Rems-Murr-Kreis

Wind schleudert Container auf Firmendach

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Tonnenschwere Container flogen am Sonntag durch die Luft. © Ramona Adolf
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Tonnenschwere Container flogen am Sonntag durch die Luft. © Ramona Adolf
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Tonnenschwere Container flogen am Sonntag durch die Luft. © Ramona Adolf
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Tonnenschwere Container flogen am Sonntag durch die Luft. © Laura Edenberger
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Tonnenschwere Container flogen am Sonntag durch die Luft.
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Der Sturm hatte es in Pfahlbronn auf das Zelt des Zirkus Montreal abgesehen.

Weinstadt/Alfdorf. Das Unwetter hat am Sonntag zwei tonnenschwere Container auf ein Firmendach geschleudert. Zwei weitere Container liegen im Garten der Sila Kunststoffverarbeitung GmbH in Endersbach. Geschäftsführerin Sandra Simmerlein beklagt erhebliche Schäden. Der Betrieb steht erstmal still und das Flachdach ist jetzt undicht.

Das gemietete Firmengebäude der Sila GmbH ist umringt von aufeinander gestapelten Containern. Die Unitainer Trading GmbH lagert in ihrer direkten Nachbarschaft in Endersbach eine Vielzahl davon. Ein solcher Container wiegt circa zwei Tonnen, sagt Andreas Langneff, Prokurist bei Unitainer. Normalerweise bilden die Container einen Block – aber am Sonntag standen mehrere einzelne Container, zum Turm gestapelt, hinter der Firma Sila, erklärt Andreas Langneff, wie es zu dem Unglück kommen konnte. Mit solch heftigem Wind hat offenbar niemand gerechnet – und nun ist das Malheur groß. Zwei der Container sind auf dem Flachdach der Sila GmbH gelandet; zwei weitere liegen hinterm Gebäude im Garten. „Das sollte zwar nicht vorkommen – aber nun ist es passiert“, sagt Langneff bedauernd.

Kran soll Container vom Dach holen

Auf die Versicherung von Unitainer dürfte nun einiges an Ungemach zukommen. Gleich am Montagmorgen wurde ein Kran bestellt, der die beiden verwehten Container vom Dach holen soll. Derweil stehen noch Eimer im Firmengebäude, weil noch immer Wasser hereintropft.

„Das hätte anders ausgehen können“

Einer der Riesen-Container ragt zum Teil übers Dach hinaus – das sieht gespenstisch aus. Ein Stück aus der Fassade ist abgebröckelt; die Reste liegen noch auf dem Boden um eine provisorische Absperrung herum.

„Das hätte anders ausgehen können“, sagt Sandra Simmerlein, die die Sila GmbH zusammen mit ihrem Vater Günter Simmerlein leitet. Für Kunden ist das kunststoffverarbeitende Unternehmen am Montag zunächst nicht erreichbar: Der Container-Sturz aufs Dach hat zu Schäden geführt, welche wiederum die Internet- und Telefonverbindung gekappt haben. Sandra Simmerlein und ihr Vater sorgen sich, weil sie nun wegen des Vorfalls Aufträge nicht fristgerecht werden abarbeiten können. Der kleine Familienbetrieb fertigt zum Beispiel Schutzvorrichtungen aus Plexiglas für Verpackungs- und Abfüllmaschinen oder Zubehör für die Gastronomie.

Fliegende Container machen Angst

Nach diesem Vorfall schaut Sandra Simmerlein mit ganz anderem Blick hinüber zum Nachbarn. Die gestapelten Container befinden sich nur wenige Meter vom Fenster ihres Büros entfernt. Dass der Wind diese schweren, großen Metallbehälter fliegen lassen kann – das macht Angst.

