Rems-Murr-Kreis

Wie gefährlich sind Kampfhunde wirklich?

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Symbolbild. © ZVW

Ein sieben Monate altes Kind aus Südhessen ist am Montag (10.04.) 40-Jährige musste aber im Februar schwer verletzt mit dem Hubschrauber in eine Klinik gebracht werden, nachdem sie in Remshalden von einem Hund angefallen worden war. Wie viel Gefahr geht von den Tieren tatsächlich aus? Wer trägt die Schuld? Und kann ein Hundeführerschein helfen, solche Fälle zu verhindern?

*In einer früheren Version dieses Texts hatten wir von lediglich vier Vorfällen im Rems-Murr-Kreis gesprochen. Laut Polizeidirektion Aalen waren es aber bereits zehn Fälle in diesem Jahr.

 

In Niedersachsen gibt es ihn bereits: Den Hundeführerschein. Seit Juli 2013 müssen Hundehalter dort beweisen, dass sie in der Lage sind, sich um das Tier zu kümmern. Erst dann darf der Hund mit nach Hause. "Seit es den Hundeführerschein gibt, sind die Beißvorfälle in Niedersachsen um etwa ein Drittel zurückgegangen", weiß Jana Hoger. Sie ist "Fachreferentin für tierische Mitbewohner" bei der Tierschutzorganisation Peta. Peta fordert, dass der Hundeführerschein bundesweit eingeführt wird. In Baden-Württemberg gibt es ihn bislang nur auf freiwilliger Basis. In Mannheim zum Beispiel werden Halter mit Führerschein zwei Jahre von der Hundesteuer befreit. Jana Hoger empfindet es generell als Problem, dass diese Gesetze in Deutschland Ländersache sind und es keine einheitlichen Vorschriften gibt.

Drei Rassen gelten als besonders gefährlich

So gelten in Baden-Württemberg laut Kampfhundeverordnung drei Hunderassen als besonders gefährlich und aggressiv: American Staffordshire Terrier, Bullterrier und Pit Bull Terrier. Wer einen dieser Hunde anschaffen möchte, muss eine Erlaubnis bei der örtlichen Polizei beantragen. Ein Tierarzt und ein Polizeihundeführer überprüfen dann in einem Wesenstest, ob der Hund gefährlich ist. Hunde der Rassen Bullmastiff, Staffordshire Bullterrier, Dogo Argentino, Bordeaux Dogge, Fila Brasileiro, Mastin Espanol, Mastino Napoletano, Mastiff und Tosa Inu gelten ebenfalls als Kampfhunde. Diese müssen sich jedoch nur dann einem Wesenstest unterziehen, wenn sich Anhaltspunkte auf eine gesteigerte Aggressivität und Gefährlichkeit bestätigt haben. 

"Rasselisten stigmatisieren Hunde"

Jedes Bundesland kann selbst entscheiden, welche Tiere auf einer sogenannten Rasseliste landen. In Schleswig-Holstein und Thüringen gibt es sie gar nicht. Im Saarland gelten drei Hunderassen als besonders aggressiv, in Bayern sind es sogar 19. Jana Hoger hält von diesen Listen nichts. "Hunde bestimmter Rassen sind nicht grundsätzlich aggressiv", sagt sie. "Man darf diese Tiere nicht stigmatisieren." Es gebe zum Beispiel viele Beißvorfälle mit Deutschen Schäferhunden. Diese werden aber in keiner der Rasselisten geführt. "Diese Listen zeigen nur die Hunde, die besonders oft Opfer menschlichen Missbrauchs werden und zum Beispiel für Hundekämpfe eingesetzt oder abgerichtet werden", sagt Hoger.

Wie viele Rasselistenhunde derzeit im Rems-Murr-Kreis leben, wird vom Landratsamt nicht erfasst. Die zuständigen Ordnungsämter erheben die Daten einzeln für sich. In Waiblingen zum Beispiel leben aktuell drei Kampfhunde. Drei weitere wurden als "bissige Hunde" registriert. Hunde, die den Wesenstest bestanden haben, fallen aus der Statistik heraus. Im vergangenen Jahr wurden im Rems-Murr-Kreis insgesamt 43 Wesenstests durchgeführt. Drei Hunde haben nicht bestanden. Der Test darf nur einmal gemacht werden. Fällt ein Hund durch, kann dem Besitzer der Hund abgenommen werden. Alternativ werden Maulkorb- und Leinenpflicht auferlegt. Das liegt im Ermessen der Tester.

"Schuld liegt am anderen Ende der Leine"

Jana Hoger glaubt nicht daran, dass sogenannte Kampfhunde von Geburt an aggressiv sind. "Grundsätzlich liegt die Schuld am anderen Ende der Leine." Es sei wichtig, dass Hund und Halter ein gutes Verhältnis zueinander hätten. Auch zum Wohl des Tiers sei es deshalb wichtig, die Signale, die der Hund sendet, richtig zu interpretieren. Dafür sei der Hundeführerschein bestens geeignet.

Die meisten Tierheime geben Hunde deshalb auch nicht an jeden heraus. Silvia Falaster, die beim Tierschutzverein Waiblingen für die Koordination der Hunde verantwortlich ist, erklärt: "Wir machen auch eine Platzkontrolle." Dabei besuche ein Mitglied des Vereins den künftigen Hundehalter zu Hause. Dort prüft er, ob die Voraussetzungen, einen Hund zu halten, überhaupt gegeben sind.

Das Risiko bleibt

Doch auch ein Hundeführerschein für die Halter kann einen Hundebiss nicht ausschließen. In den meisten Fällen werden nämlich nicht die Hundehalter angegriffen, sondern Passanten. "Man darf eben nicht vergessen, dass es sich um Tiere handelt, die körperlich in der Lage sind, einen Menschen totzubeißen", so Hoger. "Ein Restrisiko bleibt."


Verhaltenstipps für Passanten

Was tun, wenn ein freilaufender Hund auf mich zukommt? Peta gibt hierfür die folgenden Tipps:

  • Bewahren Sie Ruhe und rennen Sie nicht weg! Hektische Bewegungen könnte der Hund missverstehen.
  • Verlangsamen Sie ihr Tempo oder bleiben Sie am besten gleich stehen. Lassen Sie Ihre Arme am Körper hängen.
  • Wenn der Hund positives Interesse zeigt, sprechen Sie ihn mit ruhiger und hoher Stimme an.
  • Wo ein Hund ist, ist auch ein Halter nicht weit: Weisen Sie den Hundehalter auf die Leinenpflicht hin!
  • Kleinkinder, die Angst vor dem Hund haben, sollten Sie am besten auf den Arm nehmen.