Rems-Murr-Kreis

Urlaub trotz Corona: Was Reisende und Reiserückkehrer beachten müssen

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Dieses Jahr müssen Urlauber vor Reiseantritt und während des Urlaubs dringend schauen, ob ihre Ferienregion als Risikogebiet eingestuft wird. © Hardy Zürn

Corona ist noch da. Nächste Woche beginnen die Sommerferien. Das eine hat was mit dem anderen zu tun, denn Ferienzeit ist Reisezeit – auch dieses Jahr, nur dass 2020 alles anders abläuft, als man’s bisher gewohnt war.

Urlauber müssen sich mit unerquicklichen Fragen auseinandersetzen. Arbeitgeber und Arbeitnehmer auch. Die folgende Liste muss unvollständig bleiben angesichts der Fülle an Detailfragen. Das Landratsamt hat eine Reihe von Informationen zusammengestellt, ferner haben wir Informationen der Landesvereinigung baden-württembergischer Arbeitgeberverbände ausgewertet.

Kann ich überallhin verreisen?

Theoretisch ja - praktisch auf keinen Fall. Es sind viele Länder als Corona-Risikogebiete eingestuft. Das Gesundheitsamt Rems-Murr rät dringend von Reisen in Risikogebiete ab. Das Auswärtige Amt warnt ausdrücklich vor „nicht notwendigen touristischen Reisen ins Ausland“, aber mit Ausnahmen. Diese Warnung gilt Stand jetzt noch bis 31. August.

Welche Länder sind von der Reisewarnung des Auswärtigen Amtes ausgenommen?

Belgien, Bulgarien, Dänemark, Estland, Finnland, Frankreich, Irland, Italien, Niederlande, Griechenland, Kroatien, Lettland, Litauen, Malta, Österreich, Polen, Portugal, Rumänien, Schweden, Slowakei, Slowenien, Spanien, Tschechien, Ungarn, Republik Zypern, Island, Liechtenstein, Norwegen, Schweiz, Großbritannien und Nordirland, Andorra, Monaco, San Marino und der Vatikanstaat. Für Luxemburg gelten Sonderregeln (siehe Internetseiten des Auswärtigen Amtes).

Reisewarnung und Risikogebiet: Bezieht sich das auf dieselben Regionen?

Nein. Reisewarnungen enthalten den dringenden Appell des Auswärtigen Amtes, Reisen in ein Land oder in eine Region zu unterlassen, da Gefahr für Leib und Leben droht. Die Liste der Covid-19-bezogenen Risikogebiete verzeichnet Regionen in der Welt, in denen ein erhöhtes Risiko besteht, sich mit dem Coronavirus zu infizieren. Risikogebiete sind ferner Regionen mit zwar niedrigen Fallzahlen – aber wenig Testkapazitäten und unzureichenden Maßnahmen zur Pandemie-Eindämmung. Die Einstufung nimmt das Robert-Koch-Institut vor. Als Risikogebiete können auch nur Teile eines Landes gelten.

Woher weiß ich, welche Regionen Risikogebiete sind, das ändert sich doch dauernd?

Ja, die Liste ändert sich – unter anderem abhängig von den Infektionszahlen, die sich natürlich auch dynamisch verändern. Reisenden bleibt nichts übrig, als sich ständig auf dem Laufenden zu halten zur Frage der Risikogebiete. Die Informationen dazu findet man beim Robert-Koch-Institut (RKI).

Und wenn meine Ferienregion mitten im Urlaub zum Risikogebiet erklärt wird?

Dann gelten bei Rückreise dieselben Regeln wie für alle Risikogebiete.

Welche Regeln sind das?

Rückkehrer aus einem Risikogebiet müssen 14 Tage in Quarantäne. Sie müssen sich ferner unverzüglich beim Ordnungsamt ihrer Wohnortgemeinde melden. Bei Rückkehr aus einem Risikogebiet gilt: auf direktem Wege nach Hause fahren und sich absondern. Man kann aber verschiedene Maßnahmen ergreifen, damit man nicht in Quarantäne muss.

Und zwar?

Man kann sich am Urlaubsort oder sogar an Flughäfen (auch in Stuttgart) auf Corona testen lassen. Bei negativem Ergebnis kann es sein, dass man nicht in Quarantäne bleiben muss.

