Remshalden

Der Mai-Regen reicht nicht aus: Der Wald im Remstal hat noch mehr Durst

WaldBuoch
Revierförster Andreas Münz zeigt die Stelle, an der Fichten vom Borkenkäfer vernichtet wurden. © Gaby Schneider

Und? Hat der Wald jetzt endlich genug Wasser abbekommen? Der Mai war ja wohl nass genug, oder? Förster Andreas Münz schüttelt da nur seinen Kopf. Zwar sei der Regen für den Wald ein echter Segen, die extremen Dürren der vergangenen Jahre könnten so ein paar Wochen aber nicht ausgleichen.

Aus der Quelle bei den Beinsteiner Seelen beispielsweise tröpfle es nur, wo sonst um diese Zeit, das Wasser in Hülle strömte. Trotzdem: „Wir freuen uns über jeden Tropfen“, gibt er zu Protokoll, während er am Waldrand von Buoch steht und auf eine Gruppe von Buchen deutet. Die sind in den Kronen schon ganz licht, im unteren Bereich grünen sie noch tapfer. Aber Münz ist sich sicher, dass nicht alle von ihnen durchkommen werden.

Vor allem hier oben, im Buocher Wald, wo es wirklich viele der majestätischen Laubbäume gibt, ist der Boden nämlich mittlerweile sehr trocken. „Wasser fließt halt immer nach unten“, erklärt er. Klar, dass deshalb die Bäume an Hängen noch besser wegkämen. Nordhänge gleichen geradezu einem Paradies für Flachwurzler. Und tatsächlich sei es auch genau so festzustellen: An den Hängen in Richtung Winnenden stünden etliche Fichten, hier bekommen sie noch ausreichend Wasser, haben mehr Widerstandskräfte gegen Wind und Schädlinge.

Flachwurzler bekommen in Zukunft wohl Probleme

Weniger gut geht's den Fichten hier oben. Münz zeigt ein paar dünne Steckenbeinchen, die er längst orange markiert hat. Hier ist der Borkenkäfer drin. Vermutlich schon seit dem vergangenen Jahr, jetzt müssen sie schnell raus aus dem Wald, damit sich die Brut nicht entwickeln, die Population möglichst wenig vergrößern könne. Schon bald werden die Mitarbeiter mit ihren Sägen anrücken.

Immerhin - allzu groß wird die Lücke nicht werden, die sie hinterlassen, denn unten wachsen schon die Folgebäume nach – und es handelt sich um Tannen. Sie haben sich natürlicherweise ausgesät und messen sicher schon 1,50 Meter. Ihr Vorteil liegt auf der Hand: Während Fichten Flachwurzler sind, graben sich die Tannen tiefer in den Boden und haben so mehr Möglichkeiten, Wasser aus dem Boden zu ziehen.

Trockenes Wetter für Schwärmflüge nötig

Was die neue Population der Borkenkäfer betrifft, kann Münz Positives berichten: Das feuchte Wetter hat zur Folge, dass die Bäume ausreichend Harz produzieren können, mit dem sie sich gegen den Befall von Borkenkäfern wehren können - und meist auch gewinnen. Zudem brauchen die Käfer warmes, trockenes Wetter für ihre Schwärmflüge. Ist es regnerisch und nass, bleiben sie unter den Rinden der Bäume verborgen und können sich nicht ausbreiten. „Bestimmt vier Wochen hat der Regen jetzt schon die Schwarmflüge hinausgeschoben“, freut sich der Förster. „Wir gehen auf jeden Fall davon aus, dass wir dieses Jahr nur zwei Generationen Borkenkäfer abbekommen“, schätzt er.

