Remshalden

Ehepaar Kull:  Remshaldener Familiengeschichten  aus 400 Jahren ausgegraben

1/2
Seelenregister
Solche Schriften entziffert Rosemarie Kull problemlos. © privat
2/2
Ortsfamilienbuch
Rosemarie und Hermann Kull recherchieren Remshaldener Stammbäume. © Gabriel Habermann

Rosemarie und Hermann Kull haben zusammen mit Uwe Riegel so richtig tief gegraben und geknobelt, um auch die jüngsten Ausgaben der Ortsfamilienbücher herausbringen zu können. In den beiden aktuellen Wälzern sind die Familienstammbäume alt eingesessener Hebsacker und Rohrbronner Familien teils über Hunderte von Jahren hinweg nachzuvollziehen.

Allerdings: Noch lebende Personen sind darin nicht aufgeführt. Schließlich wäre das, was den Datenschutz betrifft, sonst kaum umsetzbar. Erst 110 Jahre nach der Geburt, 80 Jahre nach der Heirat oder 30 Jahre nach dem gemeldeten Tod sind die Namen freigegeben.

Kirchenbücher inzwischen digital einsehbar

Seit die Kulls vor 15 Jahren mit der Forschungsarbeit für die ersten Ortsfamilienbücher (Geradstetten und Grunbach) begonnen haben, hat sich an der Arbeitsweise so einiges verändert. Zwar werten sie heute wie damals Abschriften aus Kirchenbüchern, Tauf-, Ehe- und Sterberegistern aus, müssen dafür aber längst nicht mehr ins Landeskirchenarchiv nach Möhringen fahren.

Die meisten Daten sind inzwischen digitalisiert, so dass sie bequem von zu Hause aus auf die Zahlen zugreifen können. Sind diese entziffert, tippen Kulls sie in ein Genealogieprogramm ein. Das entdeckt Zusammenhänge zwischen Namen und Daten und hilft so dabei, die Familienzugehörigkeiten zu entschlüsseln. Die Familien werden alphabetisch aufgelistet, das Computerprogramm weist auch auf logische Fehler hin, beispielsweise, wenn die vermeintliche Mutter zu jung oder zu alt ist.

Herausforderung: Schwungvolle Handschriften

Aber auch andere Herausforderungen gibt es - und da kann der Computer nicht helfen: eine recht schwungvolle Handschrift des Pfarrers etwa oder phonetisch notierte Namen. Nicht selten heißen auch Vater, Sohn und Enkel gleich. Und manches Mal haben sich auch die Rufnamen im Laufe eines Lebens verändert. Da wird auch mal aus einem Christoph ein „Stoffel“.

Richtig spannend wird’s, wenn sich ein Pfarrer in längst vergangenen Zeiten entschieden hatte, mehr als nur die Geburts-, Eheschließungs- und Sterbedaten zu notieren. Bei der Recherche zum Hebsacker Buch war Rosemarie Kull ein Pfarrer namens Johann Christoph Happrecht aufgefallen.

10 682 Personen sind aufgelistet

Er – 1688 geboren – war Pfarrer in Winterbach und führte von 1733 bis 1740 das dortige Seelenregister. Zu seiner Gemeinde gehörten schon damals auch die Hebsacker Gläubigen. Er kannte seine Schäfchen, wusste, wer schreiben konnte, wer gut musizieren konnte. Teils sind in den Abschriften sogar kurze Lebensläufe zu lesen. Kulls haben alles in den Ortsfamilienbüchern archiviert.

Insgesamt 10.682 Personen sind in dem Hebsacker Buch aufgeführt. „Für einen kleinen Ort ist das viel in 400 Jahren“, findet Rosemarie Kull. Etwa zweieinhalb Jahre hat das Paar für die Hebsacker Recherche benötigt. Im Vergleich zu den ersten Büchern sind sie erheblich schneller geworden.

„Ich hab inzwischen Routine im Lesen der alten Schrift entwickelt“, erklärt Rosemarie Kull, die häufig von Remshaldenern gebeten wird, Schriften zu entziffern, die Familienmitglieder vor Hunderten von Jahren geschrieben hatten.

Gemeinsames Hobby

Das Graben in der Geschichte des Ortes ist ein wichtiges Streben der beiden geworden. „Angefangen hat es eigentlich als Beschäftigungstherapie für meinen Mann“, erinnert sich Rosemarie Kull, ehemals Sekretärin bei Porsche, und lächelt. Als Hermann Kull nach langen Jahren als Ingenieur und Geschäftsführer eines Maschinenbaubetriebs in Rente ging, suchten sie nach einem gemeinsamen Hobby.

Und so forschten sie zunächst in ihrer eigenen Familie nach. Gruben dann immer weiter. Das erste Ortsfamlienbuch entstand. Bis heute verfassen sie auch andere, thematisch orientierte Bücher zur Remshaldener Ortsgeschichte. Und eben jene Ortsfamilienbücher, die jeweils in begrenzter Auflage entstanden sind.

Das Interesse sei „riesig groß“, berichtet Hermann Kull. Viele Remshaldener suchten gerne in den Büchern nach den eigenen Wurzeln, aber auch die Archive haben großes Interesse daran, jeweils ein Exemplar der Abschriften zu erhalten. Ebenfalls recherchiert haben Kulls für ihre Bücher Kurzfassungen der jeweiligen Ortsgeschichte, die als Einstieg in die Familienlisten dienen.

Rosemarie und Hermann Kull haben zusammen mit Uwe Riegel so richtig tief gegraben und geknobelt, um auch die jüngsten Ausgaben der Ortsfamilienbücher herausbringen zu können. In den beiden aktuellen Wälzern sind die Familienstammbäume alt eingesessener Hebsacker und Rohrbronner Familien teils über Hunderte von Jahren hinweg nachzuvollziehen.

Allerdings: Noch lebende Personen sind darin nicht aufgeführt. Schließlich wäre das, was den Datenschutz betrifft, sonst kaum umsetzbar. Erst 110

Alle Abos jederzeit kündbar:
ZVW+ MONATLICH
Erster Monat gratis, danach 5,99 €/mtl.
ZVW+ JÄHRLICH
Statt 71,88 € (Zwei Monate gratis)
ZVW+ JÄHRLICH mit ePaper
mit täglichem Zugriff zum ePaper