Rems-Murr-Kreis

Zwölf Tipps: Mit Kindern zu Hause

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Auf Balkon oder Terrasse mit Wasser läppern: Das garantiert nasse Kleidung, aber auch ein bisschen Ruhe für die Arbeit. © ZVW/M. Kölbl

Rems-Murr-Kreis.
Familienleben in Zeiten des Coronavirus: Mama und Papa arbeiten im Homeoffice, womöglich sogar parallel. Kindergarten und Schule sind geschlossen. Die lieben Großeltern, sonst immer die Lösung aller Betreuungsprobleme, fallen aus, weil vom Kontakt mit den Enkeln dringend abgeraten wird. Und selbst die Eltern, die nicht arbeiten müssen, fragen sich: Was tun? Was sind überhaupt noch sinnvolle Beschäftigungen? Die Spielplätze sind gesperrt. Freunde treffen ist keine überzeugende Option. Ideen für die „Coronaferien“, wie manche beschönigend sagen, haben Uta Stolz, Leiterin der Familienbildungsstätte Waiblingen sowie die Erzieherinnen Antje Schlesinger und Annette Kroniger-Angene gesammelt.

1. Glücklich, wer einen Garten hat. Mit einem Pflanzenbestimmungsbuch können Kinder nachforschen, was alles wächst. Krokus, Narzissen? Aufgaben bei einem Suchspiel können sein: Finde einen runden Stein, finde Moos und Gänseblümchen! Natürlich ist genau jetzt die richtige Zeit, Balkon oder Terrasse mit Kräutern zu bepflanzen und überhaupt frühjahrsflott zu machen. Dann sind da ja noch die Vögel – was zwitschert denn da? Eine Amsel oder ein Buchfink? Bei der Bestimmung von Vögeln und auch von Pflanzen helfen außer Büchern die Internetseiten des Naturschutzbunds Nabu. Und wenn wir schon auf dem Balkon sind – mit Straßenkreide kann man auch dort mal malen.

2. Drinnen schaffen kleine „Massagegeschichten“ Nähe: Ein Klassiker ist immer noch das „Pizzabacken“, bei dem man sich gegenseitig den Rücken knetet wie Teig, dann mit großen Teilen wie Schinken und kleinen wie Champignons belegt – und dann in den „Ofen“ schiebt. Sogar noch traditioneller, aber immer wieder gut: Kniereiter oder „Ich sehe was, was Du nicht siehst“.

3. Singen und Musik sorgen für gute Laune. Ganz gleich, ob mit oder ohne CD, ob leise oder laut, mit Flöte, Gitarre oder – warum nicht? – auch selbst gemachten oder improvisierten Instrumenten.

4. Schatzsuchen sind in normalen Zeiten der Bringer bei Kindergeburtstagen im Freien. In verkleinerter Form lassen sie sich auch in der Wohnung spielen: einen Eimer nehmen und etwas im Sand oder in Linsen verstecken, vielleicht eine kleine Perle. Gesucht werden darf nur mit den Händen. Die etwas größere Variante, für etwas größere Kinder: etwas im Raum verstecken und davon einen Lageplan zeichnen – wie eine Schatzkarte. Oder wie wär’s mit einer Schnitzeljagd im Haus beziehungsweise in der Wohnung? Verschiedene Hinweise auslegen, als Bilder oder als geschriebene Nachricht auf einem Zettel, die zu mehreren Stationen führen.

5. Gegessen wird sowieso gemeinsam. Warum also nicht das Essen bewusst schön gestalten? Brote besonders verzieren, Schnurrbärte aus Kräutern machen, oder Augen aus Nüssen. Viele Anregungen und Rezepte dafür gibt’s im Netz. Gemeinsam geht’s auch beim Kochen. Kinder können versuchen, den Geschmack oder die Eigenschaften der Zutaten zu beschreiben. Schmeckt’s ein bisschen sauer, fühlt es sich fest oder weich an, schmeckt’s salzig oder nach Früchten? Das geht sogar als Ratespiel, etwa mit verschiedenen Teesorten oder Säften. Wer findet den richtigen Geschmack heraus? Wie bei einer Weinprobe kann man für die Sorten zudem Punkte vergeben, sie bewerten. Mit dem Essen spielen ist verboten? In der Regel schon, aber: Aus Salzteig lässt sich prima Knete herstellen – auch dafür gibt’s im Internet Rezepte. Ganz generell schadet’s nicht, die Kinder bei der Hausarbeit einzuspannen, sei’s beim Backen oder beim Putzen. Oft „helfen“ sie sogar gerne.

