Rems-Murr-Kreis

Unterwegs auf dem idyllischen Radweg

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Bergauf, bergab durch die Idylle. © Winterling / ZVW

Welzheim/Murrhardt. Hinter dem Hüttenbühlsee droht der Akku schlappzumachen. Einer Gästegruppe der Lions sei Dank, dass die Heinlesmühle an diesem Freitagnachmittag geöffnet hat und der Müller den nach über 50 Kilometern ausgelaugten Akku aufladen lässt. Der idyllische Radweg aus dem Murrtal hinauf auf die Höhen des Welzheimer Waldes ist ein ständiges Bergauf, Bergab.

Die „Idyllische Straße“ hat mehr als ein halbes Jahrhundert auf dem Buckel. Im Frühjahr feierte die Fremdenverkehrsgemeinschaft Schwäbischer Wald ein ziemlich ungerades Jubiläum und nannte die 1967 eröffnete Touristikstraße folgerichtig in „Route 51“ um. Galt es in den 1960er Jahren vielleicht noch als schick, Gattin und Kinder sonntags ins Auto zu setzen und durch die Landschaft zu gondeln, so sind diese Sonntagsfahrer heute eher verpönt. Mit der idyllischen Radstrecke und 24 Wanderungen entlang der 180 Kilometer langen „Route 51“ bieten die Touristiker heute eine umweltfreundliche Alternative an. Wir fuhren von der 116 Kilometer langen Radroute den Abschnitt von Sulzbach bis Gaildorf. Ein Streckenabschnitt, der sich für Radler geradezu anbietet, da die Bahnhöfe im Murrtal mit dem Regionalzug erreicht werden und der Zug die Radler von Gaildorf, Fichtenberg oder Fornsbach wieder in heimische Gefilde bringt. Mit dem Baden-Württemberg-Tícket für 24 Euro und sechs Euro für jeden Mitfahrer ist die Tour erschwinglich.

Sulzbach – Murrhardt

Die Idyllische Straße ist in Sulzbach nicht zu verfehlen. Sie führt direkt am Bahnhof vorbei – und durch wenig anheimelnde Industrie- und Gewerbegebiete und parallel zur Landesstraße bis Murrhardt. Mit Idylle hat dieser Abschnitt, der ein Teil des Stromberg-Murrtal-Radweges ist, nur wenig am Hut.

Trotz der Warnung einer Mitarbeiterin der Fremdenverkehrsgemeinschaft, dass die Ausschilderung ab und zu noch Wünsche offenlasse, ist die Strecke gut ausgeschildert und selbst die knifflige Abzweigung nach Siebenknie nicht zu verfehlen.

Murrhardt – Althütte

Am Ortsrand von Murrhardt wird die Radroute lauschig. Aus dem Murrtal geht es mehr als 200 Höhenmeter hinauf bis Althütte. Schon auf dem Weg nach Siebenknie öffnen sich herrliche Aussichten ins Murrtal und später hinüber in die Backnanger Bucht. Kaum Verkehr, gut ausgebaute Sträßchen – so macht Radeln Spaß. Einkehrmöglichkeiten gibt es an den Wochenenden in Siebenknie oder in Sechselberg und Waldenweiler – spätestens aber im Schlichenhöfle oder am Ebnisee. Einer Idylle alle Ehre macht der Bühlhauweiher bei Althütte. Auf Wunsch können Paare zur idyllischen Hochzeit einladen und sich das Ja-Wort geben.

Althütte – Kaisersbach

Die idyllische Radtour lässt Althütte schnöde rechts liegen. Wer mit dem E-Bike unterwegs ist, sollte den Abstecher im Hinterkopf behalten. Dort gibt es eine der wenigen offziellen Ladestationen für Stromräder. Wie aber die Heinlesmühle zeigte, ist die Gastfreundschaft im Schwäbischen Wald kein Fremdwort. Der Ebnisee gilt zwar als die „Perle des Schwäbischen Waldes“, ist aber an Wochenenden meist überlaufen. Leider führt der idyllische Radweg parallel zur idyllischen Straße, die eine beliebte Motorradstrecke ist. Entsprechend laut geht’s zu, während man entlang der Landesstraße fast 100 Höhenmeter bewältigt, um im Grünen zu landen.

Kaisersbach – Welzheim

An der Lein entlang zum Aichstrutsee gehört wohl zu den schönsten Streckenabschnitten der idyllischen Radtour. Zumal ein Badesee lockt und eine willkommene Abkühlung bietet. Die Radroute lässt die Stadt Welzheim rechts liegen und biegt hinter der Landesstraße nach Eberhardsweiler Richtung Hüttenbühlsee ab.

Welzheim – Gschwend

Welzheim bietet nicht nur Eisdielen und Gasthöfe, sondern auch einen Biergarten im Stadtgarten, der aber leider Freitagmittag geschlossen ist. Nach dem Abstecher nach Welzheim wurden die Blicke aufs Display des E-Bikes immer banger. Die Reserve schmolz dahin, und am Hagerwaldsee war der Gasthof am Campingplatz zu. Nach dem Prinzip Hoffnung radelten wir weiter. An der Heinlesmühle ging selbiges in Erfüllung. Der Akku wurde geladen und der Durst gestillt. Die Route führte vom Hüttenbühlsee an der Schwarzen Rot entlang zur Hummelgautsche, vorbei an der Heinlesmühle, Hundsberger Sägmühle und Menzlesmühle. Ein ständiges Auf und Ab. Wenn eine Gegend das Adjektiv „idyllisch“ verdient, ist es diese. So etwa an der Grenze zum Ostalbkreis ist es vorbei mit der Idylle. Über die Streckenführung – und Beschilderung – vor, durch und hinter Gschwend bis Gaildorf hüllen wir einen Schleier des Schweigens. Vermutlich wäre es besser gewesen, nach der Menzlesmühle direkt nach Fichtenberg oder Fornsbach abzubiegen und von dort mit dem Zug den Heimweg anzutreten.

Fazit

Die „Idyllische Straße“ im Rems-Murr-Kreis lohnt sich. Ungeübte Radler (auch solche mit elektrischem Rückenwind) sollten die Strecke nicht unterschätzen. Wir radelten um 10 Uhr in Sulzbach los und erreichten Gaildorf gegen 17 Uhr – Mittagspause am Aichstrutsee und einstündige Tankrast an der Heinlesmühle inklusive.

Idyllische Straße

Die Karte „Idyllische Straße“ Rad- und Autoroute sowie „Wandern aktiv“ mit 24 Wanderwegen gibt’s bei der Fremdenverkehrsgemeinschaft Schwäbischer Wald zum Download: www.schwaebischerwald.com.