Rems-Murr-Kreis

Worum sich Journalisten und Verleger streiten

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Auch die ZVW-Journalisten beteiligen sich am Zeitungstreik. © ZVW/Danny Galm

Waiblingen
Der Bundesverband der Zeitungsverleger (BDZV) und die beiden Journalisten-Gewerkschaften Deutsche Journalistinnen- und Journalisten-Union (DJU) und der Deutsche Journalisten-Verband (DJV) verhandeln seit Monaten über eine Gehaltserhöhung für die 13.000 Redakteure und die festen freien Journalisten bei deutschen Tageszeitungen.

Um ihren Forderungen Nachdruck zu verleihen, treten viele Zeitungsredakteure in einen bundesweiten Warnstreik. Auch der Zeitungsverlag Waiblingen beteiligt sich an diesem Ausstand. Doch worum geht es beim Zeitungsstreik eigentlich? Wir klären auf:

Worum geht es bei den Verhandlungen?

Es geht um die Honorare und Gehälter, nicht um das Aushandeln eines neuen Manteltarifvertrags. Der Gehaltstarifvertrag lief Ende letzten Jahres aus, damit sind die Neuregelungen längst überfällig.

Am Montag, den 1. Juli, beginnt in Hamburg die siebte Verhandlungsrunde. "Die von den Verlegern gewollte Entwertung des Berufs, wird es für die Journalistinnen und Journalisten künftig immer schwerer machen, ihrer Leserschaft Tag für Tag ein hochwertiges Produkt anzubieten", warnt Verdi-Landesbezirksleiter Martin Gross.

Was fordern die Gewerkschaften?

DJV und DJU fordern für eine Laufzeit von zwölf Monaten eine Tariferhöhung von 4,5 Prozent rückwirkend zum Jahresbeginn sowie 200 Euro mehr für Berufseinsteiger. Die Arbeitgeberseite hatte ihr Angebot zuletzt von 2,4 auf 2,8 Prozent mehr Geld erhöht. Die Laufzeit sehen sie bei 30 Monaten, den Betrag für die Berufseinsteiger bei 120 Euro.

"Obwohl in diversen anderen Branchen im Jahr 2018 bereits Tariferhöhungen zum Teil deutlich über dem Inflationsausgleich vereinbart wurden, bleiben die Zeitungsverleger hartleibig und wollen den rund 13.000 Tageszeitungsjournalistinnen und -journalisten einen weiteren Reallohnverlust zumuten. Obwohl die Arbeitsbelastung steigt, Online-Arbeit dazugekommen ist, der Nachwuchs aus wirtschaftlichen Gründen in Pressestellen und Agenturen flüchtet", so die DJU in einem auf ihrer Homepage veröffentlichten Statement.

Was bieten die Arbeitgeber?

Die Verleger boten zunächst eine Erhöhung von 2,4 Prozent in zwei Schritten bei einer Laufzeit von 30 Monaten. „Die Tageszeitungen in Deutschland befinden sich seit Jahren in einem digitalen Transformationsprozess. Sie leisten zu seiner Bewältigung erhebliche Investitionen, um die Zukunft guter journalistischer Leistung zu sichern und ein attraktives Arbeitsumfeld zu schaffen“, erklärte der Verhandlungsführer des BDZV Georg Wallraf dazu. Zu einer Einigung kam es nicht.

Das Angebot der Verleger hatte während der sechsten Verhandlungsrunde Anfang Juni wie folgt ausgesehen: Die Volontäre sollten zum 1. Mai 2018 eine Gehaltssteigerung (um 4,71 Prozent) von 90 Euro und eine Einmalzahlung in Höhe von 70 Euro bekommen, zum 1. Januar 2020 wäre eine weitere Einmalzahlung über 70 Euro gefolgt.

Für Berufseinsteiger sollte das Gehalt ab dem 1. Mai 2018 um 120 Euro wachsen. Hinzu kämen 500 Euro Einmalzahlung und die Gehaltssteigerung am 1. Januar 2019. Rückwirkend zum 1. Mai 2018 sollten die Redakteurinnen und Redakteure eine Gehaltssteigerung um 1,7 Prozent erhalten; zusätzlich eine Einmalzahlung von 500 Euro. Zum 1. Januar 2019 sollte das Gehalt um weitere 2,2 Prozent steigen. „Wir sind bis an die Grenze des für die Verlage Vertretbaren gegangen“, so Georg Wallraf. 

Warum nahmen die Gewerkschaften das Angebot nicht an?

Sowohl die DJU als auch der DJV betrachten die bisherigen Angebote des BDZV als unannehmbar, denn sie bedeuteten einen Reallohnverlust für die Tageszeitungsjournalisten. Folglich ging auch die sechste Verhandlungsrunde ohne Ergebnis zu Ende. 

Die Gewerkschaften begründen: Die gebotenen Erhöhungen gleichen aufs Jahr umgerechnet nicht die derzeitige Inflationsrate von 1,6 Prozent aus. Unter dieser Rate wollen die Gewerkschaften auf keinen Fall abschließen, sie verlangen einen Reallohnzuwachs.

Wie geht es jetzt weiter?

Sowohl die Mitglieder der DJU als auch die DJV-Mitglieder haben sich bei einer Urabstimmung klar für einen unbefristeten Streik ausgesprochen. „Die Verleger haben die Möglichkeit, in der siebten Verhandlungsrunde am 1. Juli mit uns zu einem Tarifabschluss zu gelangen oder eine weitere Eskalation zu provozieren“, so der DJV-Verhandlungsführer Kajo Döhring. 


Kundgebung in Heilbronn

Am Freitag, den 29. Juni, werden die Streikenden aus Baden-Württemberg in Heilbronn zu einer Protestkundgebung mit anschließendem Demonstrationszug zusammenkommen (Beginn 12:15 Uhr auf dem Kiliansplatz).

Dort wird unter anderem die Vizepräsidentin des europäischen Parlaments, Evelyne Gebhardt, sprechen. Erwartet werden rund 250 Streikende aus etwa 15 Zeitungsredaktionen.