Rems-Murr-Kreis

Von Leonard Cohen bis Bernd Begemann: Das September-Programm in der Manufaktur Schorndorf

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Cohen
Was hat der legendäre Sänger Leonard Cohen mti der Schondorfer Manufaktur zu tun? Durchaus ein bisschen was, wie das September-Programm der Manu offenbart ... © Haid/dpa
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Leimgruber
Auch im September in der Manufaktur: Urs Leimgruber (links) und Jacques Demierre, europaweit profilierte Köpfe der improvisierten Musik. © Manufaktur

„Super, so eine Krise“, heißt es im Geleitwort des aktuellen Manufaktur-Programmheftes – „schafft total viel Innovation.“ Das mag halb sarkastisch gemeint sein, aber die andere Hälfte stimmt wirklich.

Die Schorndorfer Manu-Leute machen nämlich mit staunenswertem Enthusiasmus das Beste aus der kulturell eigentlich niederschmetternden Corona-Lage – und verlegen auch im September einfach einen großen Teil des Programms aus dem Saal in den schön geräumigen Hof nebst zum Besucher-Areal umfunktionierten Ex-Parkplatz. Das hat sich den Sommer über bereits spektakulär bewährt. „Warum nicht immer schon so, fragen wir uns.“

Aber auch drinnen findet nun wieder was statt – Ansteckungsgefahr ist nicht zu befürchten, denn die Manufaktur hat entschlossene Schutzmaßnahmen ergriffen, hat die Saalkapazität von ehedem bis zu 500 Stehenden auf 60 abstandsvorbildlich Sitzende runtergeschrumpft und bringt dazu – Achtung, jetzt kommt eine Beschreibung wie aus dem Fachblatt der Inneninstallationsinnung – „eine Lüftungsanlage mit 100 Prozent Außenluft (keine Umwälzung), neuen Feinstaubfiltern und kompetenter Lüftungsanlagenbedienung“ an den Start. Bei den Veranstaltungen draußen ist der Eintritt frei (aber ein Hut geht rum, und wer nicht großzügig spendet, hat scheele Blicke redlich verdient!), bei den Terminen drinnen muss man ganz traditionell löhnen.

Das Programm im Freien:

  • Torben Denver, die Band um den Gitarristen, Sänger und Liederschreiber Tobias Spreng, mischt Saitenschwung mit Synth-Pop der 80er Jahre.
  • Bernd Begemann: Ihm huldigte das Fachmagazin Intro – „eine affektierte Rampensau, ein einfallsreicher Gitarrist, ein Erzähler mit sehr viel Text“. Der Liedersänger spiele bei seinen Konzerten, so erzählt man sich, selten weniger als drei Stunden und verschütte dabei eimerweise Charme. Laut Manu-Heft angeblich gar „der musikalischste und hinterlistigste Frauenversteher der Republik“. Samstag, 12. September, 20.30 Uhr.
  • Sex, Tod, Hallelujah – Annäherungen an die Liedkunst von Leonard Cohen, der in seinen Songs über den biblischen König David ebenso tiefschürfend sinnierte wie über Oralverkehr in der New Yorker Künstlerboheme, wagen ZVW-Redakteur Peter Schwarz (Offenlegung: Das bin ich) und der Musiker Claudius Zott. Schwarz übernimmt powerpointgestützt den literaturwissenschaftlichen Erklärteil, Zott die kühne Interpretation mehrerer Cohen-Lieder.
  • Timbeau: Die Musik der Gruppe um den Schorndorfer Tim Bohner evoziere „den Sommer, den Geruch von Salzwasser und Sonnencreme“, heißt es – klingt nach dem perfekten Soundtrack zum coronabedingt verpassten Mittelmeer-Urlaub.Der norwegische Sänger gehört zur neuen Generation politischer Folk-Sänger, die mit viel Respekt, aber ohne in Ehrfurcht zu erstarren, die große Tradition von Leuten wie Pete Seeger oder Joan Baez sehr gegenwärtig fortschreiben..

Das Programm im Saal:

  • Urs Leimgruber (Saxofon) und Jacques Demierre (Tasten) gehören zu den profiliertesten Köpfen der frei improvisierten Musik in Europa. In ihren spontan entstehenden Werken beginnen sie mit der Erfahrung der Stille, aus der sich mit der Zeit staunenswerte klangliche Möglichkeiten schöpfen lassen.
  • Gerhard Henschel: Der vielfach preisgekrönte Schriftsteller hat einen – wie bitte?! – Regionalkrimi geschrieben! Namens „Soko Heidefieber“. Der sich bei näherem Hinsehen als fulminante und alles andere als blutleere Metzelsatire auf inflationäre Literaturmorderei mit Provinzhintergrund entpuppt.
  • Schülerinnen des Schorndorfer Burggymnasiums spielen „Der goldne Topf“ von E.T.A. Hoffmann und lassen dabei spießige Alltags- mit fantastischen Traumwelten kollidieren.