Remshalden

Ernst-Heinkel-Realschule wird für Abriss vorbereitet

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Im östlichen Gebäudeteil haben die Arbeiter die meisten Deckenabhängungen sowie Wand- und Bodenbeläge bereits entfernt. © ZVW/Gaby Schneider
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Spuren der Verwüstung: Randalierer machten auch vor den Sanitäranlagen nicht halt. © Gaby Schneider
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Deckenplatten abnehmen, Kabel freilegen, Wandplatten entfernen, Rohre von ihrer Isolierung befreien - von oben nach unten werden die Klassenzimmer „rückgebaut“. © Gaby Schneider
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Über das Dach der Container, die zeitweise als Klassenzimmer dienten, bringen die Arbeiter die abgerissenen Wandabdeckungen zum Gipskarton-Abfallcontainer. © Gaby Schneider
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Die beiden Brunnen-Buben haben blaue Farbe abbekommen. © Gaby Schneider

Remshalden. Gut zwei Jahre lang stand das alte Gebäude der Ernst-Heinkel-Realschule in der Goethestraße in Grunbach-Süd leer und verlassen da. Nur Randalierer machten sich daran hin und wieder zu schaffen. Seit vier Wochen sind nun Experten am Werk und räumen auf und aus, um das Gebäude bereit für den Abriss zu machen. Bisher läuft bei den Entkernungsarbeiten alles nach Plan.

Es ist gespenstisch ruhig auf den Fluren der ehemaligen Realschule. Von der Decke ragen mehrere Reihen silberner Spießchen, die metallischen Halterungen, an denen einst die Deckenplatten befestigt waren. An einer Wand stapeln sich mehrere riesige prall gefüllte Säcke mit der Aufschrift „Mineralfaserabfälle“. Auf der anderen Seite des Gangs liegen hinter einem Haufen Bauschutt lange Holzgeländer auf einem Stapel. Es zieht. Die Fenster im Flur und im angrenzenden Klassenzimmer sind fast alle zertrümmert. „Wir hatten große Probleme mit Vandalismus“, erklärt Sabine Klein, Sachgebietsleiterin Hochbau bei der Gemeinde Remshalden. Markus Holzwarth vom Ingenieurbüro Klinger und Partner bestätigt: „Es gab quasi kein Waschbecken, das intakt war.“ Dann zeigt er auf eine Tür, von der nichts mehr übrig ist als ein abgebrochenes Holzbrett in den Angeln. „Das waren nicht wir.“ Immer wieder habe die Polizei im Laufe der vergangenen zwei Jahre Leute aus dem Gebäude holen müssen, die sich dort „eingenistet“, gezündelt und randaliert haben.

Abriss beginnt am östlichen Teil des Gebäudes

Dementsprechend sei die erste Maßnahme im Zuge der Entkernungsarbeiten: aufräumen. „Als wir hier angefangen haben, sind wir nur auf Scherben gelaufen“, erinnert sich Stefan Treiber von der Weinstädter Firma JMS Abbruch, die für die Entkernungsarbeiten verantwortlich ist. Mittlerweile sind die Wege im östlichen Gebäudeteil, wo die Arbeiter begonnen haben, frei, und die eigentliche Arbeit, die Entfernung und Entsorgung verschiedener Bau- und Schadstoffe, läuft.

Klein, Holzwarth und Treiber schauen sich zufrieden um. Alle zwei Wochen kommen sie zu einem Jour fixe in die Schule, begutachten die Fortschritte und tauschen sich über das weitere Vorgehen aus. Bis Weihnachten sollen die Entkernungsarbeiten abgeschlossen sein, damit im Januar der Brecher kommen kann, um den Beton zu recyceln. „Wir haben an der Ostseite mit dem Rückbau begonnen“, erklärt Klein, „damit ein Bereich früh abgeschlossen ist und der Bagger da auf jeden Fall schon anfangen kann.“ Ende März soll dann das komplette Gebäude verschwunden, die Baugrube mit Erde gefüllt und planiert sein. Da bis zur Neubebauung noch einige Zeit vergehen wird - die Planungen zum angedachten Wohngebiet dauern noch an -, wird das Gelände dann vorerst mit Gras bepflanzt.

