Rems-Murr-Kreis

Spaziergänger aufgepasst: Der Wald wird wieder gekalkt

Kalk
So wird’s gemacht: Kalk-Ausbringung per Bodenmaschine. Foto: ForstBW © Forst BW

Der Klimawandel stellt die Wälder vor große Herausforderungen: Trockenheit, Stürme und Schädlinge stressen die Bäume. Die Wissenschaft sieht in der Bodenversauerung einen weiteren Auslöser für die Waldschäden. Die Kalkung der Waldböden ist daher eine wichtige Strategie zur Anpassung der Wälder in Zeiten der Klimakrise. Wie das abläuft, lässt sich bald im Forstbezirk Schwäbisch-Fränkischer Wald beobachten.

„Mit der gezielten Bodenschutzkalkung unterstützen wir unsere Waldböden und mildern die negativen chemischen Prozesse im Untergrund ab“, erläutert Tobias Horwath, stellvertretender Leiter des Forstbezirks mit Sitz in Welzheim. „In den letzten 70 Jahren haben viele unserer Waldböden durch Luftschadstoffe und Säureeinträge stark gelitten“.

Warum es Sinn ergibt, Wälder zu kalken

Intakte Waldböden sind die Lebensgrundlage für gesundes Waldwachstum und für die langfristige Erhaltung der Waldfunktionen äußerst wichtig. Forscher gehen davon aus, dass Bäume in versauerten Böden flacher wurzeln und dort noch anfälliger für Trockenstress sind. Sie raten daher dringend, für die Entwicklung klimastabiler Wälder versauerte Böden zu kalken.

Die zweite bundesweite Erhebung des Bodenzustands hat gezeigt, dass sich die Situation versauerter Waldböden mit dem Ausbringen von Kalk verbessern lässt. Das gemahlene oder zerkleinerte Gestein erhöht den pH-Wert der Waldböden, die Sättigung mit wichtigen Nährelementen nimmt dadurch wieder zu.

Im Ergebnis steigt damit die Vielfalt und Häufigkeit von Bodenlebewesen spürbar an, was auch die Kohlenstoffspeicherung in den Böden verbessert.

Seit rund zehn Jahren werden in Baden-Württemberg zur Bodenschutzkalkung Gemische aus Dolomit, Holzasche und Wasser eingesetzt. Das Material wird entweder mit Hubschraubern ausgebracht oder mittels speziell ausgerüsteter Fahrzeuge vom Boden aus verblasen. Dieses Gemisch ist für Waldbesucher ungefährlich.

Die folgenden Waldgebiete sind demnächst dran

Ab der zweiten Augustwoche findet auf den Staatswaldflächen der Reviere Steinenberg, Eulenhof und Lorch eine Bodenschutzkalkung mit Hubschrauberausbringung statt. Die Ausbringung vom Boden aus beginnt Anfang Oktober.

Die zu kalkenden Waldgebiete liegen östlich des Wieslauftals, zwischen Rudersberg und Welzheim, nördlich von Urbach, Plüderhausen und Lorch sowie westlich von Schwäbisch Gmünd. Das Remstal grenzt die Fläche im Süden ab. Je nach Wetterlage wird die Maßnahme mehrere Wochen in Anspruch nehmen.

Während der Ausbringungsarbeiten werden die betroffenen Waldbereiche abgesperrt, dadurch kann in dieser Zeit der Waldzutritt teilweise eingeschränkt sein. „Waldbesuchende sollten die Sperrhinweise beachten, denn es ist mit einem erhöhten LKW-Verkehr aufgrund der Materialanlieferungen sowie herabrieselndem Kalkstaub aus dem Streukübel des Helikopters zu rechnen und es wird allgemein staubig werden“ betont der zuständige Forstbezirksleiter Martin Röhrs.

Idealerweise sollte man in diesen Bereichen vor dem nächsten Waldbesuch einen Regenschauer abwarten, der den Kalkstaub vollends in den Boden spült.