Rems-Murr-Kreis

Wie es mit dem B14-Ausbau weiter geht

B14_0
Ab Mittwoch sollen alle vier Spuren freigegeben werden. © Ramona Adolf

Backnang. Es ist soweit: Die B14 zwischen Waldrems und Nellmersbach ist ab Mittwoch vierspurig befahrbar. Nachdem die Bauarbeiter am Montag die Baken weggeräumt hatten, konnte die Fahrtrichtung Stuttgart im Laufe des Tages freigegeben werden. Die restlichen Arbeiten erfolgen am Dienstag. Einen Zeitplan, wie es dann mit den Bauarbeiten weitergeht, gibt es allerdings noch nicht. Die Planungen und Vergaben dauern und dauern und dauern.

Auf diese Pressemitteilung des Regierungspräsidiums hat der Rems-Murr-Kreis gewartet. Nach mehr als zwei Jahren Bauzeit ist jetzt der 1,1 Kilometer lange Abschnitt zwischen Waldrems und Nellmersbach fertig. Am Montag haben Arbeiter die Baken auf dem westlichen Teil der Strecke weggeräumt und die beiden Spuren in Richtung Stuttgart gereinigt. Danach konnte der Verkehr zweispurig fließen. Und am Dienstag wiederholt sich das Ganze auf dem östlichen Streckenteil, so dass spätestens ab Mittwoch der gesamte Abschnitt für den Verkehr offiziell vierspurig freigegeben ist.

Über den Fortschritt freut sich auch Backnangs Oberbürgermeister Frank Nopper. In einer kurzen Stellungnahme jubelt er: „Backnang wird Schritt für Schritt besser über die B14 erreichbar. Jeder Kilometer auf dem Weg zu einer vierspurigen B14 bis zum Wasserturm ist ein guter Kilometer. Wenn wir pro Jahr im Durchschnitt einen Kilometer schaffen, sind wir tatsächlich wie angestrebt im Jahr 2026 am Ziel.“

Der jetzt fertiggestellte Abschnitt hat alleine 11,2 Millionen Euro Baukosten verschlungen. Die gesamte Strecke bis zum Industriegebiet Lerchenäcker wird laut den Planungen, die einst dem Planfeststellungsbeschluss zugrunde lagen, insgesamt 140 Millionen Euro kosten.

Als vor über zwei Jahren mit dem Bau begonnen wurde, hieß es, dass nach der geplanten Fertigstellung im November 2017 sofort der nächste Abschnitt gebaut wird, das wäre der Knoten Waldrems. Der aber bereitet den Planern großes Kopfzerbrechen. „Der Bau ist unheimlich komplex“, sagt Björn Stähle vom Regierungspräsidium. Es ist ein sehr tiefer Eingriff ins Erdreich vonnöten, und zwei Grundwasserströme dürfen nicht vermischt werden. Die Arbeiten dafür sind extrem aufwendig.

Zudem ist für den Tunnelbau noch Grunderwerb nötig. Die Verhandlungen mit den Grundstücksbesitzern sind noch nicht abgeschlossen. Zudem müssen mehrere Anwohner zustimmen, dass Anker zur Sicherung der Tunnelwände unter ihr Grundstück getrieben werden. Auch hier gibt es noch keine Zusagen. Die Anker werden zwar nur während der Bauphase benötigt, sie bleiben aber im Erdreich zurück. Wenn es keine Einigung gibt, ist ein ergänzendes Planfeststellungsverfahren nötig.

Baufeld für den Tunnel Waldrems ist extrem beengt

Auch wenn der Tunnelbau beginnt, wird die Durchführung nicht einfach sein. Die provisorische Straße, über die der Verkehr während der Bauzeit fließt, wird mit nur 1,2 Meter Abstand zu der Bebauung von Waldrems gebaut. Stähle: „Es geht alles sehr beengt zu, wir haben fast keinen Platz, den Tunnel zu bauen.“ Dieser nächste Bauabschnitt reicht ohnehin nur bis zur alten Schule Maubach. Die östliche Umfahrung von Maubach hingegen kann erst danach gebaut werden.

Viel realistischer ist aber, dass mit dem zweiten Viadukt begonnen wird. Aber auch hier müssen noch Details geklärt werden. So etwa die Entwässerung der Fahrbahn. Bislang war angedacht, das Oberflächenwasser an jeder Seite des Viadukts in ein Regenüberlaufbecken abzuleiten. Das ist aber in einem Fall nicht möglich. Vielmehr muss das Wasser in den städtischen Kanal eingeleitet werden. Die Klärung steht noch aus. Als Nächstes erfolgt die EU-weite Ausschreibung des Projekts.

