Rems-Murr-Kreis

Warum brauchen wir überhaupt noch Bücher?

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Wer viel und gerne liest tut das meist aus Leidenschaft. Für immer weniger Kinder spielen jedoch Bücher eine Rolle im Alltag. © Jael Ramsden (Online-Praktikant)

Waiblingen. Ein Viertel aller Deutschen liest niemals ein Buch. In unserem Unterhaltungszeitalter wird immer seltener konzentriert gelesen. Doch nicht nur Smartphones & Co. sind Schuld daran.  

Wer viel und gerne liest tut das meist aus Leidenschaft. Laut einer Studie der Stiftung Lesen bleiben die sogenannten „Viel-Leser“ seit 1992 mit gleichbleibenden drei Prozent stets vertreten. Viel-Leser sind Menschen, die jährlich mehr als 50 Bücher lesen. Die Stiftung Lesen nennt sie daher auch den „harten Kern“. Die Anzahl der Gelegenheitsleser, die zwischen 11 und 50 Bücher pro Jahr schaffen, schmilzt jedoch langsam dahin. Ihre Anzahl hat im selben Zeitraum von 29 Prozent auf 23 Prozent abgenommen.

Die sogenannten „Leseabstinenten“ sind mit 25 Prozent vertreten. Sie empfinden lesen als anstrengend und greifen häufig lieber zu den Neuen Medien. Diese sind auch einer der Gründe, weshalb die Konzentrationsspanne der Menschen von Generation zu Generation stetig nachlässt. Texte sollen lieber in kleinen Häppchen serviert werden und oft überfliegt der Leser sie auch nur. Man muss aber erkennen, dass das klassische Bücherlesen nicht nur wegen der vielen Unterhaltungsmedien abnimmt. Das Interesse am Buch sollte nämlich im besten Fall schon von den Eltern angeregt werden.

Kinder, denen vorgelesen wird, sind fröhlicher

Tatsächlich ist es aber so, dass für zwölf Prozent der Familien mit Vorschulkindern Bücher keine feste Rolle im Alltag spielen. Das fand der Medienpädagogische Forschungsverband Südwest (mpfs) heraus. Dabei bildet Lesen das Gehirn! Wird Kindern regelmäßig vorgelesen unterstützt das die individuelle Entwicklung und stärkt deren familiäre und soziale Bindungen. Diese Kinder werden auch häufiger als fröhlich, kreativ und aktiv beschrieben. Sie haben oftmals stärkere Persönlichkeiten, einen ausgeprägten Gerechtigkeitssinn und sind mitfühlender. Außerdem kann die Fähigkeit Texte lesen und verstehen zu können den Kleinen in der Schule helfen bessere Noten zu bekommen – unabhängig von dem jeweiligen Bildungshintergrund.

Das Lesen hilft jedoch nicht nur bei der Entwicklung im jungen Alter, sondern hält Menschen aller Altersgruppen geistig fit. Es fördert die Konzentration, erhöht die Bereitschaft Verantwortung zu übernehmen und stimuliert das Hirn: vom bloßen Entziffern der Buchstaben bis hin zum Simulieren der gelesenen Handlung. Dabei wird der Signalabtausch zwischen den verschiedenen Gehirnregionen verbessert. Im hohen Alter treten deshalb auch seltener die Symptome einer Demenz hervor.

Spielend leicht lesen lernen

Von der Stiftung lesen werden „Lesestart-Sets“ für verschiedene Altersgruppen in Bibliotheken ausgegeben. Auch in den Stadtbüchereien in Waiblingen, Schorndorf und Winnenden sowie in der Mediathek Welzheim. Sie bestehen aus einem Elternratgeber, einem Vorlesebuch und einem Lesestart-Poster und sind in verschiedenen Sprachen erhältlich.

Darüber hinaus bieten die Einrichtungen Vorlesen für Kinder, Bücherkoffer und Medienkisten zum Verleih, Bibliotheksführungen für Schulklassen und den Zugang zum Antolin-Programm an.