Rems-Murr-Kreis

Studie: Parkassistenten schützen nicht vor Unfällen

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Schöne Bescherung. © ZVW/Gabriel Habermann (Archiv)

Waiblingen. Ein- und Ausparken scheint nicht zu den Stärken vieler Autofahrer zu gehören, denn laufend kommt es zu Parkremplern. Wer Parkassistenten nutzt, trägt dennoch die volle Verantwortung: Technik hilft zwar, kann aber keine 100-Prozent-Sicherheit bieten. Bei Versuchen kam es zu Unfällen, obwohl Fahrer diverse Systeme nutzten.

„Rund 2000 Euro Schaden hinterließ ein unbekannter Fahrzeuglenker ...“ – so oder ähnlich heißt es mehrfach in der Woche in den Pressemeldungen der Polizei. Beim Ein- und Ausparken entstehen jede Menge Blechschäden, und sehr oft verschwinden Autofahrer nach solchen Unfällen einfach.

In aufwendigen Versuchen hat die Unfallforschung der Versicherer überprüft, inwiefern Parkassistenten die Zahl dieser Unfälle reduzieren könnten.

Natürlich kommt es darauf an, welche Art von Parkassistent in einem Fahrzeug verbaut ist. Bloße Piepser warnen, sobald der Abstand zu einem Hindernis bedenklich klein wird. In der nächsten Komfortstufe leisten Rückfahrkameras einem Fahrer gute Dienste – oder aber, die Technik übernimmt das leidige Einparken komplett selbstständig.

Technik sollte nicht nur den Abstand zum Hindernis messen

Das Fazit der Unfallforscher nach Versuchen mit verschiedenen Systemen, erprobt von 60 Testfahrern: „Nur beim vollautomatischen System traten beim Rückwärtseinparken keine Kollisionen auf.“ Technisch einfachere Systeme seien bei jenen Fahrzeugen nicht ausreichend, die eine schlechte Rundumsicht bieten. Bei Parkassistenten, die einen Autofahrer lediglich unterstützen, ihm aber nicht die ganze Arbeit abnehmen, sollte aus Sicht der Unfallforscher ein wichtiges Detail nicht fehlen: Die Technik sollte nicht nur den Abstand zum Hindernis messen, sondern auch die Geschwindigkeit einkalkulieren und entsprechend früher warnen: „Nur so lassen sich Parkrempler und Unfälle deutlich reduzieren oder ganz vermeiden“, heißt es im Forschungsbericht.

Grundsätzlich können Parkassistenten die Anzahl von Zusammenstößen „generell reduzieren“, und speziell beim Rückwärtseinparken leisteten die Assistenten gute Dienste. Dieses Fazit zieht die Unfallforschung. Doch das Aber folgt sogleich: „Daraus ist jedoch nicht abzuleiten, dass Parkassistenten im Heck immer genügend Assistenz bieten. Das Gegenteil ist der Fall.“

Während der Tests kam es besonders beim Rückwärtsausparken zu relativ vielen Zusammenstößen mit Hindernissen, die ganz plötzlich auftauchten. Im realen Leben ist immer damit zu rechnen, dass unerwartet ein Fußgänger hinters Auto tritt oder ein Radfahrer eine Abkürzung nimmt.

Parkassistenten müssen eingreifen, fordern die Forscher

Die Schlussfolgerung liegt nahe: Die Technik muss für größere Sicherheit sorgen, fordern die Unfallforscher. Aus ihrer Sicht reicht es nicht, wenn ein Parkassistent den Raum hinterm Auto überwacht – er muss auch selbst rechtzeitig eingreifen, sprich das Auto stoppen, wenn es der Fahrer nicht tut. Als nicht optimal beschreiben die Unfallforscher halbautomatische Systeme. Gemeint sind Einparkhilfen, die dem Fahrer die Querbewegung des Autos abnehmen; den Rest managt er selbst. Die Testfahrer, die diese Variante im Auto hatten, verursachten Unfälle.

„Parksensoren sind sehr gefragt und in vielen neuen Modellen auch Standard“, sagt Reiner Äckerle, Kreisvorsitzender Rems-Murr der Innung des Kraftfahrzeuggewerbes in der Region Stuttgart. Er rät, bei rein akustischen Einparkhilfen zuerst zu testen, „ab welchem Abstand der Dauerton zu hören ist“. Bei Fahrzeugen mit Rückfahrkameras hält er es für ratsam, „damit zu üben“.

Wer nachträglich einen Parkassistenten einbauen lassen möchte, sollte das Fachleuten überlassen, rät Reiner Äckerle: „Ein fehlerhafter Einbau kann die Zusammenarbeit der im Fahrzeug verbauten Computer stören.“


Polizei rufen

Nach einem Parkrempler müssen die Beteiligten die Polizei nicht hinzuziehen; sie können sich auch untereinander einigen. Vor allem bei strittigen Fällen – und manchmal erweist sich ein Fall erst später als strittig – ist es ratsam, die Polizei anzurufen, so Sprecher David Ebert.