Rems-Murr-Kreis

Vier Kinder in verwahrloster Wohnung entdeckt

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Symbolbild. © Joachim Mogck

Waiblingen. Vier Kinder im Alter von einem bis sieben Jahren sind in einem derart kritischen Umfeld aufgefunden worden, dass laut Polizei von Kindeswohlgefährdung auszugehen ist. Über Umwege entdeckte die Polizei im Rems-Murr-Kreis die verwahrloste Wohnung.

Das Jugendamt hat sich des Falles angenommen. Die Polizei war am Dienstag auf die Kinder aufmerksam geworden, weil im Zuge eines länderübergreifenden Fahndungs- und Sicherheitstages eine „Abklärung“ nötig wurde, wie es in der Bilanz der Polizei zum Aktionstag heißt. Im Zusammenhang mit dieser Abklärung entdeckte die Polizei die betreffende Wohnung.

Das Jugendamt ist erster Ansprechpartner

Es gibt verschiedene Möglichkeiten, wie die Behörden reagieren können. Das Jugendamt ist erster Ansprechpartner. Dort wird entschieden, ob eine Inobhutnahme nötig wird. Das bedeutet, Kinder werden sofort aus ihrem für sie gefährlichen Umfeld genommen und wenn möglich in einer Familie untergebracht, die speziell für solche Fälle fürs Jugendamt ansprechbar ist. Es gibt im Rems-Murr-Kreis einige solcher Familien. Manche haben eigene Kinder, betreuen vielleicht ein Pflegekind und haben noch ein Bett frei für den Fall, dass ein weiteres Kind schnell eine Ersatzunterkunft braucht. Auch in betreuten Einrichtungen im Rems-Murr-Kreis können Kinder in solchen Fällen unterkommen. Geschwister können, wenn es machbar ist, zusammenbleiben – es kommt immer auf den Einzelfall an. Ob es sich bei den vier Kindern in der verwahrlosten Wohnung um Geschwister handelt, ist bisher nicht bekannt. Behörden verweisen auf den Datenschutz. Der Schutz der Kinder hat Vorrang.

Kreisjugendamtsleiter Holger Gläss hatte das Jugendamt in einem Gespräch mit dieser Zeitung vor einigen Monaten mit einem Hochrisiko-Unternehmen verglichen. Hundertprozentige Sicherheit gebe es nicht, sagte der Amtsleiter seinerzeit – aber man verfüge über Mechanismen, die zumindest für ein hohes Maß an Sicherheit sorgten.

Die Nachricht von laut Polizei „derart kritischen“ Zuständen in einer verwahrlosten Wohnung im Rems-Murr-Kreis traf am Dienstag zufällig zusammen mit Nachrichten aus den Niederlanden. Dort hat laut Medienberichten ein Mann jahrelang mit jungen Leuten in völliger Abgeschiedenheit in einem kleinen Raum auf einem abgeschiedenen Bauernhof gelebt. Einer der jungen Männer war sehr verwirrt in einem Gasthof aufgetaucht. Dadurch wurde der Fall bekannt.


 

Gefährdung

2016 und 2017 hat das Jugendamt früheren Informationen zufolge in 156 beziehungsweise 157 Fällen ein Prüfverfahren angestoßen, weil es gewichtige Anhaltspunkte gab für eine Gefährdung eines Kindes. Bei fast der Hälfte der Prüffälle (bei 79 in 2016 und bei 63 in 2017) stellte sich laut Jugendamtsleiter Holger Gläss heraus, dass tatsächlich eine Gefährdung vorlag.