Rems-Murr-Kreis

Winterdienst wird neu organisiert

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Symbolbild. © ZVW/Danny Galm
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Auf dem Gelände der Straßenmeisterei an der B-29-Ausfahrt in Weinstadt-Beutelsbach ist genügend Platz. Ein Gutachten schlägt vor, den Straßenmeisterei-Stützpunkt Schorndorf zu schließen und den Betrieb nach Weinstadt zu verlagern. © Habermann

Weinstadt/Schorndorf. Die 1500 Kilometer Bundes-, Landes- und Kreisstraßen zwischen Rems und Murr sollen auch im tiefsten Winter so von Schnee und Eis geräumt werden wie bisher. Allerdings hält der Landkreis beim Winterdienst zwei von sechs Stützpunkten der Straßenmeisterei für entbehrlich. Ein Streichkandidat ist Schorndorf. Der andere Murrhardt – oder vielleicht doch Bartenbach?

Das Gutachten „Standortoptimierung und Standortkonzept für die Meistereistandorte im Rems-Murr-Kreis“ schlägt vor, den Standort Murrhardt zu schließen. Doch Stefan Hein, der Leiter des Straßenbauamtes im Landratsamt, ließ im Umwelt- und Verkehrsausschuss des Kreistages unverhohlen durchblicken, dass er – entgegen dem Vorschlag des Gutachters – Murrhardt gern behalten würde.

Im südlichen Kreisgebiet hingegen sind sich Hein und der Gutachter Prof. Dr.-Ing. Rainer Hess von Durth Rool Consulting einig, dass die schon 2006 zum Stützpunkt herabgestufte Straßenmeisterei in Schorndorf keine Zukunft hat. Die Gebäude sind alt, eine Sanierung wäre teuer. Zu teuer.

Lukrativer erscheint es, das Grundstück im Gewerbegebiet „Siechenfeld“ anderweitig zu nutzen – oder zu verkaufen. Die Aufgaben könnten von Weinstadt und vom Stützpunkt Welzheim-Breitenfürst aus bewältigt werden. Und zwar ohne Qualitätseinbußen, wie der Gutachter den Kreisräten versicherte.

Der Sanierungsbedarf wird auf 850 000 Euro geschätzt

Stefan Hein denkt bei der anstehenden Umstrukturierung nicht zuletzt an die Mitarbeiter in Schorndorf, die sich mit den alten Gemäuern herumschlagen müssen. Die Sozialräume entsprechen nicht mehr den Vorgaben des Arbeits- und Brandschutzes. Der Sanierungsbedarf wird auf 850 000 Euro geschätzt.

Ein Umzug des Stützpunktes nach Weinstadt zöge dort zwar erhebliche Investitionen in Sozialräume und weitere Hallen nach sich, nämlich rund 1,85 Millionen Euro. Doch ließen sich diese Kosten durch die Veräußerung des Grundstückes in Schorndorf zum Teil wieder reinholen. Hein will gute Arbeitsbedingungen für seine Leute in den Straßenmeistereien, um auch in Zukunft gute Leute für die nicht gerade begehrten Jobs gewinnen zu können.

SPD: Gelände in Schorndorf nicht einfach verkaufen

SPD-Kreisrat Klaus Riedel wurde hellhörig, als er von den Verkaufsüberlegungen hörte. Er warnte vor einem vorschnellen Verkauf und regte an, die Grundstücke in öffentlicher Hand zu behalten und beispielsweise für Wohnungsbau zu nutzen.

Zurück zum Konzept für die Straßenmeistereien, die nicht nur im Winter ein anspruchsvolles Straßennetz zu betreuen haben, beschrieb der Gutachter die Herausforderungen durch den Verkehr und die Topografie. Da sind die viel befahrenen Bundesstraßen, auf denen Zehntausende Pendler täglich in Richtung Stuttgart unterwegs sind; und da ist die Hügellandschaft des Schwäbischen Waldes bis auf 550 Meter über null. Hinzu kommen zahllose Brücken, Stütz- und Tragbauwerke sowie Lärmschutzwände sowie allein im Bereich Weinstadt 28 Parkplätze, 34 Regenrückhaltebecken und vier Tunnel.

Um all dies kümmern sich bei der Straßenmeisterei Backnang mit den Stützpunkten Murrhardt und Bartenbach rund 30 Beschäftigte und in Weinstadt mit Schorndorf und Breitenfürst an die 40 Mitarbeiter. Backnang und Weinstadt teilen sich die Arbeit zwischen Murr und Rems, wobei die Grenze aber nicht entlang der einstigen Kreisgrenzen verläuft. So werden Winnenden, Leutenbach, Teile von Welzheim und Kaisersbach von der Straßenmeisterei in Backnang betreut.

Einen Beschluss galt es im Umwelt- und Verkehrsausschuss noch nicht zu fassen. Das Gutachten legt jedoch die Vierer-Lösung nahe. Die ersten Überlegungen für eine Umstrukturierung gehen auf das Jahr 2014 zurück, wurden aber auf die lange Bank geschoben. Sowohl das Land Baden-Württemberg wie auch der Bund dachten über Umstrukturierungen ihrer Straßenverwaltungen nach. Während das Land seine Straßen weiter von den Kreisen betreuen lässt, steht im Bund die Entscheidung noch aus, ob er die Fernstraßen künftig selbst in die Hand nimmt, wie er dies beim Bau tun will.

Der Winterdienst jedenfalls ist auch mit vier Standorten gewährleistet, verspricht das Gutachten. Die Straßenmeistereien in Backnang und Weinstadt sind ganzjährig besetzt; die Stützpunkte Breitenfürst und Bartenbach beziehungsweise Murrhardt sind jedoch nur bei Eis und Schnee im Winter bemannt. Die 26 Fahrzeuge im Räum- und Streudienst hätten zwar längere Routen, 108 statt 85 Kilometer, und mehr Leerwege. Doch sei bei vier Standorten die Einsatzplanung flexibler. Eilig hat es das Landratsamt aber nicht, versprach Landrat Richard Sigel den Kreisräten, bei den Straßenmeistereien „etwas übers Knie zu brechen“.


Die Kosten

Das Straßenmeisterei-Gutachten beziffert die Kosten für die Umstrukturierung von sechs auf die vier Standorte Weinstadt, Breitenfürst, Backnang und Bartenbach mit 3,85 Millionen Euro. Der Investitionsaufwand für die Weiternutzung der sechs Liegenschaften würde hingegen 1,6 Millionen Euro betragen. Allerdings könnten bei der Aufgabe von Schorndorf und Murrhardt die Grundstücke verkauft werden, was rund 2,8 Millionen Euro in die Kasse des Kreises spülen würde. Etwas ungünstiger fiele die Rechnung aus, falls Murrhardt weiterbetrieben und das Grundstück in Bartenbach verkauft wird.

Stefan Hein, Leiter des Straßenbauamtes, sieht in einer Vier-Standorte-Lösung erhebliche Vorteile für den Betriebsablauf der Straßenmeistereien. Denn: „Es bleibt viel Geld auf der Strecke.“