Remshalden

Corona-Urlaub 2021: Campingtrip statt Hotelbesuch

Caravanurlaub
Matthias Sprenger und Gudrun Münzenmaier von MiMobile sind selbst begeisterte Camper. © Gaby Schneider

Heute hier, morgen dort. Neue Städte, neue Berge, neue Menschen, neue Eindrücke. Was sich nach einem ganz normalen Urlaub anhört, scheint in den Zeiten von Corona ins Reich der Fantasie zu gehören. Immerhin: Wo Hotels geschlossen sind, es unsicher ist, ob Parks, Ausstellungen, Schwimmbäder und Museen geöffnet sind, und Restaurants zum Shutdown verdonnert sind – wie sollte man da urlauben? Wo schlafen, wo sich ausruhen, wo essen? Matthias Sprenger, Geschäftsführer der Remshaldener Firma MiMobile, weiß Rat: Wer mit einem Wohnmobil unterwegs ist, kann trotzdem urlauben. Schließlich ist im Mobil quasi das Eigenheim dabei. Und hier wird geschlafen, gegessen und sich ausgeruht.

Tolle Ziele im Umkreis von einer Stunde Fahrzeit

Wer im Camper reist, bleibt gleichzeitig zu Hause und kommt trotzdem raus. Das Abstandhalten zu anderen Menschen gelingt so leicht wie sonst auch. Nur eben woanders, mit ein wenig Abenteuer garniert. Klar, Reisen ins Ausland sind aktuell schwierig bis unmöglich. „Aber auch in Deutschland lässt sich richtig viel entdecken“, findet Sprenger. Alleine im Umkreis von einer Stunde Fahrzeit seien etliche spannende Ziele und wunderbare Campingplätze zu erreichen. Etliche davon sind sogar kostenlos und damit nicht von dem Beherbergungsverbot beeinträchtigt. Und sobald die Gaststätten wieder geöffnet sind, lassen viele Wirte Camper auch gerne auf ihren Parkplätzen übernachten. „Schließlich lassen die Camper mehr Geld im Lokal liegen, wenn sie hinterher nicht mehr ans Steuer müssen.

Maximal zehn Stunden auf öffentlichen Parkplätzen

Und tatsächlich. Ein Blick in die Gesetze bestätigt es: Wer jetzt wegfährt, kann sich zumindest innerhalb Deutschlands auf § 12 der Straßenverkehrsordnung berufen. Das Parken und Übernachten im Camper oder Wohnmobil ist demnach überall dort erlaubt, wo es nicht ausdrücklich verboten ist, etwa durch Hinweisschilder. Das gilt eben auch über Nacht zur “Wiederherstellung der Fahrtüchtigkeit” – maximal zehn Stunden – auf öffentlichen Parkplätzen oder Wanderparkplätzen. Gelten in dem entsprechenden Zielort aber Ausgangssperren oder Bewegungsradiusbegrenzungen, drohen hohe Bußgelder.

Und wer weiß – im Sommer könnten wieder ganz andere Reisen möglich sein, könnte das Camperleben noch rosiger werden: Mit dem Mobil an den Atlantik, durch Italien, ans Mittelmeer - eine herrliche Vorstellung für viele. „Der Weg ist das Ziel“, findet Swen Dluzak. Der Fahrzeugbau-Ingenieur hat sich vor vier Jahren mit seiner Firma „Rocket Camper“ selbstständig gemacht und baut Kastenwagen zu modernen Campern aus. Möglichst reduziert in der Gestaltung sind sie. Was nicht nötig ist, bleibt weg. „Das ist doch das, was wir alle suchen.“ Minimalismus, das sei der neue Luxus. Lieber investierten seine Kunden in eine einfache, aber hochwertige und nachhaltige Ausstattung. Und so zeichnen sich die Innenräume seiner Wagen durch klare Linien und Flexibilität aus. Sitze lassen sich ausbauen, der zugeklappte Herd dient als Ablagefläche. Wer im Heckbett liegt und die Tür aufklappt, liegt – natürlich nach der entsprechenden Parkplatzwahl – direkt am Strand, mitten im Gebirge oder an einer steilen Klippe.

