Remshalden

Einzelhandel in Remshalden: Zu wenig Personal, kürzere Öffnungszeiten

Metzgerei Wachter
Friedrich Wachter schiebt 14-Stunden-Arbeitstage. Personal für den Verkauf zu finden, wird immer schwieriger. © ALEXANDRA PALMIZI

Nicht nur die Bäckerei Stritzelberger hat in Remshalden ihre Öffnungszeiten reduziert. Auch die Bäckerei Schreiber in Grunbach hat nachmittags geschlossen. Die Metzgerei Wachter hat seit geraumer Zeit ihr Angebot reduziert. Inzwischen ist der Metzgerladen im Rewe in Grunbach montags komplett geschlossen, samstags ist er nur noch bis 14 Uhr geöffnet.

Keinesfalls sei zu wenig Kundschaft Auslöser für diese Entscheidung gewesen, erklärt Asra Wachter. Vielmehr habe man mehr und mehr Probleme, ausreichend Personal zu finden, um die Öffnungszeiten abzudecken. Die Verbindlichkeit der am Markt verfügbaren Arbeitskräfte lasse häufig zu wünschen übrig.

Jobs im Verkauf werden zunehmend unattraktiver wahrgenommen

In der Küche haben sie und ihr Mann teils seit 20 bis 30 Jahren die gleichen Angestellten, aber im Verkauf wolle kaum noch jemand arbeiten. Die Fluktuation sei hoch, manche Fachkräfte würden von Arbeitgeber zu Arbeitgeber springen. Schließlich werde Verkaufspersonal überall händeringend gesucht, die Gehälter seien dafür vergleichsweise hoch.

Kaum eine Verkäuferin wolle nachmittags oder am Wochenende arbeiten. Gleichzeitig habe auch die Höflichkeit mancher Kunden stark abgenommen. Streitigkeiten an der Bedientheke, wer denn nun als Nächstes dran ist, seien keine Seltenheit. Neue Auszubildende gebe es selten, viele wollten gar nicht mehr in der Branche arbeiten.

Fachkräftemangel: Viel Arbeit bleibt an den Inhabern hängen

Teilweise könne sie die Verkäuferinnen auch verstehen. Gerade an Theken in Supermärkten seien die Arbeitszeiten oft unattraktiv. Wo Kundschaft bis abends um 22 Uhr bedient werden soll, da wollten die wenigsten eine Ausbildung machen. Der Fachkräftemangel sei nun auch die Quittung für die langen Ladenöffnungszeiten, die man vor rund zehn Jahren eingeführt hatte.

Sie selbst übernimmt bereits die Frühschicht am Morgen. Schon um 6 Uhr steht sie in der Küche und bereitet alles vor, macht Salate an und kontrolliert die Waren. Schließlich soll alles einwandfrei sein. Grundsätzlich versuche man aber auch, die Belastung fürs Personal möglichst gering zu halten, so dass die Angestellten sich wohlfühlten und länger blieben. Da läppert sich reichlich Arbeitszeit zusammen. „Mein Mann hat meistens 14-Stunden-Tage.“

70 000 Euro mehr Energiekosten

Zusätzlich Stress machen die derzeit unglaublichen Energiepreise. Wachters rechnen mit Jahresmehrkosten in Höhe von rund 70 000 Euro. Der nun geschlossene Montag helfe immerhin, hier ein wenig Geld einzusparen. Und so ist Asra Wachter froh, dass die Zukunftspläne der beiden Kinder nichts mit dem Familienbetrieb zu tun haben. „Metzgereien und Bäckereien - das wird es in zehn Jahren alles nicht mehr so geben“, da ist sie sich sicher.

Blumen und Waschmaschinen aus dem Internet?

Beate Klotz vom Blumenladen Siegle hat schon länger nur noch donnerstags und freitagnachmittags zusätzlich zu den Vormittagen geöffnet. „Seit zwei Jahren ist das so.“ Auslöser sei damals die Corona-Pandemie gewesen. Und da sie nun im Rentenalter angekommen ist und sich etwas mehr Freizeit wünscht, hatte sie sich dazu entschlossen, die Öffnungszeiten auch nicht wieder auszubauen.

Schließlich sei nachmittags wirklich kaum noch etwas los. „Wenn da drei, vier Leute kommen, brauch’ ich niemanden dafür zu zahlen, im Laden zu stehen.“ Es lohne sich einfach nicht mehr, nicht mal in der Weihnachtszeit.

Lange Straßensperrungen geben Einzelhandel den Rest

„Die Orte sterben halt aus“, sagt sie. Und die wochenlangen Baustellen an der Remshaldener Ortsdurchfahrt gäben den Einzelhändlern nach der Corona-Pandemie und neben der Energiekrise den Rest. Zudem sei das Einkaufsverhalten der Kunden inzwischen ganz anders. Sogar Blumen bestellten viele Menschen im Internet.

Auch für Susanne und Jürgen Hagenlocher ist das Internet eine starke Konkurrenz. Sie unterhalten neben dem Elektroinstallationsbetrieb auch einen Laden, in dem sie unter anderem Haushaltsgeräte verkaufen: Spülmaschinen, Waschmaschinen, Bügelsysteme, Herde und mehr.

Hilfreich: Kombination aus Installationsbetrieb und Ladengeschäft

Ihre Kunden schätzten Beratung und Service in dem Fachgeschäft vor Ort. Dennoch werde seit Jahren die Kundschaft immer spärlicher. Geöffnet haben Hagenlochers aber wie bisher – und haben auch vor, das weiter so zu handhaben. Wie das geht? „Wir haben wegen des Installationsbetriebs eh offen“, erklärt Susanne Hagenlocher. Nur diese Kombination erlaube es ihnen, den Laden offenzuhalten, selbst wenn mal weniger Kundschaft kommt. „Es ist ja ohnehin immer jemand da.“

Früher habe es richtige Einkaufstage gegeben. „Da kamen beispielsweise am Dienstagnachmittag richtig viele Leute.“ Heute sei davon nichts mehr wahrzunehmen, nicht mal ein ernstzunehmendes Weihnachtsgeschäft gebe es noch. „Es wird einfach alles im Internet gekauft, die anderen machen keinen Umsatz und dann zu.“

Niedrige Kaufkraftbindung im Ort

Das passt zu den jüngsten Zahlen, die von der IHK Region Stuttgart vorliegen. Die Kaufkraftbindungsquote ist in Remshalden denkbar niedrig. Nur 35 Prozent beträgt sie. Das bedeutet, dass der Großteil der vorhandenen Kaufkraft nicht in den stationären, örtlichen Einzelhandel in der Gemeinde, sondern in andere Gemeinden und auch ins Internet abfließt.

Spitzenreiter der Kommunen in der Region ist Backnang. Die Stadt kann eine Kaufkraftbindungsquote von 135 Prozent vorweisen. Um sich dahingehend zu verbessern, hat sich die Gemeinde Remshalden nun für die Innenstadtberatung beworben, die die IHK in der Region anbietet.

Nicht nur die Bäckerei Stritzelberger hat in Remshalden ihre Öffnungszeiten reduziert. Auch die Bäckerei Schreiber in Grunbach hat nachmittags geschlossen. Die Metzgerei Wachter hat seit geraumer Zeit ihr Angebot reduziert. Inzwischen ist der Metzgerladen im Rewe in Grunbach montags komplett geschlossen, samstags ist er nur noch bis 14 Uhr geöffnet.

Keinesfalls sei zu wenig Kundschaft Auslöser für diese Entscheidung gewesen, erklärt Asra Wachter. Vielmehr habe man mehr und mehr

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