Rems-Murr-Kreis

„Unser Kurs ist erfolgreich“

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Geschäftsführer Dr. Marc Nickel. © Büttner / ZVW

Winnenden. Geschäftsführer Dr. Marc Nickel ist ausgesprochen zuversichtlich, dass die Rems-Murr-Kliniken die Abstiegsplätze beim landesweiten Defizitvergleich verlassen werden. „Die Weichen für eine Ergebnisverbesserung in der Zukunft sind gestellt.“ Die Fragen stellte unser Redaktionsmitglied Martin Winterling.



Herr Nickel, die Rems-Murr-Kliniken sind nicht mehr Schlusslicht, was die Wirtschaftlichkeit der Krankenhäuser in Baden-Württemberg angeht. In der Bundesliga bedeutet aber auch der vorletzte Platz Abstieg. Wann sind die Kliniken aus der Abstiegszone raus und auf einem sicheren Mittelfeldplatz?

Unser Ziel ist es, die Rems-Murr-Kliniken in kommunaler Trägerschaft auf ein solides wirtschaftliches Fundament zu stellen und erfolgreich in die Zukunft zu führen. Daher haben die Geschäftsführung und der Landkreis als Gesellschafter gemeinsam die Medizinkonzeption auf den Weg gebracht, bei der alle Beteiligten eingebunden wurden. Mit der Verabschiedung der Medizinkonzeption durch den Kreistag und der Zustimmung des Sozialministeriums wurden die Weichen für eine Ergebnisverbesserung in der Zukunft gestellt. Den Wirtschaftsplan der Medizinkonzeption erfüllen wir nicht zuletzt aufgrund des großen Zuspruchs der Menschen im Rems-Murr-Kreis bereits das dritte Jahr in Folge. Dass dieser Kurs erfolgreich ist, lässt sich am besten am operativen Ergebnis, dem EBITDA, der Kliniken belegen: Das operative Jahresergebnis von 17,3 Millionen Euro in 2014 haben wir in 2016 um 14,4 Millionen Euro auf 3,9 Millionen Euro verbessert. Das ist eine Steigerung von rund 78 Prozent innerhalb von zwei Jahren.

Roland Berger hat die Geschäftsberichte der Kliniken im Jahr 2016 verglichen. Wie schaute es im vergangenen Jahr aus?

Wenn ich auf den Jahresabschluss 2017 und auf aktuelle Leistungszahlen blicke, kann ich sagen, die positive Entwicklung setzt sich beständig fort. Nicht zuletzt auch, weil wir im vergangenen Jahr, beispielsweise durch die Genehmigung weiterer Planbetten, strukturelle Veränderungen angestoßen haben, durch die wir uns weitere Verbesserungen erwarten. Ich bin deshalb zuversichtlich, dass wir die Kliniken mit den gesteckten Wirtschaftszielen der Medizinkonzeption in den kommenden fünf Jahren in einen sicheren Korridor hineinführen.

Wie schaut es beim Personal aus?

Als Kliniken in kommunaler Trägerschaft ist uns dabei besonders wichtig, den Konsolidierungskurs nicht zulasten des Personals zu fahren, und wir haben daher vor allem für die personelle Ausstattung erhebliche Anstrengungen unternommen. Aber auch wir bewegen uns auf einem leergefegten Arbeitsmarkt und im selben Rahmen von Vorgaben wie andere Krankenhäuser.

Was sind die drei wichtigsten Gründe für die zweistellig negative Umsatzrendite?

Das Rems-Murr-Klinikum Winnenden war ein umfangreiches Neubauprojekt, das mit einem überdurchschnittlichen Eigenanteil finanziert wurde. Die daraus resultierenden hohen Abschreibungssummen und Tilgungen sowie andere ausschlaggebende finanzielle Aufwendungen - wie beispielsweise Tarifsteigerungen oder Mehrleistungsabschläge (Fixkostendegressionsabschlag) schlagen sich in einem noch hohen jährlichen Defizit nieder und beeinflussen die Umsatzrendite negativ. Auch daran arbeiten wir: Gegenüber 2015 hat sich der Jahresfehlbetrag im Geschäftsjahr 2016 um 5,4 Millionen Euro auf rund 23 Millionen Euro reduziert, was ungefähr einem Prozentpunkt der Kreisumlage entspricht. Diesen Weg gehen wir gemeinsam mit dem Landkreis weiter.

Die Wirtschaftlichkeit ist das eine, die medizinische Versorgung etwas ganz anderes. In welchen drei Bereichen spielen die Rems-Murr-Kliniken Ihrer Meinung nach in der Champions League?

Die Rems-Murr-Kliniken sind insbesondere aufgrund der Balance zwischen Wirtschaftlichkeit und exzellenter medizinischer Versorgung in den letzten drei Jahren um über 35 Prozent gewachsen. Das alleine ist aus meiner Sicht schon ein Champions-League-reifes Ergebnis. Was die medizinische Versorgung angeht, halten wir tatsächlich an beiden Standorten ein attraktives Leistungsangebot vor, was es schwierig macht, nur drei Fachbereiche herauszupicken.

Die Rems-Murr-Kliniken sind in guter – oder auch schlechter – Gesellschaft, 60 Prozent der Krankenhäuser im Land schreiben rote Zahlen. Welche drei Wünsche haben Sie an die Politik und den Bundesgesundheitsminister, um die Misere zu verbessern?

Ob im pflegerischen oder ärztlichen Bereich - Vertrauen und Zuwendung spielen bei der optimalen Versorgung unserer Patientinnen und Patienten eine bedeutende Rolle. Damit wir beides gewährleisten können, benötigen wir erstens eine finanzielle Ausstattung, die es uns ermöglicht, die wertvolle Arbeit unserer Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter aus dem Pflegebereich oder der Ärzteschaft angemessen zu honorieren und dem bundesweiten Fachkräftemangel durch finanzielle Anreize zu begegnen. Deshalb erwarten wir wie alle anderen Krankenhäuser gespannt, ob die vorgestellten Ideen von Gesundheitsminister Jens Spahn Früchte tragen werden. Als Zweites wünsche ich mir mehr Investitionen in die moderne Medizin durch das Land Baden-Württemberg, damit wir als Kliniken stets zukunftsfähig und nachhaltig aufgestellt sind. Mein dritter Wunsch betrifft das Finanzierungssystem zur Behandlung von Patienten: Der Verwaltungsaufwand hierfür verschlingt jährlich hohe Summen, die aus meiner Sicht mit einer Reform reduziert werden und direkt in die optimale Versorgung von Patienten fließen könnten.