Rems-Murr-Kreis

Waiblingen und Rudersberg wehren sich

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Symbolbild. © ZVW/Gabriel Habermann

Waiblingen/Rudersberg.
Waiblingen und Rudersberg sind zwei von 30 Kommunen, die sich Ende Juli einer gemeinsamen Initiative gegen Motorradlärm angeschlossen haben. Ziel der Initiative ist es, mit vereinter Kraft dem weit verbreiteten Problem Motorradlärm in der Öffentlichkeit deutlich mehr Gewicht zu verleihen und mit einer Stimme an politische Entscheidungsträger beim Bund und der Europäischen Union heranzutreten, heißt es in einer Pressemitteilung des baden-württembergischen Umweltministeriums. Bei einem Treffen in Stuttgart wurde ein gemeinsamer Forderungskatalog zur Eindämmung von Motorradlärm verabschiedet. Ansatzpunkte aus Sicht der Kommunen sind:
 

  • Leisere Motorräder durch Hersteller
  • Erwirkung einer ambitionierten Novellierung der Genehmigungs- und Zulassungsregelungen
  • drastischere Strafen für Manipulationen
  • Neue Verfahren hinsichtlich Messverfahren und Zulassungen
  • Geräuschmessungen zur Unterstützung der polizeilichen Kontrolle
  • Definition von Geräuschgrenzwerten
  • Frontkennzeichen für Motorräder und allgemeine Halterhaftung
     

Für den Lärmschutzbeauftragten Thomas Marwein ist Motorradlärm vielerorts eine echte Plage: „Der Zusammenschluss so vieler Gemeinden ist ein deutlicher Weckruf, dass gegen Motorradlärm dringend vorgegangen werden muss“, sagte Marwein und ergänzte: „Ich freue mich sehr, dass sich die Initiative heute begründet hat. Ich erhoffe mir, dass wir als gemeinsames Sprachrohr in Zukunft zu konkreten Ergebnissen kommen werden.“



 

 

 

Lärm macht krank. Darüber sind sich Mediziner einig. Lärm verursacht vor allem Herz-Kreislauf-Erkrankungen, sagt Thomas Marwein, Lärmschutzbeauftragter des Landes. Experten erklärten, dass schon eine Senkung des Geräuschpegels um fünf Dezibel die Erkrankungsrate signifikant senken könne. Vereinzelte Ausschläge des Pegels seien in aller Regel zu verkraften. Schädlich sei aber Lärm auf Dauer, wie zum Beispiel bei Anwohnern einer Autobahn. Und selbst wenn sich der Betroffene vermeintlich an den Krach gewöhnt hat, sein Körper tue es nicht, weist Marwein auf die Folgen des Stresses nicht nur für das Herz-Kreislauf-System hin. Auch Depressionen können eine Folge sein.


Motorradlärm fordert Kommunen – insbesondere an landschaftlich reizvollen und kurvigen Strecken – heraus. Und davon habe Baden-Württemberg reichlich zu bieten. Die Handlungsmöglichkeiten zur Eindämmung von Motorradlärm sind für Kommunen und das Land derzeit gering – wichtig ist es deshalb, diese Möglichkeiten zu erweitern.

Ansatzpunkte für spürbare Verbesserungen hinsichtlich des Motorradlärms wären beispielsweise geänderte Zulassungsregelungen für Motorräder durch leisere Bauweise und Anpassungen der Straßenverkehrsordnung in Form von Geschwindigkeitsbegrenzungen oder Verkehrsverboten an neuralgischen Punkten und Zeiten, wie beispielsweise an Sonn- und Feiertagen in Erholungsgebieten. Die Verantwortlichkeiten für solche Änderungen liegen jedoch weder bei den Kommunen noch beim Land, sondern beim Bund und auf europäischer Ebene.


Der Lärmschutzbeauftragte

Mit der Berufung eines Lärmschutzbeauftragten nimmt das Land eigenen Angaben zufolge eine Vorreiterrolle auf diesem Gebiet ein. Kein anderes deutsches Bundesland verfüge über ein solches Amt. Ziel ist es, dem Lärmschutz mehr Gewicht in der gesellschaftlichen und politischen Diskussion zu verleihen und auch im Bund die rechtlichen Grundlagen für die Vermeidung von Geräuschemissionen zu schaffen.

Seit 2016 hat der grüne Landtagsabgeordnete Thomas Marwein das Amt inne. Auch sein am Schwarzwald gelegener Wahlkreis Offenburg ist vom Lärm betroffen. Marwein: „Mich ärgert diese rücksichtslose Fahrweise besonders! Hier helfen auch geräuscharme Modelle wie Elektro-Motorräder nicht weiter, da diese für die Lärmverursacher wohl keine Alternative sind.“