Rems-Murr-Kreis

Unternehmer und Politiker Rolf Kurz ist tot

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Rolf Kurz beim ZVW-Interview im Jahr 2015. © Ramona Adolf

Fellbach.
Der Fellbacher Unternehmer, Politiker und Honorarkonsul der Republik Ungarn, Rolf Kurz, ist im Alter von 83 Jahren gestorben. Die Stadt Fellbach trauere um „eine beeindruckende Persönlichkeit mit einer großen Herzlichkeit, der sich stets für das Allgemeinwohl eingesetzt hat“, heißt es in einem Nachruf der Stadt für ihren Ehrenmedaillenträger.

Zu seinem 80. Geburtstag vor über drei Jahren haben wir Kurz einen „leisen Mann mit Mut und Riecher“ genannt. Einen guten Riecher wie auch große Zielstrebigkeit hat Kurz 1984 als Politiker gezeigt. Als krasser Außenseiter stach der weithin unbekannte Fuhrunternehmer und Kommunalpolitiker aus Schmiden bei der CDU-Nominierungsveranstaltung den favorisierten, damaligen Landrat Horst Lässing aus. Fünfmal wurde Kurz im Wahlkreis Waiblingen in den Landtag gewählt und blieb bis 2006 Landtagsabgeordneter.

Stolz auf Kurz Aviation Service

Mut und Riecher hat Kurz 1999 bewiesen, als der damals fast 65-Jährige nochmals durchstartete und seine zweite Unternehmerkarriere als Flughafenbetreiber begann. Er verkaufte seine längst nicht mehr rundlaufende Spedition und eröffnete – ohne Erfahrungen in der Branche – den „General Aviation Service“, in den der Stuttgarter Flughafen als erster deutscher Flughaften den Geschäftsreisenverkehr auslagerte. Das Terminal für Businessreisende und VIPs wurde zu einer Erfolgsgeschichte, auf die Kurz, bei aller Bescheidenheit, immer ausgesprochen stolz war. Sein Unternehmen, die Kurz Aviation Service, betreibt heute zwei weitere solcher Business Aviation Center in Köln und Frankfurt.

Ins Blickfeld der Öffentlichkeit rückte Rolf Kurz vor allem als Präsident des Bundes der Selbstständigen zunächst auf Landes- und später auf Bundesebene. In wirtschaftspolitischen Fragen hatte der Rems-Murr-Kreis in den 1990er Jahren mit Rolf Kurz und dem Waiblinger Unternehmer Hans Peter Stihl als Präsident des Deutschen Industrie- und Handelskammertages, als Lobby für den selbstständigen Mittelstand, herausragende Vertreter. Schon Ende der 90er Jahre hat Kurz mit Blick auf die von ihm kritisierte erneute Kanzlerkandidatur von Helmut Kohl die Persönlichkeiten in der CDU und „Urgesteine in der Politik“ vermisst.

40 Jahre auf der politischen Bühne

Über 40 Jahre war Rolf Kurz in vielfältiger Weise auf der politischen Bühne engagiert, schreibt die Stadt Fellbach in ihrem Nachruf. Trotzdem war er nie ein Lautsprecher. Im Interview räumte der 80-Jährige mit verblüffender uneitler Klarsicht ein: „Ich bin nicht ganz so der politische Mensch.“ Gleichwohl gehörte er von 1971 bis 1989 dem Schmidener und dann dem Fellbacher Gemeinderat als Mitglied der CDU-Fraktion an. Kurz hatte maßgeblichen Anteil an der gelungenen Integration Schmidens und Oeffingens in die Gesamtstadt im Zuge der baden-württembergischen Gemeindereform. Rolf Kurz war daran beteiligt, die Triennale Kleinplastik aus der Taufe zu heben sowie die Partnerschaften zwischen Fellbach und den Städten Erba, Pécs und Meißen. Kurz war von 1979 bis 1884 Kreisrat und übernahm 1991 auch den vakanten CDU-Kreisvorsitz.

Für seine Verdienste um die Kappelbergstadt wurde Rolf Kurz 1992 mit der städtischen Ehrenplakette und 2010 mit der Ehrenmedaille der Stadt ausgezeichnet. 1998 erhielt er das Bundesverdienstkreuz. Nach Beendigung seiner parlamentarischen Tätigkeit wurde er von der Republik Ungarn zum Honorarkonsul berufen. „Mit viel Engagement und Herzblut war Rolf Kurz Brückenbauer zwischen Baden-Württemberg und Ungarn.“