Remshalden

Bürger sind unzufrieden mit Nahverkehrsangebot

1/5
Hebsack Bus
Diese Hebsacker ärgern sich, dass die Buslinie 227 gestrichen wurde. © Habermann / ZVW
2/5
_1
Reinhard Molt.
3/5
_2
Axel Fischer.
4/5
_3
Friedhild Miller.
5/5
_4
Klaus Schäufele (56) will Bürgermeister werden: „Das A und O ist die Bürgernähe.“

Remshalden. Die bisherigen Veranstaltungen zur Bürgermeisterwahl, aber auch schon Diskussionen in der Zeit davor, haben gezeigt: Der öffentliche Nahverkehr ist ein Thema für die Remshaldener, bei dem Unzufriedenheit herrscht. Die jüngste Neuordnung des Busangebots beruhte jedoch zum Teil auf verschwindend geringen Fahrgastzahlen. Das führt zu der Frage: Braucht es Alternativen zum derzeitigen System?

Kurz vor Weihnachten 2017 versammelten sich in Schorndorf am Busbahnhof die Spitzen der Lokalpolitik aus Schorndorf und Umgebung, dazu der VVS-Geschäftsführer und der zuständige Dezernatsleiter aus dem Landratsamt. Sie präsentierten den Bürgern eine Art Weihnachtgeschenk und stellten, so die Kernbotschaft der Pressemitteilung zu dem Termin, die zum Jahreswechsel in Kraft tretenden Verbesserungen im Busverkehr vor. Auch der damalige Remshaldener Bürgermeister Stefan Breiter war dabei. Was in der Pressemitteilung ganz hinten stand: Neben den Verbesserungen gab es auch Verschlechterungen, zum Beispiel die ersatzlose Streichung der Linie 227.

Diese verkehrte bis Ende 2017 zwischen Waiblingen und Schorndorf mit Haltestellen auch in den Remshaldener Ortsteilen Grunbach, Geradstetten und Hebsack. Zwei Gründe stehen hinter der Streichung: „Die Linie 227 ist aufgrund der Parallelität zur Bahn sowie der geringen Auslastung entfallen“, sagt Peter Zaar, der zuständige Dezernatsleiter im Landratsamt. Eine Erhebung des VVS hat demnach zum Beispiel für Hebsack ergeben: Pro Tag nutzten 110 Fahrgäste die insgesamt 15 Fahrten, 80 in oder aus Richtung Waiblingen und 30 in oder aus Richtung Schorndorf.

„Da steht man im Regen.“

Dass die für den Schülerverkehr wichtigen Fahrten als Linie 217a erhalten blieben, befriedigt die Hebsacker nicht, die bisher die Linie 227 gerne genutzt haben. Zu einem Termin mit unserer Zeitung kommen neun Menschen, die sich ärgern. Manche von ihnen haben den Bus Richtung Schorndorf täglich genutzt, manche wöchentlich, andere einmal im Vierteljahr. Sie fuhren zum Einkaufen oder zu Ärzten nach Schorndorf. Die Linie 227 sei seit 40 Jahren Stück für Stück abgebaut worden, sagt Manfred Bechtle. Wer von Hebsack mit öffentlichen Verkehrsmitteln nach Schorndorf kommen will, hat auch nach der Streichung der Linie 227 weiterhin zwei Möglichkeiten. Erste Möglichkeit: mit der Linie 217 oder zu Fuß zur Bushaltestelle an der Abzweigung nach Rohrbronn. „Da steht man im Regen“, sagt jedoch Manfred Bechtle zur Tatsache, dass dort weder Bank noch Überdachung vorhanden sind. Die zweite Möglichkeit, die er nutzt: 20 Minuten zu Fuß zur S-Bahn-Station in Geradstetten. Außerdem könnte er dorthin mit der Linie 217 fahren.

„Der Landkreis finanziert grundsätzlich keine Busverkehre parallel zur S-Bahn“, sagt Dezernent Peter Zaar. Das Argument der Verkehrsplaner für das Beispiel Hebsack lautet: Die komplette Hebsacker Wohnbebauung liegt in einem Radius von 500 Metern Luftlinie zur Haltestelle einer Buslinie mit Anschluss an die S-Bahn-Station. Deswegen finanziert der Landkreis die zusätzliche Linie 227 nicht.

Der Höhenunterschied am Bahnsteig macht vielen Probleme

Das S-Bahn-Argument verfängt bei den Hebsacker Busnutzern allerdings nicht. „Ich kann nicht mit der S-Bahn fahren“, sagt zum Beispiel Waltraud Hagemann. Sie sei mehrmals am Knie operiert, sagt sie, deswegen habe sie mit dem riesigen Höhenunterschied beim Einstieg und insbesondere beim Ausstieg an den Geradstettener Bahnsteigen Probleme. Was sich die Hebsacker beim Termin mit der Zeitung wünschen: Nur wenige Busfahrten, zwei oder drei pro Tag in Richtung Schorndorf.

