Rems-Murr-Kreis

Warum ist Deutschland so schlecht beim ESC?

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Welche Fragen haben Menschen in verschiedenen Ländern zu Deutschland? Top Aufsteiger unter den Fragen aus 2017 bei Google. © Christine Tantschinez

Waiblingen. 

Jeden Tag gibt es über drei Milliarden Suchanfragen auf Google. Wenn irgendwo auf der Welt irgendwer nicht weiter weiß, ist das Eingabefeld der Suchmaschine die erste Anlaufstelle. Interessanter als die Antworten sind dabei fast immer die Fragen. Das weiß auch Google. Und bietet, speziell zum Jahresende, gerne diverse Hitlisten beliebter Suchbegriffe an. Nicht nur, weil es lustig ist. Sondern auch, weil nichts feiner und zuverlässiger über die Befindlichkeiten einer Bevölkerung Auskunft gibt, als ihre übers Jahr kumulierten Fragen an den beliebtesten Such-Algorithmus der Welt.

Aber nicht nur der Fragende offenbart sich, auch das Subjekt der Neugier bekommt durch häufig gestellte Fragen eine ganz eigene Kontur. Deshalb veröffentlich Google dieses Jahr eine Statistik, welche Fragen Menschen weltweit zu einem Land stellten.

Also Deutschland, das sind deine Fragen.

Fangen wir mit unseren europäischen Nachbarn an. In Frankreich zeigte man sich 2017 erfreulich unbeeindruckt von diversen Diesel-Skandalen und Krisen der deutschen Automobilkonzerne. Denn auf Platz eins der meistgestellten Fragen zu Deutschland findet sich das Interesse, wie man ein deutsches Auto importieren könne. Gefolgt von der logischen Anschlussfrage, wie man nun einen - womöglich mit dem frisch importierten deutschen Auto - in Deutschland eingehandelten Strafzettel bezahlt. Wobei hierbei bemerkenswert ehrlich: Die Frage nach dem „wie“ , und nicht nach „ob“. Ob das so auch in den Schweizer Suchfragen auftauchen würde?

Die in Frankreich am dritthäufigsten gestellte Frage betrifft ebenso einen Grundpfeiler der Deutschen: Fußball. Der Halbfinalerfolg im Confed Cup der Nationalelf gegen Mexiko schien auch in Frankreich beliebt – oder zumindest waren am Spieltag im Juni genügend deutsche Urlauber in den französischen Mobilfunknetzen eingespeist, um bei Google die Trends zu beeinflussen.

Die Iren stellen die wichtigen Fragen des Lebens

Fußball spielt auch bei den Fragen aus Irland eine große Rolle, vor allem die Verwirrung um die Farbe der Trikotfarbe. „Warum um alles in der Welt spielt Deutschland in Grün?“, fragten sich anscheinend eine ziemlich große Anzahl von verwirrten Iren. Um dann gleich hinter zu schicken, wofür Deutschland eigentlich so bekannt sei. Außer Rummenigge natürlich. Und, wenn wir schon bei den großen Irrungen und Wirrungen sind: Auf Platz drei noch die eine große Frage, die sich doch jeder schon mal in seinem Leben gestellt hat: Liegt Belgien eigentlich in Deutschland? Oder warum haben die die Fahne geklaut?

Was lernen wir im Gegensatz dazu über die Iren? Die befassen sich noch mit den wirklich wichtigen Fragen des Lebens und sind sich nicht zu fein, diese auch zu stellen.

Skandinavien: Billiger Alkohol und mehr Weltmeistertitel

Ganz im Gegenteil zu den Skandinaviern, die ein nicht wirklich überraschendes Interesse an deutscher Importware zum Ausdruck bringen: „Wie viel Bier darf man aus Deutschland mitbringen?“ fragen sich die Schweden häufig bei Google. Und, vielleicht schwingt hier ein bisschen Neid mit, wer hat die Nationalhymne der Deutschen geschrieben? Schweden hat Abba, Deutschland aber hat Joseph Haydn und August Heinrich Hoffmann von Fallersleben. Eventuell imponiert den popgebeutelten Schweden ja der deutsche Zack.

In Norwegen zeigte man sich 2017 interessierter an Allgemeinbildung und wollte zuallerst wissen, wie viele Menschen in Deutschland leben. An zweiter Stelle die Frage, wann Deutschland Weltmeister wurde. In was, bleibt offen. Vermutlich suchten sich die Norweger an der Vielzahl der gebotenen Weltmeistertitel einfach einen aus und setzen es mathematisch in Relation zur Einwohnerzahl, um dann nickend festzustellen, dass es ja in Deutschland viel einfacher sei, Weltmeister zu werden. Immerhin haben wir hier mehr Menschen als Rentiere.

Die Dänen offenbarten ein etwas alltäglicheres Interesse an ihrem Nachbarn. „Wie alt dürfen Reifen sein in Deutschland“ war der zweithäufigste Suchbegriff in den dänischen Suchmasken zum Thema Deutschland. Wer jetzt an abgefahrene Profile an heruntergerittenen Saab und Volvo-Reifen auf deutschen Autobahnen denkt… das ist reine Spekulation.

Spanier: Brücken und Liebe

Auch die Spanier überraschen in ihrer Wissbegier. Sie weisen nämlich ein mysteriöses Interesse an der deutschen Stadt mit den meisten Brücken auf. Laut Google wäre das übrigens Hamburg, sogar als europaweiter Spitzenreiter, noch vor Venedig und Amsterdam. Was jetzt allerdings ein Spanier davon hat, bleibt unklar. Eine Top-Frage in Spanien aber ist umso sympathischer, weil stereotypischer: Wie sind die Deutschen in der Liebe? Natürlich ausgezeichnet, liebe Spanier, ausgezeichnet.

Auch in Übersee stellten Menschen Fragen zum Thema Deutschland. In Mexiko stand natürlich der Confed Cup im Vordergrund, auch wenn die Frage „Wer hat gewonnen, Mexico oder Deutschland“ für Mexiko nur ein trauriges Suchergebnis brachte. Da wollten die Mexikaner gleich anrufen und ein paar Gewinner-Tipps von Jogi erfahren,  jedenfalls fragten sie erstaunlich häufig bei Google nach der Vorwahl von Deutschland nach.

Kanada will was erleben und die USA stellen die schmerzhaften Fragen

In Kanada zeigte man sich dagegen historisch interessiert. Wann Deutschland gegründet wurde, war die häufigste Frage. Sicherlich war die Antwort darauf für viele Suchenden verblüffend. Was man eigentlich so in Deutschland machen könnte, war die am dritthäufigsten gestellte Frage. Vermutlich kommt gleich darauf die Frage nach den Öffnungszeiten von Deutschland, aber das ist wirklich nur Spekulation.

Und was bewegt die Menschen in den Vereinigten Staaten von Amerika zum Thema „Germany“? Sie trauen sich, endlich die Fragen zu stellen, die weh tun. Die so richtig an das deutsche Selbstbewusstsein gehen, uns in der empfindlichsten Stelle treffen, der deutschen Seele Schmerzen bereiten: „Warum ist Deutschland so schlecht beim ESC?“ Autsch. 

Hier die Google-Statistik zum selber erforschen mit allen Fragen: