Remshalden

Camper und Wohnmobil-Verkauf in Remshalden: Nachfrage übersteigt Angebot weit

Swen Dluzak
Swen Dluzak durchquert derzeit mit einem eigenen Rocket-Camper die schottischen Highlands. © Privat

Mitten in den schottischen Highlands ist Swen Dluzak gerade unterwegs, als ihn unser Anruf erreicht. Der Geschäftsführer des Remshaldener Unternehmens Rocket-Camper ist im Urlaub – natürlich mit seinem selbst umgebauten Kastenwagen. Hinter ihm die Berge, über ihm der frische, blaue Himmel.

Zwei Wochen immerhin hat er sich ausgeklinkt, mehr lässt der Betrieb gerade nicht zu. „Es gibt eine unverändert große Nachfrage“, freut er sich.

Woran das liegt? „Die Leute arbeiten immer mehr im Büro oder im Home-Office, wenn sie freihaben, wollen sie raus in die Natur, Sport machen, sich bewegen, draußen sein mit ihren Kindern.“ Viele seiner Kunden seien sportlich, achteten auf ihre Fitness, schnappten sich wochenends den Camper und zögen los - zum Wandern, Radfahren.

„Gleichzeitig gibt es immer weniger Platz in den Ballungsräumen, da will man raus“, schlussfolgert er.

Energieautarkie: Das Thema der Zukunft auch für Camper

Und die neue Technik ermögliche es inzwischen eben auch, im Camper zu arbeiten. Wer im Home-Office sitzt, kann genauso gut im Camper arbeiten. Solarpaneelen aufs Dach, ordentliche Batterien an Bord: Und schon ist es möglich, größtenteils energieautark im Van zu leben und zu arbeiten. Natürlich betrifft das derzeit noch nur die Einbauten – also Kühlschrank, Herd und Co.

Einfache Anlagen seien relativ günstig zu haben. Je größer die Leistungsfähigkeit und die Unabhängigkeit sein soll, desto teurer wird’s natürlich. „Aber die Bereitschaft, viel Geld dafür auszugeben, ist hoch und wachsend.“

Was die Antriebe der Fahrzeuge betrifft, ist man auch bei Rocket-Camper von dem abhängig, was die Fahrzeugindustrie liefert. Solange es also keinen Elektromotor gibt, der einen Van antreiben kann, rät Dluzak dazu, verhaltener aufs Gaspedal zu drücken. Die optimale Reisegeschwindigkeit sei ohnehin um die 90 Stundenkilometer. „Dann bekommt man auch was von der Landschaft mit, wenn man aus dem Fenster guckt“, findet er. Wer schneller fährt, muss reichlich tanken und dementsprechend tief in die Tasche greifen. Hohe Fahrzeuge haben eben einen hohen Luftwiderstand.

Rocket-Camper: Firma tüftelt an ressourcenschonenden Lösungen

Und: In seiner Firma, die sich vor kurzem im Remshaldener Baka-Areal vergrößert hat, tüftelt man auch schon an weiterreichenden Optionen. Es gehe darum, neuartige, ressourcenschonende Fahrzeuge zu entwickeln, um den Anforderungen der Zeit gerecht zu werden. „Man muss einfach mal anfangen und machen, weniger reden – das ist meine Devise.“

Allerdings: Machen ist manchmal gar nicht so einfach, wenn die Lieferketten der Welt unrund laufen. „Das ist bei uns das Gleiche wie überall sonst auch.“ Es beginne schon bei der geringen Verfügbarkeit von Basisfahrzeugen. Die benötigen sie, um aus Kastenwagen höchst individuell Camper-Vans zu gestalten.

Zudem bekommt man auch bei Rocket-Camper die Halbleiterkrise zu spüren und aufgrund der aktuellen Lage sind auch Kabelbäume aus der Ukraine schwerer zu bekommen als je zuvor. Ähnlich sieht’s bei den Materialien für die Ausbauten aus.

Prozesse haben sich inzwischen stabilisiert

Aber – Dluzak bleibt optimistisch und ist sich bewusst, dass an anderen Ecken der Erde viel schlimmere Probleme zu bewältigen sind: Man gewöhne sich daran, lerne, mit der Situation zu leben. Inzwischen hätten sich die Prozesse stabilisiert. „Man muss eben längerfristig Vorrat halten.“ Das ist seine Taktik.

Und: „Wir schauen nicht mehr, wo wir das Material am günstigsten bekommen, wir gucken, dass wir es überhaupt bekommen.“ Das habe aber natürlich wiederum deutliche Preissteigerungen zur Folge. Um etwa zehn bis 15 Prozent wird jedes Jahr alles teurer. „Das können wir nur bedingt selbst abdecken“, erklärt er.

Aber die Kunden hätten sich damit arrangiert. Auch damit, dass es derzeit statt eines Dreivierteljahres auch bis zu eineinhalb Jahren dauern kann, bis der individuelle Wunschcamper vom Hof fahren kann.

