Rems-Murr-Kreis

Was passiert noch in den Schulen im Kreis?

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Endlich keine Schule mehr? Anders als in anderen Bundesländern ist’s bei uns in Baden-Württemberg und damit auch im Kreis noch nicht ganz so weit. Doch für manche Kinder fühlt sich der Schulalltag auch jetzt schon super ferienmäßig an. © dpa/Felix Kästle

Waiblingen. Für viele Schülerinnen und Schüler ist jetzt die wunderbarste Zeit des Jahres. Nein, es sind noch keine Sommerferien, doch der Schulbetrieb ist längst runtergefahren. Arbeiten sind geschrieben, Zeugnisse gerade in Arbeit, Bücher werden hier oder da schon abgegeben. Dafür musste vor den Pfingstferien wie verrückt geschuftet werden. Könnte das nicht anders gehen?

„Super“, fand der Neuntklässler, als er am letzten Schultag vor den Pfingstferien nach Hause gekommen war, „jetzt keine Schule mehr.“ Gemeint waren allerdings mitnichten die inzwischen vergangenen zwei freien Wochen. Gemeint waren die Wochen, die sich anschlossen. Die Wochen jetzt.

Eine Mutter schimpft: „Die machen nichts mehr!“

Fünf Wochen sind es zwischen den Pfingstferien und den Sommerferien. Das sind 25 Schultage und, zumindest in den weiterführenden Schulen, so ungefähr 850 Schulstunden. Das kommt natürlich stark auf das Alter der Kinder an. Doch für jede Klassenstufe gilt: Das könnte noch mal richtig viel Arbeitszeit sein. Könnte?

„Die kommen heim, setzen sich aufs Sofa und sagen, dass sie keine Hausaufgaben aufhaben“, schimpft eine Mutter zweier Mädels. „Die machen nichts mehr!“ Und sie rechnet aus: Zwei Wochen Pfingstferien plus fünf Wochen Zwischenzeit plus sechseinhalb Wochen Sommerferien ergibt über 13 Wochen Nichtstun.

Erst schuften wie verrückt, dann über 13 Wochen lang nichts tun

Vor Ferienbeginn am 8. Juni hatten die Schülerinnen und Schüler harte Zeiten. Da kamen die Klassenarbeiten Schlag auf Schlag. Ein Fach nach dem anderen musste durchgezogen werden, es gab kaum eine Pause, geschweige denn ein freies Wochenende. Ein unglaublicher Druck. Ein gutes, nachhaltiges, angst- und stressfreies Lernen?

Der Grund: Direkt nach den Pfingstferien ging es hier und da los mit den Zeugniskonventen. Die Arbeiten mussten also alle vor den Ferien geschrieben, die Noten in den Ferien ausgerechnet sein.

Warum aber eigentlich so früh? Wofür sind dann die folgenden Wochen gedacht? Die Schulamtsleiterin aus Backnang, Sabine Hagenmüller-Gehring, die für die Grundschulen, die Werkrealschulen, Gemeinschaftsschulen und Realschulen im Kreis zuständig ist, erklärt das so: „Gängige Praxis in den Schulen ist, dass sie bereits zu Beginn die Klassenarbeiten gleichmäßig übers Schuljahr verteilen und sich die in einer Klasse unterrichtenden Lehrkräfte untereinander abstimmen, um Häufungen zu vermeiden.“ Allerdings ergäben sich im Schulalltag immer wieder Verschiebungen. Doch Ziel sei es, Häufungen, insbesondere am Schuljahresende, „zu vermeiden“. Sie sei „auf keine Schule gestoßen“, die nach den Pfingstferien keine Klassenarbeiten mehr schreibe, könne aber nicht ausschließen, dass das vorkommt.

Späte Pfingstferien in diesem Jahr

Hinzu kommt, dass dieses Schuljahr ein besonderes ist: Die Pfingstferien waren so spät, dass die Zeit bis Schuljahresende knapp wird. Und in den Realschulen kommt noch ein weiteres Problem hinzu. „Die Zeugniskonferenzen finden in den Realschulen dieses Jahr erstmals circa eine Woche früher statt als bislang.“ Denn Realschulen müssen inzwischen auch auf zwei verschiedenen Niveaus unterrichten: Steigen die Kinder in der fünften Klasse alle auf Realschulniveau ein, wird in den folgenden Schuljahren zwischen Hauptschulniveau und Realschulniveau unterschieden.

Die Eltern müssen diesbezüglich informiert werden, sich zurückmelden, eventuell stehen dann Gespräche an. „In aller Regel finden jedoch die Zeugniskonferenzen so spät wie möglich im Schuljahr statt, damit die Zeit voll und ganz für Klassenarbeiten und andere Lernstandserhebungen genutzt werden kann.“

Doch nicht nur der Lernanreiz Klassenarbeit fehlt in der Zeit bis zu den Sommerferien – anscheinend kommt es an manchen Schulen auch vor, dass zum Juli-Beginn schon Schulbücher eingesammelt werden. Das würde bedeuten: Lernen, weil noch Wissen abgeprüft wird, ist nicht mehr möglich. Und Lernen, weil der Schulstoff womöglich interessant ist, oder der Lehrer so nett oder so streng, auch nicht mehr. Denn woraus sollte es denn erarbeitet werden?

„Bücher werden zum Lernen genutzt bis zum Schluss“

„In der Runde der Geschäftsführenden Schulleiter und Schulleiterinnen war niemand, der von der Praxis einer so frühzeitigen Bücherabgabe Kenntnis hatte“, schreibt Sabine Hagenmüller-Gehring. „Gängige Praxis ist die Bücherabgabe in der letzten Schulwoche.“

Sabine Hagenmüller-Gehring erklärt, dass die Schulen sich ihrer Verantwortung „sehr bewusst“ seien und „die Schulzeit bis Schuljahresende verantwortungsvoll nutzen, um den Erziehungs- und Bildungsauftrag (gemeinsam mit den Eltern) umzusetzen“. Dazu gehörten Projektwochen, Klassen- und Studienfahrten. „Bücher werden aber zum Lernen genutzt bis zum Schluss.“


Was sagen Sie dazu?

Von einzelnen Schulen, schreibt Schulamtsleiterin Sabine Hagenmüller-Gehring, dürfe nicht auf alle geschlossen werden. „Das würde den Schulen und deren Engagement nicht gerecht werden und ihr Bild in der Öffentlichkeit zu Unrecht in eine Schieflage bringen.“

Aber wie schaut’s denn jetzt aus im Kreis? Was wird noch oder nicht mehr gemacht in den verschiedenen Schulen? Wie nehmen Sie, die Eltern, oder Ihre Kinder die Zeit vor den Pfingstferien und bis zu den Sommerferien wahr? Schreiben Sie uns von Ihren Erfahrungen. Schreiben Sie an pia.eckstein@zvw.de