Rems-Murr-Kreis

Trotz Dieselverbot: Stau wie immer

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Achtung Umweltzone: Schilder weisen die Pendler darauf hin, dass für alte Diesel der Weg nach Stuttgart hinein ab sofort gesperrt ist. © Palmizi/ZVW

Waiblingen. Seit dem ersten Januar dürfen Diesel der Schadstoffklassen 1 bis 4 nicht mehr nach Stuttgart reinfahren. Nach der Verkündung dieses Fahrverbots war der Aufschrei allerorten groß. Doch was ist jetzt in den S-Bahnen und auf den Straßen los, nachdem mit dem Diesel-Fahrverbot plötzlich alles anders ist? Eigentlich, so zeigt eine Spurensuche, ist alles wie immer.

Am ersten Januar tat’s diesen Diesel-Donnerschlag: Fahrverbot in Stuttgart für die alten Stinker. Autos mit den Euro-Normen 1 bis 4 dürfen die Stuttgarter Stadtgebiets-Grenze nicht mehr überfahren. Und das heißt für all jene, die aus dem Rems-Murr-Kreis nach Stuttgart rein wollen, sei’s zur Arbeit, sei’s zum Vergnügen, sei’s, weil sie nur durch müssen, um etwa auf die Autobahn zu kommen: Kurz hinter dem Kappelbergtunnel ist Schluss. Und weil die B 14 kurz hinter dem Kappelbergtunnel keine Abfahrt mehr hat, ist für Diesel-Pendler aus dem Kreis schon kurz vor dem Kappelbergtunnel Schluss, nämlich spätestens an der Ausfahrt Fellbach Süd.

Erste Januarwoche: Die Parkbuchten schlummern vor sich hin

Und jetzt? Herrscht seit einer guten Woche Chaos in den S-Bahnen? Türmen sich die Autos auf den Park&Ride-Plätzen? Und gilt die B 14 ab dem Teiler bei Waiblingen seit Neuestem als Morgen-Rennstrecke? Na ja. Kurz nach Beginn des Dieselfahrverbots, in der ersten Januarwoche, lagen die Parkplätze an den Bahnhöfen entlang der S2- und der S3-Linie noch im Dornröschenschlaf. Sanft beschneit schlummerten zum Beispiel am 3. Januar die Buchten vor sich hin, höchstens halb so viel Autos wie sonst standen da und warteten darauf, dass ihre Besitzer irgendwann wiederkommen.

Okay, okay, es waren noch Ferien. Die Dieselbesitzer – und alle anderen – waren vermutlich noch beim Skifahren oder suchten unterm Weihnachtsbaum nach Resten von Gebäck. Denn auch die üblicherweise eng beparkten Bahnhofsnebenstraßen hatten sichtbare Käntel vorzuweisen! In der Schwaikheimer Schiller- oder Alleenstraße hätten Anwohner, so sie gewollt hätten, tatsächlich einen Parkplatz auf der Straße gefunden.

Eigentlich müsste alles anders sein

Aber dann ist die zweite Januarwoche gestartet. Die Woche also, in der wieder alles so ist wie immer. Das heißt: Mit Donnerschlag Dieselfahrverbot müsste jetzt eigentlich alles anders sein. Die S-Bahnen müssten aus allen Nähten platzen und die Neukunden müssten alle die Leidensmiene von ausgebremsten Dieselbesitzern tragen.

Aber nichts dergleichen: Die Pressestelle der Bahn erklärt, dass seit Jahren der Trend zum öffentlichen Nahverkehr geht und im Jahr 2017 bei den S-Bahnen ein Fahrgastrekord mit 127,8 Millionen zu feiern war. Und dass es in 2018 gerade so weiterging. Konstant hohes Niveau, heißt das. Rund 420 000 Menschen fahren zum Beispiel zwischen 7 und 8 Uhr. Und ob im Augenblick wegen des Dieselfahrverbots noch mehr Leute in die S-Bahnen streben als eh schon fahren, sei nicht festzustellen. Kurz: Es ist im Berufsverkehr in den Waggons voll wie immer.

Auswirkungen des Dieselfahrverbots? Keiner weiß.

Beim Verkehrsverbund Stuttgart, die die ganz handfesten, weil schriftlich niedergelegten und monetär beglichenen Beweise vorlegen können, kann die Neugierde bezüglich der Auswirkungen des Dieselfahrverbots auch nicht befriedigt werden. Ob die Anzahl der gekauften Monats- oder gar Jahrestickets nach oben geschnellt ist, weiß man erst ab Ende Januar. Denn nämlich gibt’s erst die Zahlen von allen 40 Verkehrsunternehmen des VVS.

Und was zeigen die bezüglich des zu erwartenden Diesel-Parker-Ansturms trotzdem nicht in Hauruck-Aktionen erweiterten Bahnhofs-Parkplätze im Kreis? Sie sind ja schon immer zu klein gewesen – haben sie jetzt, ins Verhältnis zum Ansturm gesetzt, quasi Zwergenformat angenommen? Nicht wirklich. Sie sind voll. Ja. So wie immer halt. Doch tatsächlich finden sich zum Beispiel in Winnenden nach wie vor in der einen oder anderen Reihe freie Plätze für Langschläfer.

B14 ist so voll wie immer

Die B 14 dagegen, die ja befreit von allen Alt-Dieseln sein müsste – im Kreis gibt’s davon knapp 35 000, wobei man nicht weiß, ob sich diese alle auch täglich auf den Weg nach Stuttgart machten – die B 14 also sieht morgens, ach wie schade, auch nicht anders aus als sonst. Schon um sechs Uhr in der Frühe stockt der Verkehr auf Höhe Rommelshausen und bis kurz vor Bad Cannstatt. Und das wird so schnell nicht besser. Ab 7.30 Uhr geht ab dem Teiler B 14/B 29 bis über den Neckar alles nur noch im Schneckentempo. Als hätte es das Fahrverbot nie gegeben. Als würde jeder, der Diesel fährt, denken: Na, noch gibt’s ja kein Bußgeld, also fröhlich losgefahren.

Als wäre es mit den ab sofort verbotenen Dieselabgasen wie so oft: viel Rauch um nichts.

Das Fahrverbot und die Folgen

Im Januar haben Dieselfahrer, die verbotenerweise in die Umweltzone einfahren, noch nichts zu befürchten. Wer erwischt wird, bekommt nur eine mündliche Verwarnung, kein Bußgeld.

Ab Februar kostet ein Verstoß gegen das Fahrverbot 80 Euro. Allerdings wird der fließende Verkehr nicht auf Dieselfahrer hin durchleuchtet. Nur wer der Polizei sowieso auffällt – wegen überhöhter Geschwindigkeit oder wegen Handys am Steuer oder Falschparkens zum Beispiel – muss seine Diesel-Sünde auch noch büßen.

Im Rems-Murr-Kreis, vor allem an dessen Rändern zu Stuttgart hin, ist bislang auch noch nicht mit alten Dieseln aus Stuttgart zu rechnen. Die Stuttgarter nämlich haben eine Galgenfrist bis 1. April.

Was dann passieren wird, steht in den Sternen. Der Gedanke freilich liegt nahe, dass das eine oder andere Auto zum Beispiel aus Bad Cannstatt raus und nach Fellbach reinbewegt wird, um dort dann zu parken und von dort aus bewegt zu werden. Sollten also im Frühjahr die Parkplätze in Fellbach plötzlich wegen Autos knapp werden, die alle ein Stuttgarter Kennzeichen tragen, könnte es zu Unmut kommen.