Baubeginn Ende 2019

Wenn alles klappt, so glaubt man beim RP, könnte es reichen mit einem Baubeginn Ende 2019. Möglich wäre auch, den Abschnitt Backnang-West vorzuziehen. Er führt vom Viadukt bis zum Industriegebiet Lerchenäcker. Aber auch da gibt es noch diverse Schwierigkeiten, die die Planer beschäftigen. So etwa die Unterführung nach Unterschöntal. Sie wird ein aufwendiges Bauwerk. Derzeit ist es noch mit einer Länge von über 80 Metern geplant. Angestrebt wird jedoch, unter diese 80-Meter-Marke zu kommen, dann würde der künftige Unterhalt günstiger. Das Ansinnen des RP in diesem Fall: Baubeginn 2020.

Noch schwieriger ist die Anschlussstelle Backnang-Süd (Spritnase), da hier die jüngste Verkehrszählung noch nicht ausgewertet ist. Die Stadt Backnang vertritt die Ansicht, dass die Anschlussstelle in der derzeitig geplanten Ausführung nicht leistungsfähig ist. Erst wenn die Auswertung der Verkehrszählung vorliegt, wird entschieden, ob hier noch Änderungen vonnöten sind.

Mit dem jetzt fertiggestelltem Abschnitt bis Waldrems jedenfalls verschiebt sich der Stau auf der Bundesstraße um einen Kilometer nach Norden vom Ortsrand Nellmersbach bis nach Backnang-Waldrems.


Historie und Ausblick

Schon Ende der 1950-er-Jahre hat es erste Überlegungen für den Ausbau der Bundesstraße 14 gegeben. Sie waren bis 1979 eng verknüpft mit der Neckar-Alb-Autobahn, die dann in der Versenkung verschwand. Am 23. Oktober 1979 wurde die vierspurige Bundesstraße zwischen Waiblingen und Winnenden eröffnet. Entgegen der damaligen Hoffnungen passierte in den 80-er und 90-er-Jahren nichts. Erst 23. Juli 2001 folgte nach langer Diskussion der Baubeginn des 5,3 Kilometer langen Abschnitts Winnenden-Süd bis Leutenbach. 1. März 2006: Beginn des zweiten Bauabschnitts bis Nellmersbach. September 2009: Freigabe der B-14-Umfahrung Winnenden bis Nellmersbach.

Am 10. Juni 2016 folgte der Spatenstich für den ersten, 2,2 Kilometer langen Bauabschnitt des Weiterbaus über Nellmersbach hinaus bis Waldrems. Der Bau des 135 Meter langen Waldrems-Tunnel sollte gleich im Anschluss an den Ausbau bis Waldrems folgen. Doch das Grundwasser spielt den Planern einen Streich. Das Regierungspräsidium rechnet damit, dass der Tunnel frühestens ab 2020 gebaut werden kann. Vom 14. November 2018 fließt der Verkehr vierspurig bis Waldrems.

Weil der gesamte Ausbau vom Bund finanziert ist (105 Millionen Euro), werden Teile des nördlichen Bauabschnitts bis Backnang-West vorgezogen. Als Nächstes soll statt des Tunnels das zweite Murrtalviadukt gebaut werden-

Spannend ist, wie es von Backnang-West weiter zur Autobahn A 81 in Mundelsheim geht. Der Autobahnzubringer L 1115 ist eine Landesstraße. Sie soll dreispurig ausgebaut werden. Dem baden-württembergischen Verkehrsministerium wäre es aber am liebsten, wenn der Autobahnzubringer zu einer Bundesstraße aufgewertet würde und das Land sich den mindestens 57 Millionen Euro teuren Ausbau sparen kann. Der Bund stand dieser Idee zunächst ablehnend gegenüber. Im März 2017 allerdings haben die Backnanger CDU-Abgeordneten Winfried Klenk und Norbert Barthle die Idee aufgegriffen und waren eigenen Angaben zufolge beim Bund auf offene Ohren gestoßen.

Der Regionalverkehrsplan führt den dreistreifigen Ausbau des Autobahnzubringers Backnang-Mundelsheim in der Kategorie „Höchste Dringlichkeit“. Durch Überholmöglichkeiten werde die Verkehrssicherheit erhöht, auf der es bereits des Öfteren zu schweren Unfällen gekommen ist. Für den Ausbau sprechen nicht nur 30 000 Kfz täglich, sondern die vielen Lkw, die dort unterwegs sind.

Im weiteren Verlauf der B14 in Richtung Schwäbisch Hall plant die Stadt Backnang ebenfalls einen vierspurigen Ausbau bis Strümpfelbach. Der beispielsweise im Bereich des Industriegebietes Lerchenäcker bereits vorhanden, allerdings besteht vor Backnang-West noch ein zweispuriges Nadelöhr.