Rems-Murr-Kreis

Was es am Sommernachtshimmel alles zu sehen gibt

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Sommernachtshimmel Himmel Sterne Stern Sternbild Planeten Planet Sternschnuppen Teleskop Weinstadt Endersbach_0
Noch heute machen die Sterne neugierig. Gerade in lauen Sommernächten, wenn es sich lang im Freien aushalten lässt, wandern interessierte Blicke zum Himmel © Eckart Seybold
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Von August bis April ist der Orion zu sehen; derzeit frühmorgens, im Frühjahr dann am Abend. Einige Nebensterne auf der rechten Seite werden in manchen Darstellungen zum Bogen.
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Eine Mondfinsternis hat Seybold 2011 fotografiert.
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Nachthimmel
Eckart Seybold in seiner Sternwarte. © ALEXANDRA PALMIZI
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Nachthimmel
Drehbare Sternkarten mit Monats- und Zeitangaben helfen bei der Orientierung. © ALEXANDRA PALMIZI
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Im Sommer und Herbst ist der Schwan zu sehen, mit geöffneten Flügeln und langem Hals. Die abgebildete Grundform ist gut erkennbar. Weitere, weniger helle Sterne verlängern die Flügel.
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So sieht er den Merkur durch sein Teleskop.
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Der Große Wagen ist ein bekanntes Sternbild.

Weinstadt-Endersbach. Erst die Mondfinsternis, die den Erdtrabanten in rotes Licht tauchte, dann die Perseiden, die noch immer als Sternschnuppen-Regen in der Erdatmosphäre verglühen: Einige faszinierende Himmelsphänomene zogen jüngst Blicke auf sich. Am Nachthimmel gibt es noch mehr zu entdecken: zum Beispiel Sommersternbilder oder den Mars, der zurzeit besonders nahe ist.

Ein Pflug, ein Bär, die Krone einer Königin: Schon vor Jahrtausenden haben Menschen begonnen, markante Sternbilder mit Geschichten zu verbinden. Was Germanen als Pflug beschrieben, erschien Griechen als ein Abbild des großen Jägers Orion. Wo Römer sieben Ochsen sahen, entdeckten Griechen einen großen Wagen – während es für nordamerikanische Indianer ein kastenförmiger Bär war, dem drei Jungtiere folgen.

Noch heute machen die Sterne neugierig. Gerade in lauen Sommernächten, wenn es sich lang im Freien aushalten lässt, wandern interessierte Blicke zum Himmel: Was diese W-förmige Konstellation wohl ist? Was ist eigentlich dieser orange leuchtende Punkt? Und soll hier nicht irgendwo ein großer Bär zu sehen sein?

Das sind Fragen, die der Endersbacher Eckart Seybold problemlos beantworten kann. Schon als er ein zehnjähriger Bub war, interessierte er sich für alles, was am Firmament zu sehen ist.

Eine Sternwarte im Dachgeschoss hat der Endersbacher Eckart Seybold

Nun, 65 Jahre später, hat er nicht nur als Rentner ein Astronomiestudium nachgeholt, sondern sogar eine private Sternwarte über dem Schlafzimmer. Von dort aus schaut er sich den Mond an, den Merkur, die Venus; entdeckt Sterne hinter Sternen und nebelhafte Strukturen zwischen hellen Lichtpunkten. Zumindest, wenn er nicht gerade um die Welt reist, um Sonnenfinsternisse zu beobachten. Diese sind sein astronomisches Steckenpferd. In Mexiko, Niger und Mikronesien hat er sie schon angeschaut. Im kommenden Jahr soll es eventuell nach Chile gehen.

In T-Shirt und Shorts steht er vor seinem Haus im Wohnquartier Trappeler, barfuß. Mit ausgestrecktem Arm zeigt er nach oben. „Kassiopeia“ heißt das Himmels-W, das er mit einer unsichtbaren Linie nachzeichnet. Diese markante Konstellation falle vielen Menschen auf, sagt er.

Nicht zuletzt wohl deshalb, weil sie in unseren Breiten das ganze Jahr über zu sehen ist. Wer sie als Anhaltspunkt nimmt, kann den Nordpolarstern finden: Die Spitze in der Mitte zeigt ungefähr auf ihn.

