Remshalden

Corona-Testzentren der Apotheken können jederzeit wieder hochgefahren werden - hat sich die Testerei bisher gelohnt?

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Hans-Joachim Ullmann und Elisabeth Horvath (hinten) beim Schnelltest in der Salier-Apotheke in Winterbach: Sie brauchten den Test für ihre eigene Hochzeit am selben Tag, die sie in größerer Gesellschaft feiern wollten. © Ralph Steinemann Pressefoto

Stand Ende Juni wurden im Rems-Murr-Kreis rund 600 000 Antigen-Corona-Schnelltests in den Testzentren durchgeführt. Seitdem ist der Bedarf stark zurückgegangen, einige Zentren sind wieder geschlossen. Auch die Apotheken haben den Betrieb stark heruntergefahren. Der Aufwand war in der Hochphase enorm. Die Winterbacher Salier- und Michaels-Apotheke hatten zum Beispiel vorübergehend sechs zusätzliche Mitarbeiterinnen nur für Schnelltests beschäftigt. Positive Testergebnisse gab es nur sehr, sehr wenige.

Der Schnitt der positiven Tests lag in Baden-Württemberg bei 0,05 Prozent, im Kreis bei 0,17 Prozent. Eleftherios Vasiliadis, Inhaber der Grunbacher Bären-Apotheke und der Apotheke Marktgasse in Waiblingen, kommt sogar nur auf einen Prozentsatz von 0,0025.

In Grunbach finden die Schnelltests seit dem Wochenende nur noch in den Räumen der Bären-Apotheke selbst statt, nicht mehr in der Jahnhalle. Das liege ganz einfach an der gesunkenen Nachfrage, sagt Eleftherios Vasiliadis. Die Räume in der Halle habe die Gemeinde kostenlos zur Verfügung gestellt, aber jetzt müsse er die ja nicht mehr in Anspruch nehmen. Schließlich werde die Halle hoffentlich auch für Sport und Veranstaltungen wieder gebraucht.

Das Testen ganz seinzulassen, das kann sich der Apotheker nicht vorstellen. „Wir müssen es trotzdem noch anbieten, weil sich einige weiterhin testen lassen wollen oder es für den Urlaub brauchen.“ Der Bedarf sei durch die niedrigen Sieben-Tage-Inzidenz-Werte bei den Corona-Infektionszahlen zwar sehr stark gesunken, aber eben nicht null. „Ich habe als Apotheker auch eine öffentliche Aufgabe“, sagt Vasiliadis. Für die Zukunft sagt er: „Wir können jederzeit wieder in die Vollen gehen.“

Testzentrum an der Salierhalle in Winterbach bleibt offen

Sigrid Dätsch-Lokies, Inhaberin der Michaels- und der Salier-Apotheke in Winterbach, bestätigt: Es gibt durchaus noch Bedarf für die Schnelltests. Zehn bis 20 Menschen kämen täglich noch. Im Testzentrum bei der Salierhalle in Kooperation mit dem VfL Winterbach sei unter der Woche meist etwas weniger los, aber auch dort habe es zum Beispiel vor dem zurückliegenden Konfirmationswochenende angezogen. Das Testzentrum bei der Sporthalle soll bestehen bleiben, obwohl die Sportler es für ihr Training mittlerweile nicht mehr verpflichtend brauchen.

Viele Gelegenheiten, für die man verpflichtend einen Schnelltest brauche, gebe es ja nicht mehr, sagt Sigrid Dätsch-Lokies. Aber: „Manche machen es freiwillig, die sagen, mir ist es wichtig, dass ich mich selber kontrolliere, dass ich niemanden anstecke.“

In der Hochphase der Schnelltests wurden in der Salier-Apotheke, wo das Testzentrum der beiden Winterbacher Apotheken sich befindet, um die 100 Menschen täglich getestet. Auch in Winterbach waren nur sehr wenige Positive dabei, eine genaue Zahl hat Sigrid Dätsch-Lokies nicht parat. Ob sich der Infektionsverdacht aus dem Schnelltest im Einzelfall danach durch einen PCR-Test bestätigt hat oder nicht, das bekommen die Apotheken gar nicht mit.

"Dann war das eine sinnvolle Geschichte"

Hat sich der logistische und finanzielle Aufwand angesichts der geringen Positiv-Quote überhaupt gelohnt? Interpretationssache, meint Sigrid Dätsch-Lokies. Klar: Jeder rausgefischte Positive konnte danach niemanden mehr anstecken, es wurden Infektionsketten unterbrochen. „Wenn das dazu beigetragen hat, dass wir schneller wieder in eine Normalität kommen, dann war das eine sinnvolle Geschichte“, sagt die Winterbacher Apothekerin.

Sie glaubt aber: „Es liegt nicht nur an den Testungen, sondern daran, dass sich jeder beschränkt hat. Da trägt jeder Verantwortung.“ Jeder, der die Maske getragen, der auf Besuche bei Oma verzichtet, der Familienfeste ausfallen lassen habe.

Buchung weiterhin über zentrales System und Cosima-App

„Es war ein Mega-Zusatzaufwand für uns“, sagt Sigrid Dätsch-Lokies über die zurückliegende Hochphase der Schnelltests. Finanziell wurden sie mit bis zu 18 Euro pro Test durch den Bund sehr gut vergütet. Aber dafür habe sie auch sechs zusätzliche Mitarbeiterinnen beschäftigt. „Der normale Betrieb musste ja trotzdem laufen.“ Diese Kurzzeit-Mitarbeiterinnen arbeiten sonst eigentlich in Gesundheitsberufen wie Massage oder Physiotherapie. Durch die Pandemie-Einschränkungen konnten sie ihren Beruf nicht ausüben und standen so für den Einsatz als Testerinnen zur Verfügung. Jetzt seien fast alle von ihnen wieder in ihren ursprünglichen Berufen beschäftigt, sagt Sigrid Dätsch-Lokies. Sollten die Infektionszahlen wieder steigen, bekomme sie das Team schnell wieder zusammen.

Nichts geändert hat sich an der Buchung der Schnelltests über das Internetportal des Landkreises und die Cosima-App. Für diese Infrastruktur des Kreises gab es von allen Seiten viel Lob. Auch Apotheker Eleftherios Vasiliadis sagt: „Wenn diese App nicht wäre, wäre die ganze Arbeit nicht machbar.“ Derzeit, bei dem geringen Zulauf, kann man in den meisten Apotheken auch im Ausnahmefall mal spontan zum Test kommen, ohne vorher einen Termin zu machen, und kommt dann ohne größere Wartezeit meist dran. Und sollten die Infektionszahlen, wie von vielen befürchtet, im Herbst wieder steigen, steht das bewährte System bereit.

Stand Ende Juni wurden im Rems-Murr-Kreis rund 600 000 Antigen-Corona-Schnelltests in den Testzentren durchgeführt. Seitdem ist der Bedarf stark zurückgegangen, einige Zentren sind wieder geschlossen. Auch die Apotheken haben den Betrieb stark heruntergefahren. Der Aufwand war in der Hochphase enorm. Die Winterbacher Salier- und Michaels-Apotheke hatten zum Beispiel vorübergehend sechs zusätzliche Mitarbeiterinnen nur für Schnelltests beschäftigt. Positive Testergebnisse gab es nur sehr,

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