Rems-Murr-Kreis

Tagesmütter bekommen mehr Geld

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Wenn Mama und Papa arbeiten gehen, sollen die Kinder trotzdem gut betreut werden. Dazu gehört auch viel Zeit an der frischen Luft. Tagesmütter sorgen für diese Betreuung und werden deshalb vom Kreisjugendamt bezahlt. © Pixabay/CC0 Public Domain

Waiblingen. Die Tagesmütter im Rems-Murr-Kreis können sich auf eine Gehaltserhöhung freuen: Ab Sommer bekommen sie 6,50 Euro pro Stunde für jedes betreute Kind. Das hat der Jugendhilfeausschuss am Montag beschlossen. Das Kreisjugendamt zahlt damit mehr, als in der landesweiten Empfehlung zur Kindertagespflege gefordert wird.

Die Tagesmütter im Rems-Murr-Kreis bekommen ab dem 1. Juni mehr Geld. Bislang wird für betreute Kinder vom Kreisjugendamt 5,50 Euro auf die Stunde bezahlt. Das Kreisjugendamt macht damit keinen Unterschied zwischen Kindern über oder unter drei Jahren und liegt schon bislang über der Empfehlung von Städtetag, Landkreistag und Kommunalverband. Diese legen für Kinder über drei Jahren eine Entlohnung von 4,50 Euro nahe.

Diese drei Verbände haben am 30. November des vergangenen Jahres eine neue landesweite Empfehlung herausgegeben, wonach die Leistungen für die Tagesmütter um einen Euro erhöht werden sollten. Demnach sollte für Kinder unter drei Jahren 6,50 Euro gezahlt werden, für Kinder über drei Jahren 5,50 Euro.

Das Ziel: Tagesmütter nicht ungleich behandeln

Der Jugendhilfeausschuss hat nun beschlossen, auch in Zukunft die Leistungen nicht zu staffeln, sondern den Tagesmüttern für die Betreuung aller Kinder, gleich welchen Alters, 6,50 Euro pro Stunde zu zahlen. Der Jugendhilfeausschuss folgt hierbei der Empfehlung von Kreisjugendamt, Tageselternvereinen und Kommunen.

Der Grund: Man will Tagesmütter nicht ungleich behandeln und damit womöglich Eltern, die ältere Kinder zur Betreuung abgeben wollen, die Suche nach einer Tagesmutter erschweren. Denn die Kommunen brauchen nach wie vor dringend die Betreuungsplätze bei den Tageseltern. Die Plätze in Tageseinrichtungen und Ganztagsschulen reichen bei weitem nicht aus.

Diese Notwendigkeit ändert aber nichts daran, dass ab dem 30. September das Jugendamt Stunden bei Tagesmüttern nicht mehr finanziert, wenn ein Schulkind in dieser Zeit ein kostenloses Betreuungsangebot in seiner Schule wahrnehmen könnte. Doppelfinanzierungen soll es künftig nicht mehr geben. Diese Entscheidung des Jugendhilfeausschusses vom 11. März 2018 – die neue Regelung hatten ebenfalls die Tageselternvereine, das Kreisjugendamt und die Kommunen erarbeitet – war auf heftige Gegenwehr seitens Eltern und mancher Tageselternvereine gestoßen. Inzwischen aber habe sich die Lage beruhigt, sagt der Leiter des Kreisjugendamtes, Holger Gläss. Für manche Eltern und ihre Kinder mag dies „eine gewisse Härte“ darstellen, das gewohnte Umfeld der Tagesmutter verlassen zu müssen. Deshalb habe das Jugendamt auch eine großzügige Übergangsfrist bis zum Beginn des Schuljahres 2019/20 eingeräumt.

Besserstellung kostet 1,1 Millionen

Die neu beschlossene Besserstellung der Tagesmütter kostet jährlich rund 1,1 Millionen Euro mehr. Insgesamt wendet der Landkreis rund sechs Millionen Euro für diese Betreuungsform auf. Für das laufende Jahr wurden bereits 800 000 Euro in den Haushalt eingestellt. Neu ist, dass das Land sich ab 2019 auch bei den über Dreijährigen an den Ausgaben der Betreuung beteiligen wird, und zwar mit 50 Cent pro Stunde. Bislang gab es diesen Ausgleich nur für Kinder unter drei. Für den Kreis summieren sich diese Zahlungen auf jährlich rund 250 000 Euro.

Die Tagespflege ist eine wichtige Ergänzung der Betreuungsangebote in Städten und Gemeinden, sagte Landrat Richard Sigel im Jugendhilfeausschuss. Vor allem in Kommunen, in denen es Engpässe gibt und Eltern ihre liebe Mühe und Not haben, ihr Kind oder ihre Kinder in einer Kita unterzubringen: „Wir entlasten die Städte und Gemeinden.“ Jugendamtsleiter Gläss regte an, dass die Kommunen insbesondere Tageseltern honorieren sollten, die bereit sind, sich um Kinder unter drei Jahren zu kümmern und/oder auch die dringend benötigten Randzeiten abzudecken: also eine Betreuung vor 8 Uhr morgens oder nach 16 Uhr nachmittags anbieten.

Weitere Regelungen in der Tagespflege

Bei vielen Regelungen im Bereich der Kindertagespflege weicht der Rems-Murr-Kreis von den Empfehlungen der kommunalen Spitzenverbände ab. Geht er bei der Bezahlung, bei Ausfallzeiten und bei der Vertretung der Tagesmutter durch andere Betreuungspersonen über die Empfehlung hinaus, ist er bei anderen Empfehlungen weniger großzügig.

Das Kreisjugendamt, die Tageselternvereine und die Kommunen waren sich, so die Vorlage zur Fortschreibung des Teilplans Kindertagespflege für den Jugendhilfeausschuss, einig, dass die im Kreis geltenden Bedingungen gerecht und akzeptiert seien.

Deshalb werden auch in Zukunft Betreuungsangebote, die nur über die Ferien benötigt werden, nicht vom Kreisjugendamt finanziert.

Bei Übernachtungen des Kindes bei der Tagesmutter werden zwei Stunden als Betreuungszeit anerkannt.

Betreuungszeiten an Wochenenden, Feiertagen und zwischen 18 und 22 Uhr werden mit dem normalen Satz von zukünftig 6,50 Euro vergütet.