Rems-Murr-Kreis

Sperrungen statt Schlaglöcher: Hier wird saniert und gebaut

Kreisstraße Bau Baumaßnahmen Sperrung Sanierung Straße Schlagloch Schlaglöcher_0
Im Juni ist die Kreisstraße zwischen Winnenden-Höfen und Hertmannsweiler saniert worden. © Schneider / ZVW

Schwaikheim/Waiblingen. Die gute Nachricht ist: Die Kasse für die Sanierung der Kreisstraßen ist gefüllt und ermöglicht, mehr Schlaglöcher zu stopfen. Die schlechte Nachricht für Autofahrer ist jedoch: Immer mehr Straßen werden vorübergehend zu Baustellen und werden gesperrt. So ist in Schwaikheim die Zufahrt zur Bundesstraße 14 von Ende Juli bis Mitte Oktober dicht.


Die Sanierung der K-1850-Brücke am Schwaikheimer Industriegebiet war eine von vier Vergaben, die der Umwelt- und Verkehrsausschuss des Kreistages am Montag abhakte. Darüber hinaus empfahl der Ausschuss dem Kreistag, den Kreisstraßenmaßnahmenplan 2018-2021 samt der Reihenfolge abzusegnen, in der die Projekte angepackt werden.

Das Straßenbauamt im Landratsamt hat gut zu tun: In den nächsten vier Jahren werden je rund sechs Millionen Euro in die Sanierung und den Ausbau von Kreisstraßen, Bauwerken und Radwegen investiert. Das Doppelte, was der Kreis in den vergangenen Jahren und Jahrzehnten ausgab. Kein Wunder, dass die Diagnose des fast 400 Kilometer langen Kreisstraßennetzes verheerend ausfällt: Die Hälfte der Straßen gilt als marode. Die standardisierte Zustandserfassung und -bewertung ergab die Noten 3,5 und schlechter.

Reparaturmaßnahme in Baach sorgt für Zündstoff

„Es geht voran“, hieß das Motto der Ausschusssitzung, in der die Kreissräte den Maßnahmenplan einhellig lobten. 30 Kreisstraßen und zehn Bauwerke sollen saniert sowie sechs Straßen ausgebaut werden. Ferner stehen sieben Radwege auf der Liste, die in den kommenden vier Jahren für eine halbe Million Euro realisiert werden sollen.

Einzig die Reparatur der Brücke in Weinstadt-Baach hat im Maßnahmenplan für Zündstoff gesorgt. Anwohner sorgten sich, dass ihr aus dem Jahr 1880 stammendes und denkmalgeschütztes Brückle zu Tode saniert wird. Landrat Richard Sigel versicherte, dass die Sanierung behutsam erfolgt, keine überdimensionierte Brücke geplant sei. Das Straßenbauamt hat einen Gutachter beauftragt und das auf Platz eins der Prioritätenliste stehende Projekt erst einmal zurückgestellt.

Ob eine Straße viel befahren ist, spielt keine entscheidende Rolle

Die Kreisräte winkten die Prioritätenliste ohne Debatte durch. CDU-Fraktionssprecher Christoph Jäger hatte seine Kollegen erneut vor Kirchturmpolitik gewarnt und gewarnt, sich nicht für die eine oder andere Maßnahme aus ihren Orten einzusetzen. Einzig FDP/FW-Kreisrätin Gudrun Wilhelm konnte sich die Frage nicht verkneifen, wie es um Radwege in ihrem Kirchberg an der Murr stünde – und wurde einmal mehr vertröstet. Auch Josef Heide (AfD/Unabhängige) wärmte die alte Diskussion aus, wieso stark befahrene Straßen auf der Liste nicht nach vorn gezogen werden. Weil der Raum Murrhardt mangels Gelder in der Vergangenheit stark vernachlässigt worden war, sind dort die Straßen besonders marode, sagte Straßenbauamtsleiter Stefan Hein. Auch im Sinne einer Förderung des ländlichen Raums werden dort in den kommenden vier Jahren viele Projekte realisiert.

Der Umwelt- und Verkehrsausschuss hat am Montag vier weitere Projekte vergeben, nachdem im Frühjahr die Sanierung der Kreisstraße 1862 Schnait-Baach und K 1865 Schnait-Manolzweiler über die Bühne ging und die Maßnahmen also bereits erledigt sind:

  • Ausbaumaßnahmen: Rund 990 000 Euro kostet die Instandsetzung der K 1900 Vorderwestermurr-Käsbach samt einer Fahrbahndeckenerneuerung der K 1802 zwischen Vorderwestermurr und Einmündung in die K 1801. Die K 1900 ist vom 30. Juli bis 29. August voll gesperrt, die K 1802 vom 1. bis 8. Oktober.
  • Bauwerk-Sanierung: 390 000 Euro kostet die Kreisstraßenbrücke in Schwaikheim (K 1850). Während der Autoverkehr vom 23. Juli bis voraussichtlich 14. Oktober weiträumig über Winnenden umgeleitet wird, können Busse einen kürzeren Schleichweg benutzen. Für die Reparatur der Brücke erhält der Kreis eine Förderung über 175 000 Euro vom Land aus dem Programm „Kommunaler Sanierungsfonds“.
  • Erhaltungsmaßnahmen und Radwege: Etwa 830 000 Euro kostet die Sanierung der Murrbrücke und der Radweg bei Oppenweiler-Zell. Elf Wochen lang, vom 1. August bis 15. Oktober, sind Brücke und Radweg gesperrt.
  • Der Kreis beteiligt sich mit fast 230 000 Euro am Ausbau eines Teilabschnitts der K 1915 bei Berglen-Rettersburg. Dort plant die Gemeinde in Richtung Öschelbronn einen Kreisverkehr, um ein Neubaugebiet anzuschließen. Im Kreisstraßenmaßnahmenplan steht der Ausbau dieser Kreisstraße auf Platz eins.

383 Kilometer Kreisstraßen

Der Rems-Murr-Kreis muss sich um 383 Kilometer Kreisstraßen kümmern. Im Kreishaushalt 2018 ist der Etat für die Erhaltung und den Ausbau der Kreisstraßen und Bauwerke sowie für Radwege für dieses und die kommenden drei Jahre auf jährlich sechs Millionen Euro verdoppelt worden. Im Kreisstraßenmaßnahmenplan sind 30 Kreisstraßen und zehn Bauwerke für eine Sanierung gelistet, ferner sollen sechs Straßen ausgebaut und sieben Radwege erstellt werden. „Kreisstraßen stellen den größten Anteil am überörtlichen Netz und leisten damit insbesondere in Gebieten mit eingeschränkter Anbindung an den öffentlichen Nahverkehr einen unverzichtbaren Beitrag zur verkehrlichen Erschließung der Fläche“, schreibt Landrat Richard Sigel im Vorwort des Kreisstraßenmaßnahmenplans 2018-2021.

Erstmals wurden auch Radwege im Maßnahmenplan aufgenommen. Voraussetzung ist jedoch, dass der Zustand des rund 200 Kilometer langen Radwegenetzes zwischen Rems und Murr wie der der Straßen erfasst und bewertet wird. Den Auftrag dazu hat der ADFC erhalten. Ziel des Konzepts ist, ein „alltagstaugliches Startnetz“ zu erhalten: Lücken sollen geschlossen, Radwege auf Regelbreite ausgebaut, Beläge saniert, Querungshilfen geschaffen sowie Radwege mit Bussen und Bahnen vernetzt werden. Jährlich stehen für Radwege eine halbe Million Euro zur Verfügung.