6. Sinnvolles Tun und Sortieren stärkt die mathematischen Grundfähigkeiten – und kann sogar Spaß machen. Hatten wir nicht längst einmal vor, im Schuhschrank aufzuräumen? Jetzt ist die beste Zeit dafür. Und wenn wir schon dabei sind: Wie sieht’s aus mit Socken, Spielsachen, Legosteinen und Knöpfen? Jetzt wird Ordnung gemacht in den Schränken: Was will ich behalten? Was kommt weg oder in eine Schachte? Klar ist natürlich: Je kleiner die Kinder, desto kleiner die Aufräumeinheiten.

7. Trotz Krise: Ostern kommt bestimmt. Da bietet sich jetzt erst recht der übliche Oster-Bastelspaß an: Eier ausblasen und bemalen, Osterschmuck gestalten.

8. „Man darf auch mal ein bisschen Chaos zulassen“, sagt Uta Stolz. Das Chaos zieht sowieso ein, wenn Eltern im Homeoffice weiterhin arbeiten und die Kinder nicht in die Kita können. Perfekte Ordnung muss da nicht mehr herrschen. Schöne „Chaosspiele“ sind Verstecken, Berge bauen oder sogar einen Indoorparcours aus Kartons, Schachteln, Kissen und Stühlen bauen. Welches Kind liebt nicht selbst gebaute Höhlen? Diese eignen sich unter anderem gut für ein Picknick zu Hause. Kissenbezüge werden zum prima Spielzeug, wen sie mit Luftballons oder zerknüllter Zeitung gefüllt werden.

9. Ein bisschen Badespaß gefällig? Fürs geliebte Planschbecken ist’s draußen noch zu kalt, aber statt mit Wasser kann man es mit Kissen, Schwämmen oder Zeitungspapierknäuel füllen. In der Badewanne Kapitän oder Bademeister spielen: Das muss nicht immer pflichtmäßig am Abend sein. Tagsüber fühlt sich die Wanne, garniert mit Spielsachen, an wie ein Pool – und verschafft Eltern eine Verschnaufpause.

10. Ganz für sich können Kinder Fenster mit Fingerfarben bemalen oder mit Transparentpapier und wasserlöslichen Klebestift gestalten – etwa als Mosaik. Mit Musik macht Malen, ob am Fenster, auf Papier oder Karton, übrigens noch mehr Spaß. Wer Lust hat, kann sich ein Puzzle oder Memory selber herstellen.

11. Die schönsten Spielsachen sind manchmal gar keine. Zum Beispiel ein Meterstab, mit ihm lässt sich so allerhand messen: Wie hoch wird der höchste Klötzchenturm, wie lang die längste Schienenbahn vom Kinderzimmer in die Küche? Auch mit anderen häuslichen Materialen kann man super spielen – mit Wäscheklammern sogar basteln. Oder wie wär’s, einen tickenden Wecker zu verstecken – ganz genau horchen! – und zu suchen?

12. Thema Medienkonsum. Beim Podcast oder Hörspiel kann man gleichzeitig malen oder sortieren oder puzzeln, bis Geschichte zu Ende ist. Die FBS-Expertinnen empfehlen die Sondersendungen und Kinderhörspiele auf SWR 2 (SWR-Spielraum), die ARD-Audiothek und Fernsehtipps vom SWR-Kindernetz.

Grundsätzlich, sagt Uta Stolz, sollten sich Familien einen Plan machen und dabei sowohl feste Struktur als auch Wechsel zwischen ungestörten Zeiten, gemeinsamen Zeiten, Beschäftigungszeiten, Kuschelzeiten, Draußen- oder Bewegungszeiten einplanen.

Eltern und größere Kinder machen eine Ideenliste, wobei die Eltern höchstens drei Vorschläge machen – damit das Kind mit eigenen Ideen zum Zug kommt. Eins sollten Eltern und Kinder auf keinen Fall vergessen: Mit Oma und Opa telefonieren! Oder skypen. Oder einen Brief schicken.