Rems-Murr-Kreis

Was zwitschert in unseren Gärten? Der Spatz ist zahlreich, doch die Blaumeise ist in Gefahr

Gartenvögel
Dieser Spatz, genauer gesagt, dieser Feldsperling, füttert seine Jungen beim Nabu-Vereinsheim auf dem Schmidener Feld. Ob's ein Männchen oder ein Weibchen ist, kann man bei dieser Art nicht erkennen. Bei der Aufzucht der Jungen sind jedenfalls beide dabei. © Gabriel Habermann

Am Vereinshäusle beim Fellbacher Nabu auf dem Schmidener Feld geht's rund: Hier wohnen Spatzen und die haben gerade die Nester voll. Genauer gesagt: Es sind – der Wohnort legt's nahe – Feldsperlinge. Eng verwandt mit den oft in den Gärten gesehenen Haussperlingen, aber eben doch nicht die gleichen.

Aber wenn Michael Eick vom Nabu Rems-Murr sich in das Getümmel setzt, dann hört er nicht nur das Tschilpen der Spatzen. Ringsum, sagt er, seien Amsel, Bachstelze, Blaumeise, Bluthänfling, Buchfink, Buntspecht, Elster, Gartenbaumläufer, Girlitz, Grünfink, Hausrotschwanz, Kohlmeise, Mönchsgrasmücke, Rabenkrähe, Rauchschwalbe, Ringeltaube, Stieglitz, Straßentaube, Türkentaube, Wacholderdrossel und Zilpzalp zu hören oder sehen gewesen. Was für eine Liste! Scheint nicht so schlimm zu sein mit den Vögeln, oder?

Die Blaumeisen sterben an einem Virus: Fast 50 Prozent weniger Tiere

Doch. Die Anzahl der verschiedenen Tiere sinkt, sagt Michael Eick. Und das seit Jahren. Die Blaumeise ist in diesem Jahr ganz akut gefährdet. Ein Virus setzt ihr zu, die Tiere sterben. Und tatsächlich haben die vielen Vogelzählerinnen und Vogelzähler, die vor wenigen Tagen bei der bundesweiten Nabu-Aktion „Stunde der Gartenvögel“ mitgemacht haben, auch um die Hälfte weniger Blaumeisen gezählt als noch im Vorjahr.

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Michael Eick vom Nabu Rems-Murr vor dem Vereinshaus des Fellbacher Nabu am Schmidener Feld. © Gabriel Habermann

Und selbst der Spatz, vor Jahren noch Sorgenkind der Naturschützer, inzwischen aber durch die Zählung wieder als häufigster Gartenvogel erkannt, verzeichnet einen Rückgang von 25 Prozent.

Die Zählung war ein voller Erfolg im Rems-Murr-Kreis: In 495 Gärten wurden insgesamt 12 824 Vögel gezählt. 761 Vogelfreunde haben mitgemacht – das waren 20 Prozent mehr Leute als noch im Jahr davor. Dass diesen Zählungen immer Ungenauigkeiten innewohnen, etwa weil ein Vogel doppelt gezählt wird, oder weil zum Beispiel ein Feld- mit einem Haussperling verwechselt wird, sei nicht schlimm, sagt Michael Eick. Der Trend stimme trotzdem.

Warum verschwindet der einst so häufige Grünfink? 

Bei manchen Vögeln, Stichwort Blaumeise, wissen die Fachleute, warum die Zahlen nach unten gehen. Bei anderen rätselt selbst Michael Eick. Warum zum Beispiel verschwindet der Grünfink, einst in Horden in den Hecken versteckt, immer mehr? Liegt's daran, dass er für seine Jungen kein Futter mehr findet? Der Grünfink braucht frische, fast noch grüne Samen, zum Beispiel vom Löwenzahn. Der aber wird in den Gärten eliminiert. Und warum macht sich der Buchfink rar? Die Anzahl der Stare ist um 40 Prozent nach unten gegangen, das im Garten heiß geliebte Rotkehlchen um 37 Prozent. Statistisch gesehen lebt in jedem Garten nicht mal mehr ganz ein halbes Tier.

Andere Vögel dagegen, vermutet Michael Eick, gibt es häufiger, als sie gezählt wurden. Die Mönchsgrasmücke zum Beispiel lebe in vielen Gärten. Das aber sehr versteckt. Oft kann man sie nur hören. Wer aber weiß noch die Gesänge zuzuordnen?

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Diese Wacholderdrossel hat einen Regenwurm erwischt. © Gabriel Habermann

Tatsächlich gibt's, weiß Michael Eick, im Rems-Murr-Kreis noch Stellen, an denen sogar die Nachtigall singt. Eine davon ist in einem Gebiet, das bebaut wird. Diese Vögel stehen also auf verlorenem Posten – das Gebüsch, in dem sie hausen, wird weggemacht. Auch in der Nähe der Waiblinger Westumfahrung, ganz dicht beim ehemaligen Bosch-Werk, jetzt Syntegon, gab's mal viele – vorbei. Zwei der Sänger hat Eick dort aber trotz des schwindenden Gestrüpps noch ausgemacht. Hoffentlich bleibt es so.

Tipps für einen vogelfreundlichen Garten

Immer mehr Menschen entdecken ihr Herz für die Tiere im Garten. Wie aber können wir ihnen helfen?

Vögel brauchen Abwechslung im Garten. Zum Beispiel also vogelfreundliche, idealerweise heimische Gehölze wie die Vogelbeere oder den Holunder, die neben dem Lebensraum auch Futter bieten.

Außerdem braucht's Stellen, wo's blüht. Idealerweise auch das, was herkömmlich als „Unkraut“ bezeichnet wird.

Überhaupt ist ein vogelfreundlicher Garten nicht sauber aufgeräumt. Da liegen auch noch Blätter rum, unter denen sich Insekten verstecken, die dann als Futter dienen.

Eine versteckte Ecke mit abgelegtem Reisig bietet Rotkehlchen oder Zaunkönig die Möglichkeit, ein Nest zu bauen.

Wer Lust hat, kann das ganze Jahr füttern. Den Vögeln sollte jedoch Verschiedenes angeboten werden. Gerne genommen werden Erdnüsse und andere Nüsse, Haferflocken, Sonnenblumenkerne, Äpfel.

Da in den wenigsten Gärten Bäume stehen, in denen der Specht schon Höhlen gezimmert hat, die dann die anderen beziehen können, muss auch für Brut-raum gesorgt werden. Verschiedene Nistkästen versorgen verschiedene Arten. Und die kommen sich reviertechnisch auch nicht in die Quere.