Gefahr für die Kinderstube des Waldes: Verbiss

Ein paar Meter weiter lässt sich gut erkennen, was die Borkenkäfer anrichten können, wenn sie ausreichend Gelegenheit dazu bekommen: Eine größere Fläche musste hier komplett gerodet werden. Kreuz und quer liegen trockene Äste, Gestrüpp. Hier scheint kein Leben mehr zu sein. Zumindest auf den ersten Blick. Denn zwischen den kahlen Ästen keimt Hoffnung: Tatsächlich beginnt der Wald hier schon damit, sich selbst zu heilen.

Auf der ganzen Fläche sprießen kleine neue Bäumchen: Fichten, Tannen, Eichen, Buchen, Eschen - eine perfekte Mischwald-Generation beginnt hier von alleine hochzuwachsen. Jetzt hofft Münz noch auf die Kooperation der Jagdpächter. Optimal wäre es, wenn sie in der Nähe einen Hochsitz errichten würden, um an dieser Stelle verstärkt zu jagen. Dies mit dem Ziel, die Kinderstube des Waldes vor dem Verbiss durch Wildtiere zu schützen.

Wie stark der Wald vom Regen abhängig ist, zeigt auch ein Blick in die Zahlen: Genau ein Jahr nach der extremen Dürre 2018 musste Münz aus dem Remshaldener Wald rund 390 Festmeter Holz wegen Borkenbefalls herausholen lassen. Die Hitze hatte die Käfer schwärmen lassen wie selten zuvor. Dafür war aber noch kaum Schadholz wegen der Dürre entstanden.

„Es dauert einfach, bis die Böden ausgelaugt sind“, weiß Münz. Schon ein weiteres Jahr später sah es ganz anders aus: Wegen der Käfer fiel nur noch vergleichsweise wenig Schadholz an, dafür schlugen jetzt die Dürreschäden zu.

Zahlen sprechen eine deutliche Sprache

Allein 660 Festmeter Dürre-Holz fielen im Jahr 2020 in den Remshaldener Wäldern an, im aktuellen Jahr wurden bislang erst 308 Festmeter Dürre-Holz geerntet. Allzu viel wird nicht mehr dazukommen, schließlich schlägt man meist im Frühjahr ein, um das Holz trotz der Schäden in bestmöglicher Qualität zu ernten - so gelingt es, die Ernte bestmöglich zu verkaufen. Nur zum Vergleich: Im Jahr vor der großen Trockenheit wurden nur sechs Festmeter Schädlingsholz und 26 Festmeter Sturmholz aus dem Wald geholt. Konkrete Dürreschäden tauchen in der Statistik des Jahres gar nicht erst auf. Es war zuvor einfach kein Thema.

Ziel: Schwarze Null

Gewinn machen soll der Remshaldener Wald nicht, das ist nicht das erklärte Ziel der Gemeinde. Münz' Arbeitsauftrag ist klar: nachhaltig wirtschaften, also nicht mehr Holz entnehmen, als nachwachsen kann, und außerdem eine schwarze Null schreiben. Zuletzt hat man wegen der schlechten Holzpreise nicht mehr als notwendig eingeschlagen.

Schließlich gab es durch die bekannten Dürre-, Sturm- und Insektenschäden so viel Holz wie selten auf dem Markt. Nun aber, da die Nachfrage steigt und die Ernte nicht durch äußere Einflüsse beschleunigt wird, könne es durchaus dazu kommen, dass die Preise auch vor Ort steigen oder mehr Frischholz geschlagen wird, erklärt Münz.

Und? Hat der Wald jetzt endlich genug Wasser abbekommen? Der Mai war ja wohl nass genug, oder? Förster Andreas Münz schüttelt da nur seinen Kopf. Zwar sei der Regen für den Wald ein echter Segen, die extremen Dürren der vergangenen Jahre könnten so ein paar Wochen aber nicht ausgleichen.

Aus der Quelle bei den Beinsteiner Seelen beispielsweise tröpfle es nur, wo sonst um diese Zeit, das Wasser in Hülle strömte. Trotzdem: „Wir freuen uns über jeden Tropfen“, gibt er zu Protokoll,

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