Remshalden

Auf Antrag des Jugendgemeinderats: Hier entstehen in Remshalden legale Graffiti-Flächen

Wieslaufhalle
An der Stegwiesenhalle entsteht künftig die größte, legale Graffiti-Fläche in Remshalden. © Benjamin Büttner

Erster Antrag, erster Erfolg. Der Remshaldener Jugendgemeinderat hat erreicht, dass in der Gemeinde künftig etliche Wände öffentlicher Gebäude als offizielle Flächen für Graffiti und Malerei freigegeben werden. Die Jugendlichen hatten sich das gewünscht, damit die jungen Sprayer ihre Kunst ganz ohne Kriminalisierung und den damit verbundenen Zeitdruck ausüben können.

So könne man auch sichergehen, dass es weniger schnell angebrachte, wenig ansehnliche Motive gebe. Stattdessen könnten sie sich Zeit mit ihrem Motiv lassen. „Und außerdem ist das eine gute Möglichkeit, vorbelastete Flächen zu verbessern“, erklärt Robin Guist von der Kreativgruppe des Jugendgemeinderates.

Vorbild ist die „Hall of Fame“ in Weinstadt

Bestens funktioniere dieses Konzept bereits bei den jugendlichen Nachbarn in Weinstadt. Sind alle Flächen übersprüht, weißeln die jungen Sprayerinnen und Sprayer die Stelle, die sie gestalten möchten, und bringen nach ausreichender Trocknungszeit ihre neuen Graffiti an. Übrigen: Auch andere Künstler sollen sich hier ausleben dürfen. Wer lieber mit Pinsel und Eimerfarbe arbeiten mag, ist ebenso willkommen.

Zusammen mit der Verwaltung hatten die Jugendlichen bereits im Vorfeld über mögliche Orte gesprochen, der Gemeinderat hat diese nun noch abgesegnet. Künftig wird’s also an der Nordseite der Stegwiesenhalle erheblich bunter, ebenso an der Unterführung der Straße „Am Kelterwiesenbach“, an der Bahnunterführung in Grunbach/Bahnunterführung West, an der Südseite der Jahnhalle (links neben der Eingangsüberdachung, mit Höhenbegrenzung) sowie auf den Rückseiten von Garagen an der Kurt-Leppert-Halle. Die letztgenannten Flächen kamen auf Initiative des Turnvereins Hebsack und der Firma Palmer hinzu.

Bushaltestelle: Kein geeigneter Ort

Felix Wiesner (CDU), der grundsätzlich die Unterstützung seiner Fraktion für das Projekt zusicherte, kritisierte aber in diesem Zusammenhang einen der diskutierten Graffiti-Standorte, der in der Sitzungsvorlage zunächst noch als Option aufgeführt war.

Dabei handelte es sich um die Bushaltestelle bei der Kellerei Knauer. Schließlich habe das Häuschen einen historischen Wert. Und auch Jugendgemeinderat Robin Guist erklärte, dass dieser Standort nicht zu den beliebtesten gehöre.

Zum einen sei die Fläche an dem Bushäuschen klein, hier könnten nicht viele Graffiti angebracht werden, außerdem sei der Untergrund rau, so dass der Lack nicht gut halte.

Zudem befinde sich die Wand nah an der Straße, was keine gute Arbeitssituation darstelle. Bürgermeister Reinhard Molt plädierte dafür, das Häuschen dennoch mit aufzunehmen, sicher würde sich im Laufe der Zeit dafür Verwendung finden.

Gemeinderäte freuen sich über Engagement der Jugendlichen

Roland Schanbacher (Bürgerliche Wählervereinigung) fand: „Wenn der Jugendgemeinderat selbst sagt, dass es ungeeignet ist, kann man es auch rausnehmen.“

Mit zehn zu fünf Stimmen beschloss der Gemeinderat also schließlich, den Standort „Bushäuschen“ aus der Liste der Graffiti-Wände zu streichen, die übrigen Standorte aber umzusetzen.

Gemeinderat Armin Wiesner freute sich zusammen mit seiner SPD-Fraktion, dass man endlich über den ersten Antrag des Jugendgemeinderates abstimmen konnte. Außerdem stehe man komplett hinter dem Vorhaben der Jugendlichen und freue sich über die große Fläche, die ihnen nun zur Verfügung stehe.

Auch Sigrid Pressel lobte für die FDP/Freie Wähler das Engagement der Jugendlichen („Alles, was Remshalden schöner macht, kann man nur begrüßen“), sorgte sich aber, was denn getan werde, um zu verhindern, dass nicht wieder Schmierereien angebracht würden. Robin Guist versicherte, den Jugendlichen sei diese Problematik bewusst, weshalb sie einen Verein gründen wollten, der die Fläche beobachten soll.

Immerhin müsse auch gewährleistet sein, dass keine verfassungsfeindlichen Symbole angebracht werden. Auch wolle man Kurse für Einsteiger und besondere, gemeinsame Projekte mit möglichst vielen Jugendlichen umsetzen.

Vorläufige Begrenzung bis Ende 2022

Und Klaus Scheufele stellte fest: „Auch wir finden das als ALi (Alternative Liste) super.“ Die Wände könnten eine gute Anlaufstelle für Menschen werden, die sich selbst künstlerisch ausdrücken wollen.

Er kritisierte den genehmigten Zeitraum bis 31. Dezember 2022 als recht knapp bemessen, zeigte sich aber optimistisch, dass die Flächenwidmung verlängert werden würde.

Nun werden Schilder erstellt, die die Spielregeln an den Wänden festlegen sollen und die außerdem auf eine ausführlichere Internetseite verweisen sollen. Unter anderem wird klar gekennzeichnet, in welchem Rahmen die Gestaltung tatsächlich erlaubt ist.

Und es wird kommuniziert, dass kein Künstler ein Recht darauf hat, dass sein Werk dauerhaft bestehen bleibt. Material muss selbst besorgt, Müll selbstständig entsorgt werden.

Erster Antrag, erster Erfolg. Der Remshaldener Jugendgemeinderat hat erreicht, dass in der Gemeinde künftig etliche Wände öffentlicher Gebäude als offizielle Flächen für Graffiti und Malerei freigegeben werden. Die Jugendlichen hatten sich das gewünscht, damit die jungen Sprayer ihre Kunst ganz ohne Kriminalisierung und den damit verbundenen Zeitdruck ausüben können.

So könne man auch sichergehen, dass es weniger schnell angebrachte, wenig ansehnliche Motive gebe. Stattdessen könnten

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