Remshalden

Corona-Familien: Mit der Kraft am Limit

Coronalast
Christine Wollmertshäuser aus Geradstetten fühlt sich erschöpft. Der Corona-Ausnahmezustand bringt Familien nun schon seit mehr als einem Jahr an die Grenzen der Belastbarkeit. Eltern sollen im Job präsent sein wie zuvor, aber nebenher noch die Ausfälle von Kita und Schule auffangen. © Gaby Schneider

Es ist einfach zu viel, zu lange, zu einsam für die Kinder, findet Christine Wollmertshäuser. Die Geradstettenerin hat drei Kinder, zwei elfjährige Zwillingsjungs und dazu eine dreijährige Tochter. Seit Dezember waren die Jungs nur kurz vor den Osterferien in der Schule. Die übrige Zeit lernen sie im Grunde zu Hause. Immerhin - die Buben haben sich gegenseitig zum Spielen, einen weiteren Freund treffen sie in diesen Zeiten außerdem. Das aber war es auch schon. Unnötig zu erwähnen, dass Sportkurse, Musikunterricht, solche Dinge schon seit Monaten flachfallen, schließlich ist es überall das Gleiche.

Wollmertshäuser findet, dass sie alles ganz gut miteinander wuppen. „Wir haben ein stabiles Zuhause, keine finanziellen Sorgen, wir leben in einem Haus mit Garten.“ Im Grunde also die optimale Ausgangssituation, um die Pandemie durchzuhalten, und das machten sie als Familie auch, so gut es gehe. Da ist sich die Mutter sicher. Immer wieder überlege sie sich neue Aktionen, um Abwechslung in den Corona-Alltag zu bringen. Aber sie weiß eben auch, dass es etliche Familien gibt, denen es weniger gut geht. Und selbst bei ihnen, die mit den perfekten Begleitumständen ausgestattet sind, wackle mal das sorgsam gebaute Corona-Durchhalte-Konstrukt.

Unzufrieden mit Corona-Politik

Wie viele ihrer Bekannten, fühle sie sich ab und zu überfordert damit, all die Bedürfnisse der Kinder aufzufangen und gleichzeitig das Erledigen deren verpflichtender Aufgaben zu gewährleisten. Ihre eigene Erwerbstätigkeit webt sie um den strammen Familienalltag herum. Sie mag sich gar nicht vorstellen, wie es in Familien aussieht, die schon grundsätzlich nicht gut miteinander auskommen oder die wegen Kurzarbeit und Co zusätzlich existenzielle Sorgen tragen müssen.

„Die Familien sind einfach am Limit, aber das wird nicht gesehen von der Politik.“ Statt die Familien merklich zu entlastet, sei der Grenzwert für Schulschließungen gesenkt worden. Das sei ihr wirklich sauer aufgestoßen.

Lieber einmal ein harter Lockdown

Und dabei sehe sie sich keinesfalls als Corona-Leugnerin. Im näheren Bekanntenkreis hätten tatsächlich Familien Menschen an Corona verloren. Die Gefahr der Krankheit sei ihr durchaus bewusst und die wolle sie keinesfalls herunterspielen. Sie wünsche sich aber, dass die Familien mehr in den Blick genommen würden. Statt lascher Mini-Lockdowns, die Woche für Woche verlängert würden, wäre sie immer gerne bereit gewesen, einen richtig harten Einschnitt hinzunehmen, wenn der an eine Perspektive geknüpft gewesen wäre. An die Perspektive, dass anschließend solche Corona-Zahlen erreicht worden wären, die den Kindern einen sicheren Schul- oder Kitabesuch ermöglicht hätten.

„Wir sprechen jetzt schon von mehr als einem Jahr“, erinnert sie. Und die Defizite, die gebe es nicht nur auf sozialer Ebene, weil das Lernen und das Spielen auf dem Schulhof wegfielen. Die Alltagsstruktur fehle, die Kinder könnten keine Ziele entwickeln. Etliche Klassenkameraden ihrer Söhne hätten auch mit coronabedingten Lerndefiziten zu kämpfen. Und die Eltern? Die arbeiteten dann, wenn die Kinder mal selbst beschäftigt sind oder schlafen. Erholungspausen sind keine vorgesehen. „Es gibt einfach keine Zeit, um Kraft zu tanken.“ Es müsse endlich etwas passieren.

Zum Nachdenken habe sie auch noch etwas anderes gebracht: „Als ich gesehen habe, wie die Kinder glücklich waren, als sie nach Ostern mal eine Woche in die Schule durften, das war heftig“, erinnert sie sich. Von den dort erlebten Emotionen war sie völlig überwältigt. „Sogar die Teenager haben sich total gefreut, endlich wieder in die Schule zu dürfen“, berichtet die Mutter. Sie wünscht sich, dass Risiken und Maßnahmen vernünftig gegeneinander abgewogen werden.

Es ist einfach zu viel, zu lange, zu einsam für die Kinder, findet Christine Wollmertshäuser. Die Geradstettenerin hat drei Kinder, zwei elfjährige Zwillingsjungs und dazu eine dreijährige Tochter. Seit Dezember waren die Jungs nur kurz vor den Osterferien in der Schule. Die übrige Zeit lernen sie im Grunde zu Hause. Immerhin - die Buben haben sich gegenseitig zum Spielen, einen weiteren Freund treffen sie in diesen Zeiten außerdem. Das aber war es auch schon. Unnötig zu erwähnen, dass

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