Dennoch komme die Nachfrage keinesfalls zum Erliegen - eben weil es sich um eine Lebensentscheidung handle. Ein Camper, mit dem man jedes Wochenende raus in die Natur flüchtet, ist eben mehr als nur ein Transportgerät. Immerhin sei der Kauf eines Campers oder eines Wohnmobils inzwischen schon beinahe wie das Investment in eine Wertanlage.

Die Preise steigen schneller, als der Wert verfällt. Wer heute einen Camper kaufe, könne erwarten, ihn im Folgejahr mindestens zum gleichen Preis wieder weiterverkaufen zu können.

Neue Mitarbeiter gesucht

Und: Nicht nur Basisfahrzeuge sucht man bei Rocket-Camper. „Wir brauchen ganz dringend Leute, die Spaß am Handwerk haben und daran, Verantwortung zu übernehmen, daran, etwas Neues aufzubauen. Entwickler, kreative Menschen, die Lust an dem Thema ,Vanlife und Campervans' haben“, wirbt Dluzak um eventuelle neue Mitarbeiter.

Nachfrage weiterhin groß

Auch Matthias Sprenger von Mi-Mobile in Remshalden kann feststellen, dass die Nachfrage nach Campern und Wohnmobilen weiter enorm groß ist. Gleichzeitig werden aber immer weniger Fahrzeuge hergestellt, so seine Erfahrung. „Der Hersteller, mit dem wir zusammenarbeiten, hat vor Corona rund 1500 Autos hergestellt“, schätzt der Vermieter und Verkäufer von Wohnmobilen.

Während der Corona-Zeit waren es wohl um die 2200. Die wurden auch alle verkauft – ein „Tornado“ sei da auch über sein Geschäft hinweggefegt. Kaum zu bewältigen sei es gewesen, die vielen Verkäufe abzuwickeln.

Nun aber gelinge es dem Hersteller, gerade mal rund 800 Mobile im Jahr fertigzustellen. Dementsprechend teuer seien diese Wagen, schließlich müssten die gleichen Autos das gleiche Geld hereinbringen wie die größere Menge zuvor, um die Firma am Laufen zu halten. „Jetzt können auch wir nur noch halb so viele Fahrzeuge verkaufen wie früher, weil nichts nachkommt“, erklärt er.

„Wir sind jetzt in der unglaublich guten Situation, dass wir die wenigen Autos, die wir haben, zu guten Preisen ohne Nachlass verkaufen können.“

Mietflotten werden immer kleiner: Hersteller beliefern erst Privatkunden

Auch seine Mietflotte wird immer kleiner - das sei bei allen Mitbewerbern so. Und das, obwohl nur noch einige wenige Fahrzeuge nach einer Mietsaison als Jahreswagen verkauft werden. Zudem gehen immer wieder Wagen kaputt. Neue Mietfahrzeuge seien derzeit aber kaum zu bekommen, weil die Hersteller die Privatkunden zuerst bedienten.

Und so steigen naturgemäß auch die Preise für Mietmobile, während die Nachfrage nach ihnen angesichts des Engpasses bei den Verkaufswagen weiter steigt.

Wer mit einem Mietmobil loswill, muss frühzeitig buchen

Also hat Matthias Sprenger eine klare Botschaft an alle, die im kommenden Jahr gerne mit einem Mietmobil durch ferne Länder gondeln wollen: Frühzeitiges Buchen wird dringend empfohlen. Wer zu spät kommt, kann nur noch auf Lücken und Zufallstreffer hoffen.

Angesichts der Engpässe bei Verkauf und Vermietung ist Sprenger daher durchaus froh darüber, dass er schon im Herbst in Breuningsweiler einen neuen Servicebetrieb eröffnen wird. Schon vor drei Jahren sei ihm zum einen klar gewesen, dass es mit dem enormen Umsatz nicht so weitergehen könne, und zum anderen, dass all die vielen Neukunden künftig auch Unterstützung im Service brauchen werden. In der neuen Reisemobilfachwerkstatt kann Mi-Mobile seine Kapazitäten dahingehend nun verdreifachen.

Gut, dass Tochter Lisa Sprenger (23) seit Februar mit im Boot ist und schon ordentlich mit anpackt. Wenn sie im Herbst ihre Masterarbeit in Wirtschaftsingenieurwesen abgegeben hat, wird sie in die Geschäftsführung der Firma mit einsteigen.

Mitten in den schottischen Highlands ist Swen Dluzak gerade unterwegs, als ihn unser Anruf erreicht. Der Geschäftsführer des Remshaldener Unternehmens Rocket-Camper ist im Urlaub – natürlich mit seinem selbst umgebauten Kastenwagen. Hinter ihm die Berge, über ihm der frische, blaue Himmel.

Zwei Wochen immerhin hat er sich ausgeklinkt, mehr lässt der Betrieb gerade nicht zu. „Es gibt eine unverändert große Nachfrage“, freut er sich.

Woran das liegt? „Die Leute arbeiten immer

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