Rems-Murr-Kreis

Was Fußgänger dürfen und was verboten ist

83ea445d-ca65-4e15-90dd-0367a12a73f6.jpg_0
Ein Fußgänger muss sich auch an Regeln halten – daran führt kein Weg vorbei. © Pixabay/CC0 Public Domain

Waiblingen. Ein Fußgänger an der B 29 hat einen Polizeieinsatz ausgelöst. Der Mann war vom Höhenparkplatz aus Richtung Waiblingen neben der Bundesstraße gelaufen, als eine Streife ihn aufgriff. Den Betreffenden erwartet ein Bußgeld, denn Fußmärsche an Bundesstraßen sind verboten. Fehlverhalten eines Fußgängers kann im Extremfall zu Führerscheinverlust führen.

Laut einem Polizeisprecher führte der Fußgänger offenbar nichts Böses im Schilde, und er schien weder verwirrt noch betrunken gewesen zu sein. Der Mann wollte am Mittwochmittag einfach nur auf dem kürzesten Weg nach Waiblingen. Er wusste laut dem Sprecher schlicht nicht, dass Fußmärsche entlang Bundesstraßen verboten sind.

Der risikobereite Fußgänger wird wohl mit einem Bußgeld davonkommen. So glimpflich geht es nicht immer ab. Je nach Schwere eines Fehlverhaltens muss ein Fußgänger gar um seinen Führerschein bangen – obwohl er gar nicht mit dem Auto unterwegs war. Das gilt insbesondere dann, wenn Alkohol oder Drogen im Spiel sind oder jemand psychische Auffälligkeiten zeigt – und es muss sich schon um etwas Gravierendes handeln.

Bei Rot über die Ampel: Rüge und fünf Euro Strafe

Wer bei Rot über die Ampel geht, kassiert maximal eine Rüge und zahlt fünf Euro – sofern das überhaupt jemanden interessiert. Wer in volltrunkenem Zustand auf einem Fest randaliert – der könnte eine Einladung zur Medizinisch-Psychologischen Untersuchung (MPU), landläufig Idiotentest genannt, im Briefkasten vorfinden. Ein solcher Fall sorgte vor einiger Zeit in Rheinland-Pfalz für Schlagzeilen: Mit einem Blutalkoholgehalt von drei Promille war seinerzeit ein Mann immer noch in der Lage gewesen, auf einem Fest für reichlich Ärger zu sorgen. Hernach erhielt er eine Einladung zur MPU, ließ das Schreiben unbeachtet liegen – und büßte seinen Führerschein ein. Ein Gericht mutmaßte, es liegt wohl ein Alkoholproblem vor, wenn jemand so viel Schnaps verträgt.

Tatsächlich kann und wird die Polizei die Führerscheinbehörde informieren, wenn bei einer auffälligen Person vieles auf ein Alkohol- oder Drogenproblem hindeutet – und zwar auch dann, wenn die Person gar nicht im Auto saß, als Beamte auf sie aufmerksam wurden.

„Wer zu Fuß geht, muss die Gehwege benutzen“

Ein solcher Hinweis an die Führerscheinbehörde reicht natürlich nicht, um sofort eine Fahrerlaubnis zu entziehen. Die Behörde wird den Betreffenden beispielsweise auffordern, sich bei einem Facharzt vorzustellen, erklärt der Waiblinger Anwalt Oskar Späth. Wer im Vollbesitz seiner geistigen Kräfte an einer Bundesstraße entlanggeht, muss aber seiner Einschätzung nach mit solch einer Konsequenz nicht rechnen.

Die Straßenverkehrsordnung widmet dem „Fußverkehr“ einen eigenen Paragrafen (§ 25). „Wer zu Fuß geht, muss die Gehwege benutzen“, steht darin beispielsweise, oder: „Auf der Fahrbahn darf nur gegangen werden, wenn die Straße weder einen Gehweg noch einen Seitenstreifen hat.“ Für Autobahnen oder Bundesstraßen gilt das natürlich nicht! Dort darf man nicht gehen – Punkt.

Ein Blick auf den Bußgeldkatalog für nicht gesetzestreue Fußgänger legt den Schluss nahe: Könnte der Staat all diese Verstöße in der Praxis ahnden und entsprechend Bußgelder kassieren, gäb’s für die nächsten 200 Jahre keine Haushaltsdefizite mehr. Ein paar Beispiele aus dem Bußgeldkatalog: Wer als Fußgänger den Fahrverkehr in einem verkehrsberuhigten Bereich behindert, zahlt – theoretisch – fünf Euro. Außerhalb einer geschlossenen Ortschaft nicht am linken Fahrbahnrad laufen – das kostet ebenfalls fünf Euro. Auf das Doppelte beläuft sich das Bußgeld im Falle des Betretens oder gar Überschreitens einer Autobahn. Am teuersten wird’s im Fußverkehr für „Verantwortliche“, die Folgendes zulassen: „Teilnahme am Straßenverkehr, obwohl körperliche und geistige Mängel vorhanden sind, ohne Vorsorge getroffen zu haben, so dass andere nicht gefährdet werden.“ Das kostet 25 Euro.

Kongress im Oktober

Der zweite Deutsche Fußverkehrskongress findet im Oktober in Berlin statt. Eins der Hauptthemen ist die Sicherheit von Fußgängern – denn sie sind die Schwächsten.