Remshalden

Bewerbungsfrist für Bürgermeisterwahl beginnt

Rathaus Remshalden_0
Blick ins Bürgermeister-Büro: Der Chefsessel im Remshaldener Rathaus wird frei. © Habermann / ZVW

Remshalden. Ab diesem Samstag können die Kandidaten für die Nachfolge von Stefan Breiter ihre Bewerbungen im Remshaldener Rathaus einwerfen. Wer sich bewirbt, der kommt in ein Amt mit großer Verantwortung, bei dem er in der Öffentlichkeit steht und den Kopf hinhalten muss für alles, selbst wenn er vielleicht dafür gar nichts kann. Was für ein Typ muss man eigentlich für so einen Job sein? Wir haben zwei Bürgermeister gefragt.

Warum wird man überhaupt Bürgermeister? Das Geld ist jedenfalls nicht der erste Grund, den irgendeine amtierende Bürgermeisterin oder ein Bürgermeister nennen würde. In einer Gemeinde der Größe Remshaldens mit 14 000 Einwohnern bekommt der Rathauschef in der ersten Amtsperiode ein Grundgehalt von rund 7600 Euro (Besoldung ab 1. Juni 2018). Dazu kommt eine Dienstaufwandsentschädigung in Höhe von rund 1000 Euro. Das hört sich für viele Normalverdiener zunächst mal nach ziemlich viel Geld an. Doch gemessen an einer vergleichbaren Führungsposition in der Wirtschaft, ist es nicht unbedingt üppig. Und: Das Bürgermeisteramt ist keine normale Führungsposition. Der Chef oder die Chefin der Gemeinde geben vom Tag ihres Amtsantritts an ihr Privatleben auf und werden komplett zu öffentlichen Personen.

Der Remshaldener Amtsinhaber Stefan Breiter sagt, dass er das nie als unangenehm empfunden habe. Das sei ein Begleitumstand, über den man sich klar sein müsse, wenn man das Amt anstrebe. Schwieriger sei das Leben im ständigen Licht der Öffentlichkeit für die Familie.

„Bürgermeister ist ein 24-Stunden-Job“

„Die Familie sitzt mit auf dem Präsentierteller“, sagt auch Sven Müller, Bürgermeister in der Remshaldener Nachbargemeinde Winterbach. Ohne die Rückendeckung der Familie könne man den Job nicht machen, denn für die stehe man dadurch auch sehr viel weniger zur Verfügung. „Bürgermeister ist ein 24-Stunden-Job“, sagt Müller. Sitzungen des Gemeinderats, Vereinsversammlungen, Feste, Veranstaltungen – vom Gemeindeoberhaupt wird erwartet, dass es überall dabei ist und alles gleich wichtig nimmt. „Und wenn ich abends heimgehe, lese ich digital die Zeitung von morgen, dann bin ich auch schon wieder im Geschäft drin“, sagt Sven Müller. „Eigentlich lebst du deinen Beruf.“

Die Bürgermeisterin oder der Bürgermeister sind das Gesicht der Gemeinde, sie stehen vorne dran und bekommen direkt alles ab. Sie dürfen sich im Licht des Erfolgs sonnen, bekommen es aber auch voll ab, wenn der Wind rau und eisig bläst. Sie stehen für alle Entwicklungen gerade, die sich auf kommunaler Ebene abbilden und oft sind das Dinge, die sie oder die Gemeinde gar nicht in der Hand haben.

Am Ende nur eine Stimme im Gemeinderat

Dabei sind Bürgermeisterin oder Bürgermeister zwar offiziell Chefs der Gemeinde, das heißt, dass sie große Verantwortung tragen, eine gewisse Entscheidungskompetenz haben und auch täglich sehr schnell viele Entscheidungen mit Tragweite treffen müssen. Im großen Zusammenhang können sie jedoch mit ihrer Verwaltung nur eine Linie vorgeben, am Ende haben sie selbst nur eine Stimme im Gemeinderat. „Gott sei Dank leben wir in einer Demokratie“, sagt Stefan Breiter. Das führe dazu, dass man auch mal Entscheidungen vertreten müsse, die der eigenen Meinung zuwiderlaufen.