Ausgleich zum Alltag

Der Fahrzeugingenieur ist sich sicher, dass das einfache Leben im Camper der perfekte Ausgleich zum sonstigen Alltag ist. Immer mehr Menschen lebten in den Städten, gearbeitet werde in Büros hinter Computern. Groß sei da die Sehnsucht nach dem „echten Leben“. Die ganze Technik, den ganzen Komfort, den’s zu Hause gibt, den wollten viele seiner Kunden bewusst hinter sich lassen. Raus aus dem Netz. „Sie wollen die Entschleunigung, in der Einfachheit leben und abends mitten in der Natur das feuchte Moos riechen.“ Während eine Zeit lang die Wohnmobile immer größer und größer gebaut wurden, habe sich ein Publikum ausgebildet, das das Gegenteil wolle: mit möglichst „wenig Luxus und Klimbim“ raus in die Natur. „Raus aus dem, was ich hab'.“ Unterwegs sein, neue Impulse aufnehmen, Unbekanntes entdecken.

Camping boomt: Nicht erst seit Corona

„In der Natur zu sein, das ist unsere zutiefst menschliche Sehnsucht“, da ist sich Dluzak sicher. Drum ziehe es die Menschen wochenends und im Urlaub raus, in die Berge zum Wandern oder Gleitschirmfliegen, an die Flüsse und Seen zum Kanufahren. „Camping boomt – und das nicht erst seit Corona“, das weiß er bestimmt. Und das bestätigen auch die Preise von Gebrauchtwagen. Die sind stabil wie nie.

Natürlich seien etliche Kunden angesichts der Krise dazugekommen, auch sei die Mietwagensaison 2020 außergewöhnlich weit in den Oktober hineingegangen, aber grundsätzlich sei die Branche voll auf der Höhe. Die Zielgruppe ist bunt durchmischt. Da gibt’s den 75-jährigen Surfer ebenso wie den 24-jährigen Studenten, der lieber monatlich seinen Camper-Kredit abstottert, statt eine überteuerte Miete in einer Stuttgarter WG zu zahlen.

Und wie soll’s losgehen – als Camper-Anfänger? Dluzaks Tipp: „Vor allen Dingen relativ unbedarft.“ Klamotten, Reisedokumente und das Lieblingsspielzeug der Kinder eingepackt – und los geht es. „Der Charme geht verloren, wenn man es zu sehr verkopft“, findet er, der von Kindesbeinen an seine Urlaube zwischen Natur und Camper verbracht hat. „Alles, was zwischendrin fehlt, kann man ja in jedem Supermarkt kaufen.“ Auch das sei schon ein Teil des Abenteuers: Birnen vom französischen Bauernhof, besonderes Brot vom unbekannten Bäcker, die vergessene Zahnbürste in einem völlig unbekannten Supermarkt suchen. Und: Die Strecke für die erste Reise sollte nicht zu lang sein. „Für den Anfang genügen vielleicht auch mal das Allgäu oder der Bodensee“, schlägt er vor. 300 Kilometer pro Tag herunterzureißen, das bringe niemandem Spaß. Sein Rat: einfach machen und nicht zu viel denken.

Heute hier, morgen dort. Neue Städte, neue Berge, neue Menschen, neue Eindrücke. Was sich nach einem ganz normalen Urlaub anhört, scheint in den Zeiten von Corona ins Reich der Fantasie zu gehören. Immerhin: Wo Hotels geschlossen sind, es unsicher ist, ob Parks, Ausstellungen, Schwimmbäder und Museen geöffnet sind, und Restaurants zum Shutdown verdonnert sind – wie sollte man da urlauben? Wo schlafen, wo sich ausruhen, wo essen? Matthias Sprenger, Geschäftsführer der Remshaldener Firma

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