Rems-Murr-Kreis

"Witz"-Seite verunsichert Schorndorf

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Einfach nur mies und geschmacklos: Eine "Witz"-Seite im Internet mit einer Falschmeldung. © Christine Tantschinez

Waiblingen. Freitagmittag macht eine verstörende Nachricht die Runde in den sozialen Netzwerken: Ein 15-jähriges Mädchen aus Haubersbronn wurde vergewaltigt? Nein, Gottseidank nur ein geschmackloser Fake von einer Satire-Seite. Mittlerweile wurde der sogenannte Witz auch wieder gelöscht.

Ein Facebook-Nutzer schickt der Redaktion einen Link mit einer dramatischen Nachricht: Ein 15-jähriges Mädchen in Haubersbronn wurde vergewaltigt, der Täter wird gesucht. Er ist besorgt und will wissen, was da los war. 

Die Wahrheit? Gar nichts. Die Meldung ist ein schlechter und geschmackloser "Scherz", der Inhalt frei erfunden und auf der Möchtegern-Satire-Seite 24aktuelles.com* veröffentlicht.

Der Text in der Nachricht lautet: 

"In der vergangen Nacht vergewaltigte (Name von Red. entfernt) aus Schorndorf ein in Haubersbronn wohnendes Mädchen. Der Überfall ereignete sich in der Nacht zum Sonntag am Bahnhof in Schorndorf.
Nahe der Bar "El Classico"
Tatzeitpunkt war gegen 02:45Uhr. Der Täter flüchtete in Richtung Innenstadt - und ist seitdem auf freiem Fuß. Wo genau er sich momentan aufhält weis niemand..." 
[...]
Hinweise die zum Tatgeschehen beitragen werdem mit einer Prämie von 1500,-€ belohnt"

Fake-News für Anfänger

24Aktuelles.com ist eine dieser "Witze"-Seiten, auf der man seine Freunde reinlegen kann. Mit erfunden Nachrichten, die sich auch in den sozialen Netzwerken wie Facebook teilen lassen. "Worauf wartest du noch? Lass den Spaß beginnen!" schreiben die Betreiber noch antreibend dazu. Fake-News für Anfänger, quasi. 

Ganz klein steht da noch dabei: "Die Verfasser von Witz, die Terrorakte verherrlichen oder die öffentliche Ordnung beeinträchtigen, setzen sich einer strafrechtlichen Verfolgung aus" (sic!). Und wer ganz bis nach unten scrollt, findet auch die Information, dass es eine Seite ist, die der reinen Unterhaltung dient und man diese auf keinen Fall ernst nehmen sollte. 

Auf den ersten Blick wirkt es echt

Aber soweit runter scrollen, wer tut das schon? Vor allem bei einer Nachricht wie dieser. Jeder kann diesen Artikel auf Facebook teilen. Und nun schwirrt der Artikel in den sozialen Netzwerken herum und auch wenn der mit Fehlern gespickte Text arg holprig daher kommt, auf den ersten Blick könnte man die Nachricht für bare Münze halten. Das ist schlimm, weil nicht nur Vergewaltigungen mit so einer Meldung verharmlost werden, sondern auch Personen geschädigt. Der angebliche, namentlich genannte Täter jedenfalls findet diesen Fake bestimmt nicht lustig.

Die Seite selbst wurde bereits 2016 berühmt-berüchtigt, weil sie damals über 400 Falschmeldungen über sogenannte Horror-Clowns verbreitete. Fake-News waren das neue Volkshobby geworden. Aufklärer-Seiten wie mimikama.at berichten regelmäßig über diese und ähnliche Scherz-Nachrichtenportale, die eigentlich nur eines machen: Jeden für dumm verkaufen und damit Geld verdienen. 

Doch selbst auf 24.aktuelles wird nicht alles geduldet: Leser haben die Möglichkeit, Inhalte zu melden. Unter jedem Artikel findet sich der verlinkte Hinweis “Einen Missbrauch melden”, welcher eine E-Mail an “support@mediavibes.com” darstellt und als Betreff die entsprechende URL des Artikels trägt. Damit dürfte nun klar sein, wo (zumindest redaktionell) die Beschwerdemails der Seite “24aktuelles” landen. Schaut man sich die Webseite von Mediavibes an, so findet man eine Kontaktadresse in Belgien (Eupen), direkt an der deutschen Grenze.

Fake-Seiten erkennen

Bleibt nur zu warnen vor allem, was von der Internetadresse 24aktuelles.com kommt. Hier einige Tipps von uns und mimikama.at, wie man FakeNews erkennen kann.

* wir verlinken absichtlich nicht direkt auf die Meldung und die Seite. 

  • Achten Sie auf die in der Nachricht verwendete Sprache, auf Tippfehler und seltsame Grammatik
  • Scrollen Sie immer bis zum Seitenende, dort finden sich meistens Angaben zur Seite. Bei offiziellen Nachrichtenseiten findet sich dort der Link zum Impressum, das Nachrichtenportale zwingend angeben müssen. Findet sich kein Impressum, dürfen Sie davon ausgehen, dass es keine echte Seite ist.
  • Finden sich diese Inhalte auf anderen Medienportalen ebenso? Hier hilft eine Googlesuche unter dem News-Reiter. Wurde dieses Thema von verschiedenen Journalisten jeweils aufgearbeitet oder findet sich lediglich ein reines Copy&Paste durch anonym betriebene Blogs wieder? 
  • Verrückte Situationen mit harten Bildern: gehört das Bild zu einer Geschichte oder gar die Geschichte zu einem Bild? Sehr verbreitet ist der “Hybrid-Fake”, bei dem entweder das Bild eine reale Situation zeigt, der dazu gehörige Text  jedoch falsch ist, oder aber ein Textinhalt korrekt ist, jedoch bildlich falsch in Szene gesetzt wird. Hier hilft eine Rückwärtssuche für Bilder bei Google.
  • Unter http://hoaxsearch.com/ können mit Suchbegriffen auf klassische Weise nach Falschmeldungen gesucht werden.