Remshalden

Der Remshaldener Gemeinderat Wolfgang Läpple steigt aus

Wolfgang Läpple
Wolfgang Läpple (70) möchte jetzt aus dem Remshaldener Gemeinderat ausscheiden. © Gabriel Habermann

17 Jahre lang hat der Grunbacher, der im Übrigen ein echtes CVJM-Gewächs ist, im Remshaldener Gemeinderat gedient. „Es war mir eine moralische Verpflichtung auch aus meinem christlichen Glauben heraus, mich für das Gemeinwohl einzusetzen“, sagt er, während er in seinem Wohnzimmer am Esstisch sitzt und seinen Wunsch nach Veränderung erklärt. An der Wand hinter ihm: Fotos der Enkelkinder, Bibelverse, Erinnerungsstücke. Wirklich gerne sei er Mitglied des Gemeinderats gewesen.

Offizieller Abschied im Juli

Der Vorsitzende der CDU-Fraktion ist ein streitbarer Kopf, suchte mit dem Gremium stets gemeinsam nach den bestmöglichen Lösungen. „Gelassenheit hat mir dabei immer gefehlt“, findet er und grinst. Die Arbeit an der Sache, die sei ihm eben immer wichtig gewesen. Auch als Ansprechpartner für die Bürger hat er gerne zugehört. Immer war er nah dran am Puls der Gemeinde.

„Jetzt ist es aber gut.“ Seinem Wunsch folgend hat der Gemeinderat nun seinem Antrag auf Entlassung zugestimmt. Sein offizieller Abschied aus dem Gremium wird in der letzten Sitzung vor den Sommerferien gefeiert.

Die Enkelkinder sollen endlich mehr Aufmerksamkeit bekommen

Der 70. Geburtstag sei für ihn ein Moment des Innehaltens gewesen. „Ich hab mir überlegt, was ich mir für mein nächstes Lebensjahrzehnt wünsche“, berichtet er. Und da sei ihm klargeworden, dass ihn das Zusammensein mit den Enkelkindern wirklich sehr erfülle, er mehr davon in seinem Leben haben wolle. „Bislang hatte einfach oft die Gemeinderatsarbeit Vorrang.“

Oftmals musste er den Kleinen absagen, weil er sich auf Sitzungen vorbereiten oder welche besuchen musste. Nun will er die Prioritäten ändern. Immerhin sechs Enkelkinder haben Läpples inzwischen. Statt eines Kinderzimmers in der neu eingerichteten Wohnung haben sie ein Enkelzimmer gestaltet.

Gemeinsame Erlebnisse sammeln

Im Wohnzimmer steht eine große Kiste mit Schienen für die Holzeisenbahn. „Mit der haben schon unserer Jungs gespielt“, erinnert er sich. Das Lächeln, das aufblitzt, wenn er von den Enkeln spricht, bekommt er kaum mehr aus dem Gesicht. Will er aber auch gar nicht. „Enkelkinder zu haben, das ist das Schönste", findet er. Und so helfen er und seine Frau den drei Söhnen gerne mit deren Sprösslingen. Es gibt feste Enkeltage, an denen sich die beiden um den Familiennachwuchs kümmern. Dazu kommen spontane Verabredungen. Erst jetzt am Wochenende ging’s ins Steiff-Museum. Da hatten nicht nur die Kinder ihren Spaß.

An der Sache orientiert

Und auch, wenn er sein Amt gerne abgibt – Julia Föhl wird auf seinen Platz nachrücken –, vermissen wird er die Gremiumsarbeit trotzdem. Schließlich habe man gemeinsam viel erreicht. Und das, obwohl die Sachzwänge – sprich: ein enger finanzieller Rahmen – die Gremiumsarbeit immer wieder einschränkten. Er schätze an seinen Amtskollegen, dass man stets fair, pragmatisch und an der Sache interessiert gemeinsam gearbeitet habe, um das bestmögliche Ergebnis für die Gemeinde zu erzielen.

Top: Bürgernahe Realisierung des neuen Baugebietes

Wirklich zufrieden ist Wolfgang Läpple mit der frühen Etablierung des Kinderhauses in Grunbach, mit der Umsetzung des Bürgerparks, der aktuell bürgernahen Realisierung des neuen Baugebiets Grunbacher Höhe. Auch die Arbeit im Partnerschaftskomitee hat ihm viel Freunde gemacht. „Ich halte die Städtepartnerschaft für einen ganz wesentlichen Teil für die Zusammenführung zwischen Ost und West“, erklärt er. Und bis heute freut es ihn, dass es damals zusammen mit etlichen anderen Engagierten gelang, das Grunbacher Backhaus zu retten und so weit zu ertüchtigen, dass es nun voll betriebsfähig ist und auch rege genutzt wird.

Kritik gibt's auch

Gleichzeitig hat der Bürgervertreter durchaus auch Kritik im Köcher: So gut er damals den Schritt fand, das Rathaus an seinen jetzigen Standort zu bringen, so enttäuscht ist er darüber, dass noch immer nicht weitere Schritte in Richtung der „Neuen Mitte“ gegangen wurden. Wäre man damals nur entschlossen genug gewesen, so seine Vermutung, hätte man noch Wesentliches zuwege bringen können, bevor die Hochwassergefahrenkarte all dem vorläufig einen Strich durch die Rechnung machte. Dies auch angesichts der Tatsache, dass eine Neuauflage der Karte voraussichtlich ergeben wird, dass das Gelände wieder überbaubar wird.

Arbeitsauftrag: Wasserleitungen in der Gemeinde in den Griff bekommen

Und dann ist da auch noch das Bürgerhaus Grunbach, dessen Kostendeckungsgrad er nicht gerade überzeugend findet. Weiteren Handlungsbedarf sieht er am Bahnhof Grunbach, die Abstellmöglichkeiten für Fahrräder betreffend. Erschreckt habe ihn auch der Sanierungsstau, der offenbar im Abwassersystem der Gemeinde besteht. Dass 30 Prozent allen gezapften Wassers in Remshalden verlorengeht, mache ihn betroffen, vor allem mit Blick auf den Klimawandel und die globale Wasserknappheit. Also, es gibt noch viel zu tun für die Gremiumskollegen, die er nun zurücklässt.

17 Jahre lang hat der Grunbacher, der im Übrigen ein echtes CVJM-Gewächs ist, im Remshaldener Gemeinderat gedient. „Es war mir eine moralische Verpflichtung auch aus meinem christlichen Glauben heraus, mich für das Gemeinwohl einzusetzen“, sagt er, während er in seinem Wohnzimmer am Esstisch sitzt und seinen Wunsch nach Veränderung erklärt. An der Wand hinter ihm: Fotos der Enkelkinder, Bibelverse, Erinnerungsstücke. Wirklich gerne sei er Mitglied des Gemeinderats

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