Hätten die Gemeinden die Linie 227 komplett erhalten wollen, so Peter Zaar vom Landratsamt, hätten die Anliegerkommunen dieses Angebot finanzieren müssen. Dafür wären schätzungsweise 230 000 Euro im Jahr nötig gewesen. Der Remshaldener Gemeinderat hat sich aber zuletzt auch bei anderen Linien dagegen entschieden, das Basisangebot des Landkreises durch kommunal finanzierte Ergänzungen aufzustocken. Das bedeutete teilweise eine Reduzierung der Zahl der Fahrten, teilweise hat der Landkreis das Angebot aber auch aufgestockt, wovon ab 2019 insbesondere Rohrbronn profitieren wird. In Buoch, im anderen Remshaldener Bergdorf, haben die Bewohner jedoch das Gefühl, immer mehr vom Rest der Gemeinde abgehängt zu werden. Tatsächlich ist die Busverbindung von Buoch nach Winnenden mittlerweile besser als von Buoch nach Grunbach. Weiterhin suboptimal ist auch die Verbindung Grunbach-Winnenden, wie zum Beispiel der Remshaldener Seniorenrat schon länger bemängelt, weil dadurch, bis auf wenige Fahrten am Wochenende, eine direkte Anbindung zum Kreis-Klinikum fehlt.

Auch junge Remshaldener wünschen sich bessere Bus-Anbindungen

Ebenfalls eine Lücke gibt es in der Bus-Anbindung von Grunbach-Süd, einem Ortsteil, der durch ein großes Neubaugebiet auf dem ehemaligen Realschul-Areal bald weiter wachsen wird. Kinder sind von hier zur Grundschule Grunbach eine halbe bis dreiviertel Stunde zu Fuß unterwegs. Auch die jungen Remshaldener hätten gerne besser Busverbindungen, wie zuletzt unter anderem die Befragung in der Sozialraumanalyse gezeigt hat, vor allem in den späteren Stunden des Tages und in der Nacht. Auch hier wurde bei den Ruftaxis auf den Buslinien die Anzahl der angebotenen Fahrten zuletzt reduziert. Die Gemeinde hätte mehr als 10 000 Euro im Jahr zuschießen müssen, um das bisherige Angebot zu halten. Die Antwort auf die Frage, wie sich der Nahverkehr verbessern lässt, wird also auf jeden Fall etwas mit Geld zu tun haben.

Alternative Angebote zu den üblichen Nahverkehrsmitteln werden derzeit in anderen Kommunen getestet. In Urbach gibt es zum Beispiel seit kurzem einen Bürgerbus, der zweimal die Woche kostenlos die Menschen aus dem Norden des Orts in die Ortsmitte und zurück bringt. Dafür hat die Gemeinde einige ehrenamtliche Fahrer gewonnen. In Schorndorf läuft das sogenannte „Reallabor“, der Test eines flexiblen Rufbus-Systems am Wochenende.



Reinhard Molt

Was kann die Gemeinde tun, was wollen Sie als Bürgermeister tun, um das Angebot des öffentlichen Nahverkehrs zu verbessern?

Die Gemeinde bzw. der Bürgermeister sollten sich insgesamt für einen angebotsorientierten Nahverkehr starkmachen. Insbesondere für die beiden Ortsteile Buoch und Rohrbronn müssen mit den Schulen, den Elternvertretern, aber auch mit den Bürgern, der Bedarf bzw. die Bedarfslücken herausgefundenen werden. Dies ist ein Prozess, der Zeit braucht. Aus diesem Prozess heraus müssen, nach Beschluss des Gemeinderates, dazu Angebote eingeholt werden. Erst dann kann entschieden werden, ob im Rahmen der ausgeschriebenen Busverbindungen Verbesserungen möglich und finanzierbar sind. Dabei muss die neue Orientierung zum Krankenhaus nach Winnenden besondere Beachtung finden. Das Ruftaxi für alle kann ebenfalls eine Lücke schließen. In der Zwischenzeit muss für die „Mitfahr-Bänkle“ regelmäßig im Mitteilungsblatt und über die Tagespresse geworben werden. Auch eine Mitfahr-App könnte vor allem den Jugendlichen pragmatisch weiterhelfen.“


Axel Fischer

Was kann die Gemeinde tun, was wollen Sie als Bürgermeister tun, um das Angebot des öffentlichen Nahverkehrs zu verbessern?

