seinem Reiter „Sicherheit“ dieselbe Warnung versteckt, bis man diesen jedoch als allerletzten Reiter in der untersten Ecke der Seite einmal gefunden hat, haben einem die Betrüger unter Umständen das Geld schon dreimal aus der Tasche gezogen.