"Man darf nicht so schnell beleidigt sein"

Stefan Breiter hat insgesamt das Gefühl, dass Bürgermeister ein hohes Ansehen bei der Bevölkerung haben, auch wenn man ab und zu auch mal was aushalten müsse. Er fühle sich jedenfalls in Remshalden, das er ab April nach Freiburg verlässt, gemocht. Aber: „Man darf nicht so schnell beleidigt sein.“ Eine gewisse Leidensfähigkeit sei Voraussetzung. Auch Sven Müller hält ein dickes Fell für eine wichtige Eigenschaft. Wer geliebt werden wolle, der sei im Bürgermeisteramt an der falschen Stelle, der müsse vielleicht Schauspieler werden.

Insgesamt, sagt Müller, sei es ein „unheimlich toller Beruf, der einem viel zurückgibt“. Nämlich dann, wenn man positive Rückmeldungen zu seiner Arbeit und den Entscheidungen im Gemeinderat bekomme. Wenn man wisse, „man hat etwas bewegt und Spuren hinterlassen“.

Fachliche Kompetenz wichtig

Sven Müller hält es zudem für nicht unwichtig, dass ein Rathauschef fachliche Grundkenntnisse im Verwaltungsbereich mitbringt. „Wenn die Mitarbeiter wissen, da sitzt ein Bürgermeister, der Ahnung hat, dem kann man kein X für ein U vormachen, wirst du ganz anders wertgeschätzt.“ Und das sei als Impulsgeber und Vorgesetzter in der Verwaltung von Bedeutung. „Man sollte wissen, wie ein Rathaus funktioniert“, sagt Müller. Fachliche Kompetenz sei gerade wichtig in kleineren Gemeinden, wie auch Remshalden eine ist, in denen der Bürgermeister mehr im ganz praktischen Tagesgeschäft mit drinsteckt. Stefan Breiter meint zwar, er wolle Erfahrung im Verwaltungsbereich nicht als Grundvoraussetzung nennen. „Aber es ist hilfreich.“ Eben, um auf Augenhöhe mit den Akteuren in der Kommunalpolitik diskutieren zu können.

Stefan Breiter hält für eine der wichtigsten Eigenschaften: „Man muss die Menschen lieben.“ Sven Müller sagt: „Du musst die Gabe mitbringen, dass du mit unterschiedlichen Charakteren und Menschen klarkommst.“ Man müsse auf die Leute zugehen und schwätzen können, dürfe keine Scheu haben oder introvertiert sein. Außerdem müsse man ein „Teamplayer“ sein, auf dem Egotrip komme man nicht weiter.


Wer darf?

Wählbar als Bürgermeister sind Deutsche, aber auch Staatsbürger eines anderen EU-Mitgliedsstaates, die vor Zulassung der Bewerbungen in der Bundesrepublik Deutschland wohnen. Die Bewerber müssen am Wahltag das 25. Lebensjahr, dürfen aber noch nicht das 68. Lebensjahr vollendet haben. Das heißt: Mit 24 ist man zu jung, mit 68 zu alt. Außerdem müssen die Bewerber laut Ausschreibung „die Gewähr dafür bieten, dass sie jederzeit für die freiheitliche demokratische Grundordnung im Sinne des Grundgesetzes eintreten“.

Ausgeschlossen sind Personen, die infolge eines Richterspruches kein Wahlrecht oder Stimmrecht in der BRD besitzen oder „für die zur Besorgung aller ihrer Angelegenheiten ein Betreuer nicht nur durch einstweilige Anordnung bestellt ist“, so der Wortlaut der Gemeindeordnung.

Die Kandidaten können ihre Bewerbung ab diesem Samstag bei der Gemeindeverwaltung einreichen. Sie muss nicht persönlich abgegeben sein und kann auch per Post gesendet werden. Die Bewerbungsfrist endet am Montag, 9. April, um 18 Uhr.