Geht’s ein bisschen genauer, was muss ich denn konkret tun?

Wer am Urlaubsort einen Corona-Test und dazu ein ärztliches Attest in deutscher oder englischer Sprache erstellen lässt, kann dieses dem Ordnungsamt der Wohngemeinde vorlegen. Fällt der Test negativ aus, hat das Ordnungsamt der Gemeinde die Möglichkeit, die Quarantäne zu beenden. Der Test muss RKI-konform sein und darf frühestens 48 Stunden vor Wiedereinreise nach Deutschland gemacht werden.

Und am Flughafen kann ich mich nach Rückkehr aus einem Risikogebiet auch testen lassen, um eine Quarantäne zu vermeiden?

Ja, es gibt am Stuttgarter, Frankfurter und an vielen anderen Flughäfen die Möglichkeit zur Testung und für ein ärztliches Attest. Das Ergebnis kann man dem Ordnungsamt vorlegen. Aber Vorsicht: Der Test kostet je nach Schnelligkeit 60 bis 180 Euro. Zudem ist davon auszugehen, dass man einen Termin vereinbaren oder sich anmelden muss. Informationen von Freitagnachmittag zufolge sollen die Testkapazitäten noch ausgeweitet werden, eventuell sogar kostenlos: Sicher ist das aber noch nicht.

Kann ich mich nicht auch einfach zu Hause testen lassen?

Zunächst mal ist die Quarantäne nach Rückkehr aus einem Risikogebiet auf jeden Fall einzuhalten. Urlauber, die Symptome entwickeln, können sich wegen eines Tests telefonisch an ihren Hausarzt wenden. Wenn die Praxis geschlossen ist, kann man den ärztlichen Bereitschaftsdienst anrufen (116 117). Der Abstrich wird dann entweder beim Hausarzt gemacht, bei einer der Schwerpunktpraxen im Kreis oder in der Corona-Ambulanz an der Rems-Murr-Klinik Schorndorf (täglich von 10 bis 20 Uhr geöffnet). Nur nach telefonischer Voranmeldung hingehen! Die Nummer: 0 71 81/67-31 24.

Wenn ich aber doch in Quarantäne bleiben muss, wie komme ich dann zum Test?

Für den direkten Weg zur vorher vereinbarten Testung darf man das Haus verlassen, aber nur dafür.

Und wenn ich niemandem erzähle, dass ich in einem Risikogebiet war?

Das ist höchst unsozial und kann zu einer Reihe von Ansteckungen führen. Bekanntlich kann Corona tödlich enden. Bei Verstößen gegen die Auflagen drohen außerdem Bußgelder von bis zu 5000 Euro. Es sind ferner sehr ernste arbeitsrechtliche Folgen zu erwarten.

Darf mein Arbeitgeber von mir Auskunft verlangen, ob ich in einem Risikogebiet war?

Ja. Schon allein deshalb, weil der Arbeitgeber eventuell Schutzmaßnahmen für die anderen Beschäftigten in die Wege leiten muss.

Wenn ich trotz Warnung in ein Risikogebiet gereist bin: Wer zahlt in der Quarantänezeit danach mein Gehalt?

Im Zweifel - niemand. Eine Entschädigung vom Land wäre denkbar, aber nicht bei eigenem Verschulden des Beschäftigten. Ein Kompromiss könnte sein, dass für die fragliche Zeit Home-Office vereinbart wird – was natürlich bei vielen Tätigkeiten schlicht nicht möglich ist.

Wer bezahlt einen Corona-Test nach einem Urlaub?

Für Patienten mit Symptomen übernimmt die Krankenkasse die Kosten. Wer sich freiwillig testen lassen möchte, ohne Symptome zu haben, muss 60 bis 180 Euro für den Test in der Regel selbst bezahlen. Ankündigungen des Sozialministeriums vom Freitagnachmittag zufolge soll es bald deutlich mehr Test-Angebote geben, eventuell auch kostenfrei.

Und wenn ich jetzt noch mehr verunsichert bin als vorher?

Die Corona-Hotline des Landkreises ist nach wie vor montags bis freitags von 8 bis 13 Uhr unter der Nummer 0 71 51/501- 30 00 erreichbar.