Zirkuszelt in Pfahlbronn vom Sturm beschädigt

Mit solch einer „Wahnsinns-Windböe“ hatte auch Gabriele Köllner vom Zirkus Montreal nicht gerechnet: Das Zirkuszelt war am Sonntag nach dem 15-Uhr-Auftritt in Alfdorf-Pfahlbronn bereits fast fertig auf dem Anhänger verstaut gewesen – als eine gewaltige Böe Gabriele Köllners Sohn und Tochter regelrecht vom Anhänger fegte, wie sie erzählt. Den beiden ist glücklicherweise nichts passiert, doch hob der Wind das Zelt hoch in die Luft. Es ist erheblich beschädigt; ihren nächsten Auftritt diese Woche muss die Zirkusfamilie jedenfalls absagen, sagt Gabriele Köllner.

Ein ziemlich großes Loch klafft im Zelt, und noch ist unklar, ob und wie schnell sich das reparieren lässt. Der Vorfall reißt ein tiefes Loch ins Budget der Familie. Köllners hatten mit Blick auf die Wettervorhersage den Auftritt am Sonntagnachmittag etwas abgekürzt, um rechtzeitig vor dem Sturm alles einpacken zu können – und dann das: „Wahnsinn, diese Naturgewalt – das denkt man gar nicht.“

Stürme im September: „Jahreszeitlich typisch“

Steffen Schröter, Meteorologe beim Deutschen Wetterdienst, sieht das berufsbedingt anders: Der Sturm am Sonntag war „jahreszeitlich typisch“. Zum Herbstbeginn werden die Temperaturgegensätze wieder größer. Die Folge: Sturm. Weitgehend glimpflich sei der Sturm im Großraum Stuttgart verlaufen – was aber einzelne Ausreißer wie in Endersbach nicht ausschließt. In Winterbach sind laut Steffen Schröter Windgeschwindigkeiten von bis zu 77 Stundenkilometern gemessen worden, an der Wetterstation Stuttgart-Schnarrenberg 75 Stundenkilometer.

Fallböe könnte in Endersbach zugange gewesen sein

Der Wind kann aber hier und da viel viel schneller durch die Lande fegen, und um einen tonnenschweren Container wegzublasen, braucht’s schon Windstärke mindestens elf, eher zwölf, schätzt Steffen Schröter. An mehreren Stellen in Baden-Württemberg sind am Sonntag Fallböen entstanden, die lokal sehr hohe Windgeschwindigkeiten erzeugen, erklärt Schröter: Mag sein, dass auch in Endersbach solch eine Fallböe zugange war. Diese Art Böen können entstehen, wenn kalte Luft in einem Gewitter nach unten fällt, auf den Boden trifft und sich dort in linearer Richtung ausbreitet. Laut Deutschem Wetterdienst können dann Windgeschwindigkeiten von mehr als 200 Stundenkilometern entstehen. Fallböen können sogar größere Schäden anrichten als Tornados, „da meist eine größere Fläche betroffen ist und nicht eine schmale Schneise der Verwüstung, wie sie meist ein Tornado hinterlässt.“

Linde bricht ab und durchschlägt einen Zaun

Von einer Spur der Verwüstung kann durchaus auch ein Anwohner des Alfdorfer Schlossparks sprechen: Eine im unteren Drittel abgebrochene Linde liegt bei ihm im Garten, und der ehemals durchaus stabile Zaun ist zerschlagen. Das Haus ist verschont geblieben – diesmal noch, wie der besorgte Bürger sagt. So lange ist es noch nicht her, als schon einmal ein Baum auf sein Grundstück donnerte; seinerzeit auf den Carport. Mit Sorge blickt der Anwohner auf die großen Bäume im Schlosspark: „Wenn am Sonntag jemand im Garten gewesen wäre, der wäre jetzt tot.“


Mehr Stürme? Nein

Gefühlt pfeifen uns immer mehr Stürme um die Ohren. Das stimmt so aber gar nicht, stellt Steffen Schröter vom Deutschen Wetterdienst klar: „Die Quantität ist nicht signifikant nach oben gegangen.“
Das Sturmtief namens „Fabienne“ ist in der Nacht zu Montag weiter nach Tschechien und Polen gezogen.