Remshalden

Carsharing im Remstal: Neue Nutzeranreize seit Corona

Carsharing - corona
Bettina Beißwenger ist froh über die beiden Car-Sharing-Fahrzeuge in Remshalden. © Benjamin Büttner

Die Winterbacher hätten gerne eines, die Remshaldener wollen ihre beiden gerne behalten, die Urbacher und Schorndorfer sind glücklich mit ihren Exemplaren – Car-Sharing-Fahrzeuge werden immer beliebter. Die einzelnen Standorte müssen aber eine gewisse Auslastung vorweisen, wenn sie sich rentieren sollen. Sonst geht es den Kommunen vor Ort wie den Weilermern. Sie mussten ihres abgeben. Die Rentabilität lässt sich dabei nicht an einer bestimmten Menge von Nutzern ablesen. Vielmehr kommt’s drauf an, wie intensiv diese die Autos buchen. Allerdings unter Pandemie-Bedingungen ist auch hier alles anders.

Lieber in kleiner Fahrerkabine als im Großraumabteil der Bahn

Wo das Fahren in S-Bahn und Bus ein potenzielles Corona-Infektionsrisiko birgt, könnten da die Car-Sharing-Fahrzeuge nicht eine sinnvolle Lösung für mehr Menschen ohne eigenen Wagen sein? Immerhin ermöglicht es die Karosserie des Mietfahrzeugs, ausschließlich von den eigenen Aerosolen umgeben von A nach B zu kommen. Und tatsächlich werden aktuell auch viele Fahrten gebucht, berichtet Matthias Hartlieb vom Stuttgarter Unternehmen Stadtmobil. Allerdings, mit den derzeit beinahe ausschließlich gefahrenen Kurzstrecken wird’s eng für die Stadtmobile. Deren Rentabilitätsrechnung schließt nämlich auch Langstrecken ein: Wochenendtrips und Urlaubsfahrten, Geschäftsreisen und Verwandtschaftsbesuche. Dass das aktuell alles nicht geht, ist im Jahr zwei der Pandemie keine Neuigkeit mehr. Und so hat das Unternehmen in den vergangenen Corona-Monaten eher einige Fahrzeuge abgestoßen, statt die Flotte zu vergrößern.

Rhythmus der Innenreinigung erhöht

Eine Besonderheit des ersten Lockdowns hat sich laut Matthias Hartlieb glücklicherweise nicht verfestigt: „Am Anfang der Pandemie hatten die Leute regelrecht Angst, sich in die Fahrzeuge zu setzen, das konnte man deutlich wahrnehmen.“ Alle seien einfach überfordert gewesen mit der Situation. Es habe etliche Anfragen gegeben, was man täte, um die Kunden zu schützen. Aber Hartlieb konnte und kann besorgte Nutzer beruhigen: Zum einen sei das Risiko, sich in einem Wagen anzustecken, ohnehin sehr gering, weil stets ausreichend Zeit zwischen zwei Mietfenstern sei. Und um den Nutzern der Autos weiterhin ein besseres Gefühl zu geben, hat das Unternehmen außerdem den Rhythmus der Innenreinigung erhöht und Hygieneregeln aufgestellt. Jeder ist demnach für die Desinfektion des Autos selbst verantwortlich. „Wenn wir Desinfektionsmittel in die Autos packen würden, wären sie wahrscheinlich schnell verschwunden“, vermutet er.

Längere Fahrten fehlen

In jedem Fall habe sich der alltägliche Gebrauch der Fahrzeuge inzwischen wieder normalisiert. „Die Kunden haben sich einfach an alles gewöhnt“, findet Hartlieb. Nur – der Verzicht auf längere Fahrten, der bleibt. Auch jetzt an Ostern werden angesichts steigender Corona-Zahlen und in manchen Bundesländern wieder verschärfter Kontaktbeschränkungen Bekanntenbesuche und Kurztrips ausfallen.

Allerdings: Der Blick ins vergangene Jahr lässt die Stadtmobil-Verantwortlichen optimistisch bleiben. Nach dem ersten Lockdown habe man mit dem Schlimmsten gerechnet. Als dann aber im Sommer mit der entspannteren Corona-Lage die Lockerungen kamen, habe man einen regelrechten Nachholeffekt erkennen können. Kaum war es wieder erlaubt und vertretbar, reisten auch die Stadtmobil-Kunden wieder umher. Und auch der Rettungsschirm des Landes habe gut weitergeholfen.

Und wie ging’s mit den Remshaldener Fahrzeugen? Bettina Beißwenger, die ehrenamtlich die Koordination der örtlichen Fahrzeuge übernimmt, weiß, dass die roten Flitzer im Sommer und Herbst ganz gut gefahren sind. Die aktuellen Zahlen lassen hoffen, dass sie gehalten werden können. Natürlich, das weiß auch Beißwenger, hat sich auch in der Gemeinde an der Rems angesichts der Corona-Krise die Mobilität der Menschen stark verändert. Nutzer, die bisher regelmäßig mit einem Stadtmobil ins Büro gependelt sind, brauchen das aktuell nicht mehr.

Langer Atem nötig

Andererseits wurden auch schon neue Kunden gewonnen, die mitten in der Unsicherheit der Pandemie nicht bereit sind, ein schadhaftes Auto zu ersetzen, und dann vorläufig mit dem Stadtmobil agierten. Andere nehmen die Gelegenheit wahr, mit dem neuen Remshaldener Wagen ein Hybridfahrzeug zu testen, bevor sie sich selbst eines zulegen. Die Gründe der Remshaldener Neukunden sind vielschichtig. Klar sei aber auch, dass der Ausbau des Netzes an Leihfahrzeugen auf dem Land schwieriger sei als in der Stadt. „Da braucht man einen langen Atem“, weiß Bettina Beißwenger. „Viele haben doch ein bis zwei eigene Autos, außerdem nutzen viele den öffentlichen Nahverkehr oder das Fahrrad.“ Die 29 aktiven Nutzer vor Ort seien nur ein kleiner Bruchteil aller Remshaldener.

Die Winterbacher hätten gerne eines, die Remshaldener wollen ihre beiden gerne behalten, die Urbacher und Schorndorfer sind glücklich mit ihren Exemplaren – Car-Sharing-Fahrzeuge werden immer beliebter. Die einzelnen Standorte müssen aber eine gewisse Auslastung vorweisen, wenn sie sich rentieren sollen. Sonst geht es den Kommunen vor Ort wie den Weilermern. Sie mussten ihres abgeben. Die Rentabilität lässt sich dabei nicht an einer bestimmten Menge von Nutzern ablesen. Vielmehr kommt’s

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