Rems-Murr-Kreis

Wildes Pinkeln vor aller Augen: Das kann teuer werden

Pissser
Hat jeder schon mal gemacht? Vermutlich ja, aber eine Ordnungswidrigkeit bleibt das Wildpinkeln trotzdem – egal, ob der Missetäter sich in der Natur oder in der Stadt erleichtert. © Gaby Schneider

Würde jeder Wildpinkler mit einem Bußgeld belegt, wären die Staatskassen auf Jahrzehnte hinaus gut gefüllt. Meist bleibt die Ordnungswidrigkeit ungesühnt, davon ist auszugehen.

Vermutlich kommen auch jene zwei Wildpinkler ungeschoren davon, die am Samstagabend am Bahnhof in Neustadt Aufsehen erregten. An diesem Bahnhof kommt es vergleichsweise häufig zu Vorfällen, etwa Sachbeschädigungen. Doch nur selten schaffen es öffentliche Ärgernisse wie diese in die Polizeimeldungen: Zunächst sprach eine 64-jährige Frau die beiden Männer an, die am Samstagabend gegen 20 Uhr am Bahnhof an einem Grünstreifen ungeniert öffentlich urinierten. Offenbar waren die beiden in keinster Weise zur Einsicht bereit – stattdessen entwickelte sich ein Streit. Ein Sicherheitsmitarbeiter der Deutschen Bahn wollte schlichtend eingreifen – doch vergebens: Einer der beiden Männer schlug ihm ins Gesicht. Die beiden Schurken konnten flüchten.

Öffentliches Urinieren ist ausdrücklich verboten

Natürlich vermeldet die Polizei den Vorfall wegen der Schläge, nicht wegen des Pinkelns. Dennoch wirft der Fall die Zusatzfrage auf: Darf man das, in Grünstreifen pinkeln?

Nein. Darf man nicht. Öffentliches Urinieren ist in Deutschland ausdrücklich verboten, und bei Zuwiderhandlung droht ein Bußgeld, das freilich nur in den allerseltensten Fällen wirklich eingetrieben wird. Die Höhe des Bußgelds hängt von der Kommune ab, in welcher es verhängt wird. Stuttgart gilt als besonders teures Pflaster; die Bußgeld-Spanne reicht von 35 Euro bis zu – theoretisch – 5000 Euro. Gern und oft zitiert wird der Fall eines Rentners, der im Stuttgarter Schlosspark beim Pinkeln erwischt worden war. Dass die nächstgelegene öffentliche Toilette geschlossen war und der Mann unter Blasenschwäche litt, konnte die Richterin seinerzeit nicht milde stimmen: Der Mann musste zahlen.

Parkplatz als Freiluftklo

Die Höhe des Bußgelds hängt auch davon ab, wo ein Missetäter seine Notdurft verrichtet. In Feld, Wald und Flur drückt man eher ein Auge zu als beim ungenierten Urinieren an der Hauswand. Am Rande von Volksfesten oder Festivals hätte die Polizei unterdessen viel zu tun, wollte sie jeden einzelnen Wildpinkler zur Verantwortung ziehen. Dasselbe gilt für Unholde, die offenbar gezielt immer wieder dieselben Unterführungen als Klo missbrauchen – was sich unzweifelhaft am Geruch dort nachvollziehen lässt.

Einen zweifelhaften Ruf als Freiluftklo hat sich vor langem schon der B-29-Parkplatz nahe Endersbach in Fahrtrichtung Schorndorf erworben: Dort schaut besser nicht hinters Gebüsch, wer sich den Anblick öffentlicher Ärgernisse ersparen will. An der Bundesstraße zwischen Waiblingen und Gmünd fehlt definitiv ein Klo, das bemängelte jüngst erneut der Kernener FDP-Landtagsabgeordnete Jochen Haußmann. Landwirte beschweren sich regelmäßig und zu Recht über eklige Hinterlassenschaften an ihren Feldern. Ob und wann Abhilfe geschaffen werden könnte, ist völlig offen.

Info

Zeugenhinweise zum Vorfall in Neustadt nimmt die Polizei unter der Telefonnummer 0 71 51/9 50-4 22 entgegen.