Um „Kassiopeia“ ranken sich verschiedene Erzählungen. Mal zeigt das Sternbild die Krone der eitlen Königin Kassiopeia, mal ihren Thron. Mal hat sie die Töchter eines griechischen Meeresgottes so beleidigt, dass als Sühne fast ihre eigene Tochter geopfert worden wäre; mal hat sie ihr Volk so erzürnt, dass sie mitsamt Thron kopfüber am Himmel befestigt wurde.

Das „Sommer-Dreieck“: Altair, Deneb und Wega

Ein Sternbild, das derzeit besonders gut zu sehen ist, ist das „Sommer-Dreieck“. Es besteht aus drei hellen Sternen: Altair, Deneb und Wega heißen sie. Wer sie findet, findet mit ihnen gleich drei Sternbilder: Den pfeilförmigen Adler (zu dem der Stern Altair gehört), den Schwan (über den Deneb) und die rautenförmige Leier (dank dem Gestirn Wega).

Der eingangs angesprochene orangefarbene Punkt hilft dabei, das Dreieck zu finden: der Mars. Gegen 22.30 Uhr zeigt Seybold den Trick in seinem Garten. Der Mars steht zu diesem Zeitpunkt tief am Horizont. Mit dem Finger zieht Seybold eine imaginäre Linie nach oben. Dort leuchtet ein heller Stern – der Altair. Links oberhalb hebt sich der Deneb von den umgebenden Sternen ab, rechts strahlt der Stern Wega.

Sogar die Eiskappen an den Polen kann er durch sein Teleskop erkennen

Der Mars, merkt Seybold an, ist gerade sehr nahe an der Erde. Die beiden Planeten sind je nach ihrer Position auf ihren Umlaufbahnen zwischen 55,6 und 101,3 Millionen Kilometer voneinander entfernt. Derzeit sind es dem Endersbacher zufolge etwa 57,6 Millionen Kilometer. Deswegen sieht er durch sein Teleskop in seiner Sternwarte statt eines Punktes eine kleine Platte. Sogar die Eiskappen an den Polen könne er erkennen, wenn die Luft kühl und klar ist, sagt er mit einem Lächeln. Für den Hobby-Astronomen ist das ein ganz besonderer Anblick.

Wer wie Seybold genauer hinschauen möchte, sei jedoch beruhigt: Für viele Beobachtungen braucht es kein Teleskop. Oft reicht schon ein Fernglas oder Fernrohr – beispielsweise, um die Ringe des Saturn oder die Jupitermonde zu sehen. Seybold selbst hat dafür ein gelbes Fernglas aus wasserfestem, dickem Material – sein treuer Begleiter bei jedem Wetter, solange nur noch ein wenig Himmel frei von Wolken ist.

Einiges ist sogar mit bloßem Auge zu entdecken. Wer gut sieht, kann zum Beispiel an der Deichsel des Großen Wagens einen zweiten Stern entdecken, ganz nah am Hauptstern. „Den nennt man das kleine Reiterlein. Oder“, Seybold lacht, „den Augenprüfer.“

Auch der Große Bär ist übrigens mit Hilfe des Großen Wagens und einer Portion Fantasie leicht zu finden: Der Wagen ist nämlich der Bauch des Tiers, die Deichsel sein Schwanz. Vom Hinterrad aus geht ein viersterniges Bein ab. Wie ein verbogenes Ypsilon sieht es aus. Nach vorne verlängert sich der Wagen um den Kopf und den Brustbereich des Bären – je nach Darstellung ein Fünf- oder Sechseck. Von der Brust aus geht ein weiteres, dreisterniges Ypsilon nach unten ab: das Vorderbein.


Besondere Anblicke

Noch bis 24. August sind Eckart Seybold zufolge die Perseiden zu sehen. Der Höhepunkt des Sternschnuppenschauers war am vergangenen Wochenende. Die Erde begegnet dem Meteoritenstrom jedes Jahr im August.

Der Mars ist derzeit der hellste Planet am Nachthimmel. Auch die Venus ist bis 21.55 Uhr zu sehen, der Jupiter bis etwa 23.20 Uhr, der Saturn bis ungefähr 2 Uhr morgens.