Von früh bis spät, Elektromobilität. Schlicht Pedelec statt Cadillac. Und von der Wiege bis zur Bahre nicht nur als Handelsware. Gläserne Lebensmittelproduktion vor der Türe als Option, statt Tiertransport und Massenmord. Biodiversität statt pervers nanopestizidglyphosatverseuchte, EU-dominierte, importierte, genmanipulierte und in Plastik verpackte Kacke. Ich backe lieber Kuchen, den kannste dann versuchen. Das alles macht für mich nur Sinn, mit frischen Sachen drin. Geht die Gemeinde mit, dann gehn wir Schritt für Schritt, in eine schöne Zeit, euer Axel ist bereit. Ich geh jetzt erst mal radeln für meine schönen Wadeln, das Fett geht dabei weg, und hat ja eh keinen Zweck, Adipositas ich hass dich, komm verlass mich, und ohne fetten Ranzen kann ich gleich besser tanzen. Macht hinter meinem Namen nicht einfach nur ein Kreuz, noch schlimmer einen Haken, sondern erhebt für mich die Stimme, damit ich auch gewinne. Denn ohne euch geht’s nicht, ganz einfach und ganz schlicht. PS: An Diesel und Benzin, das kriegen wir schon hin, soll’s im Motor brennen, dann machen wir halt Rennen.


Friedhild Miller

Was kann die Gemeinde tun, was wollen Sie als Bürgermeister tun, um das Angebot des öffentlichen Nahverkehrs zu verbessern?

Ich würde kleine Bürgerbusse ins Leben rufen, die sich über Firmenwerbung selbst finanzieren. Diese Bürgerbusse würden die Strecken regelmäßig abfahren, die der ÖPNV nicht ausreichend abdeckt. Man kann sie durch Handzeichen an den Straßenrand winken und einsteigen. Mit einer Spende in eine Box im Bus, durch die Fahrgäste, könnten wir diese Bürgerbusse auf dem kleinen Dienstweg organisieren und finanzieren. Als Fahrer könnten wir arbeitslose Jugendliche und Flüchtlinge einsetzen, denen das Jobcenter/Arbeitsamt den Führerschein finanziert. Die Fahrer bekommen noch unentgeltlich ein Handy zur Verfügung gestellt, dass sie für ältere Menschen, die nicht so gut zu Fuß sind, in Notfällen auch erreichbar sind, um sie direkt vor der Haustüre abholen zu können. Selbstverständlich werde ich dieses Projekt gemeinsam mit euch und den Jugendlichen ins Leben rufen. Wir könnten das Ganze dann noch erweitern, mit abgeschriebenen Transportern aus Firmen, so könnten die Jugendlichen auch gegen eine Spende noch Umzüge machen. Zusätzlich könnten wir die Bürgerbusse noch mit einem Beifahrer besetzen, der den älteren Menschen beim Einkauf hilft.


Klaus Schäufele

Was kann die Gemeinde tun, was wollen Sie als Bürgermeister tun, um das Angebot des öffentlichen Nahverkehrs zu verbessern?

Mit der Bereitschaft, auf das Auto zumindest teilweise zu verzichten, nimmt auch die Forderung nach Alternativen zu. Der ÖPNV wird zum wichtigen Standortfaktor. Insbesondere für Senioren, Kinder und Jugendliche ist eine regelmäßig verkehrende innerörtliche Verbindung zur Wahrnehmung unterschiedlichster Angebote, für Besorgungen etc. wichtig. Für diese Verbindung muss mindestens die frühere Taktung wieder aufgenommen werden. Eine Verbindung zum Kreiskrankenhaus in Winnenden ist sinnvoll. Auf Barrierefreiheit ist grundsätzlich Wert zu legen. Die Mitnahme von Fahrrädern sollte möglich sein. Auch eine nächtliche Ruftaxiverbindung zwischen den Teilorten wäre nicht nur für die Jugend wünschenswert. Mangelnde Auslastung lässt sich durch flexiblere innovative Systeme wie Rufbusse oder -taxis ausgleichen (z.B. „Reallabor“ Schorndorf). Die Qualität des Angebots und seine Akzeptanz bedingen sich gegenseitig. Auch bei knapper Kassenlage werde ich mich mit allen zur Verfügung stehenden Möglichkeiten dafür einsetzen, dass die Gemeinde den Betrieb des innerörtlichen Nahverkehrs wieder stärker bezuschusst, und dass Remshalden ein Vorzeigeort zeitgerechter Mobilität wird.


Kandidat Thomas Hornauer hat bis Redaktionsschluss keine brauchbare Antwort auf die Frage geschickt.

Die Wahl im Wahlstudio und Liveblog

In Remshalden wird am Sonntag, 6. Mai, gewählt. Der bisherige Bürgermeister Stefan Breiter ist seit 1. April Finanzbürgermeister in Freiburg.

Wir berichten am Wahlabend ab 18.15 Uhr live aus dem Rathaus in Remshalden. Alle Entwicklungen und Ergebnisse des Wahlabends kann man im Wahlstudio mitverfolgen unter www.zvw.de/wahlstudio oder unter facebook.com/zvwonline. Außerdem gibt es ab 18 Uhr einen Live-Blog unter www.zvw.de/wahl-remshalden.