Rems-Murr-Kreis

Studie: Mögliche Verbesserungen für Rems- und Murrbahn

d7c1740b-c537-48af-8f2a-3fd941b8764f.jpg_0
Der Intercity Stuttgart-Nürnberg fährt mehrmals am Tag durch Weinstadt. © ZVW/Gabriel Habermann

Waiblingen. 50 000 Euro lässt sich der Rems-Murr-Kreis eine neue Studie kosten, die die beste Fahrstrecke von Stuttgart nach Nürnberg untersucht. Mit einer Untersuchung der Deutschen Bahn waren die Landkreise Rems-Murr, Schwäbisch Hall und Ostalb nicht zufrieden, weil die sich nur auf die Neigetechnik beschränkte.

Eigentlich, monierten Kreisräte im Umwelt- und Verkehrsausschuss des Kreistages, ist eine solche Untersuchung Aufgabe der Deutschen Bahn. Denn es sei ja im ureigensten Interesse der Bahn, möglichst viele Fahrgäste möglichst schnell und komfortabel von und nach Berlin zu bringen. 2018 war die Murrbahn im Bundesverkehrswegeplan 2030 in den vordringlichen Bedarf aufgerückt, was die Chancen erhöht, dass die eingleisigen Streckenabschnitte endlich beseitigt werden. In den Planungsüberlegungen des Bundes und der Bahn sind aus Sicht der Interessengemeinschaft des Schienenkorridors Stuttgart-Nürnberg jedoch wesentliche Elemente nicht berücksichtigt worden. Deshalb gibt die Interessengemeinschaft nun eine eigene Studie in Auftrag (200 000 Euro), an der sich der Rems-Murr-Kreis mit 50 000 Euro beteiligt.

Untersucht werden soll über die Neigetechnik hinaus das Fahrgastpotenzial, das sich durch eine gute Zugverbindung von und nach Nürnberg ergibt. Zwar ist von Waiblingen und Schorndorf eine Fahrt über Stuttgart und Frankfurt nach Berlin derzeit noch erste Wahl.

Fahrzeit nach Nürnberg verkürzen

Doch könnte es über Nürnberg schneller gehen, wenn der Fahrgast in Nürnberg nicht 40 Minuten auf den Zug nach Berlin warten müsste. Derzeit sind die Intercity-Züge von Stuttgart nach Nürnberg etwa 2:12 Stunden unterwegs, der Regionalexpress braucht 2:30 Stunden. Der IC nach Nürnberg hält um 6.28 Uhr und 8.28 Uhr auch in Schorndorf.

Die bisherigen Planungsüberlegungen sind aus Sicht der Interessengemeinschaft unzureichend. Untersucht wurde, wie Neigetechnik-Züge auf der Rems- oder Murrbahn die Fahrzeit nach Nürnberg verkürzen würden. Wenig überraschend war das Ergebnis. Auf der kürzesten Strecke, der Murrbahn, sind Fahrgäste im Neigezug vier bis sechs Minuten schneller unterwegs. Doch sei diese Technik nicht nur teuer, sondern auch anfällig.

Kürzere Umsteigezeiten

Die neue Studie soll darüber hinaus klären, welche Fahrgastpotenziale sich auftun und wie die Anschlüsse an den ICE München-Berlin verbessert und die Umsteigezeiten verkürzt werden könnten. „Beide Linien, Rems- und Murrbahn, werden hierbei gleichermaßen, auch jenseits des kontroversen Neigetechnik-Einsatzes, betrachtet“, heißt es in der Vorlage für die Kreisräte.

Nicht nur der grünen Kreisrätin Ulrike Sturm missfiel an der Studie ein Punkt. Dass die Federführung dem Ostalbkreis obliegt. Die Ostalb habe schließlich ein großes Interesse daran, dass bei der Studie die Remsbahn gut wegkommt, obwohl die Murrbahn nachweislich die kürzeste Verbindung darstelle. Verkehrsdezernent Peter Zaar widersprach. In Aalen sei lediglich die Geschäftsstelle der Interessengemeinschaft. Dies bedeute aber nicht die Federführung in der Studie.

Grundsätzlicher fiel die Kritik von SPD-Kreisrat Klaus Riedel an der Studie aus. Wie die Strecke Stuttgart-Zürich gezeigt habe, sei die Neigetechnik nicht funktionsfähig. Und der Zeithorizont der Studie sei arg langfristig: „Ich wage zu behaupten, im nächsten Jahrzehnt passiert gar nichts.“ Selbst wenn, konterte Zaar. Dann liege eine Studie zumindest in der Schublade und die Überlegungen über den schnellsten und besten Weg nach Berlin beginnen nicht bei null.