Heute wird nicht mehr alles einfach plattgemacht

Bisher laufe alles nach Plan, berichtet Sabine Klein und tritt einen Schritt zurück, um einem Arbeiter Platz zu machen, der sich mit einer Schubkarre an ihr vorbeischlängelt und in einem Klassenzimmer verschwindet, aus dem leise Kratzgeräusche in den Flur dringen. Die Sonne scheint in das Klassenzimmer, in dem vereinzelt herumliegende Stühle und Pulte sowie Namen und Herzchen an der Tafel an alte Zeiten erinnern. Lange Kabel hängen von der freigelegten Decke. Ein Stapel Holzbalken und ein großer Haufen zerbrochener Gipskartonplatten bedecken den Boden.

„Die Platten haben wir mit dem Brecheisen runtergemacht“, erklärt ein Arbeiter, während ein anderer die staubigen Teile mit der Schaufel auf die Schubkarre lädt. Als sie voll ist, manövriert er sie durch ein großes Loch in der Flurwand, über eine kleine Bretterrampe auf das Dach eines ehemaligen Klassenzimmer-Containers ins Freie. Von dort oben schüttet er den Inhalt direkt in den großen Container für Gipskarton-Abfälle.

„Gesichert rückbauen heißt genau verkehrt herum vorzugehen wie beim Bau“, erklärt Markus Holzwarth. Für jeden einzeln zu entsorgenden Baustoff steht ein entsprechender Container auf dem Hof. „Früher wurde alles einfach plattgemacht, irgendwo abgeladen und vergraben. Das geht heute nicht mehr. Die Rückbautechnologie hat sich arg verändert.“ Allerdings müssten auch nicht alle Baustoffe von Hand ausgebaut werden. Schwere, metallische Teile zum Beispiel, wie etwa Heizkörper, sortiert später der Bagger mit einem Magneten aus.

Gründliche Planung verhindert unangenehme Überraschungen

Welche und wie viel Bau- und Schadstoffe überhaupt in dem Schulgebäude stecken, musste bereits im Rahmen eines Gutachtens während der Planungsphase festgestellt werden. Schließlich bemessen sich daran die kalkulierten Kosten für den Rückbau - Gefahrstoffe wie Asbest sind teuer zu entsorgen, wertvolle Rohstoffe zum Beispiel aus Kupferleitungen bringen dagegen Geld ein. „Die Menge an Schadstoffen hält sich hier erfreulicherweise in Grenzen“, berichtet Klein. Und Gott sei Dank seien die belasteten Lüftungskanäle auch von den Randalierern verschont geblieben, so dass die Experten sie bereits sicher und problemlos entfernen konnten.

Große Überraschungen habe es abgesehen vom Ausmaß der Zerstörung durch Vandalismus beim Rückbau bisher nicht gegeben, berichten Klein, Holzwarth und Treiber, während sie auf den mittleren, noch verwaisten Gebäudeteil zusteuern. An einem Treppenabgang liegt inmitten von Scherben ein alter Tresor. „War da noch was drin?“, fragt Holzwarth den Abbruchunternehmer Treiber. „Ja, ja, 30-, 40 000 Euro“, antwortet dieser schmunzelnd. Dann zückt Holzwarth seinen Fotoapparat. Von der Decke tropft Wasser. Am Boden hat sich rund um die herumliegenden Kabel und den Schutt schon eine Pfütze gebildet. „Das Foto brauch ich fürs Bautagebuch“, erklärt der Ingenieur und fügt beim Hinausgehen hinzu: „Bei so einem Projekt kann man auch noch im hohen Alter zum Schulabbrecher werden.“


Remshalden. Gut zwei Jahre lang stand das alte Gebäude der Ernst-Heinkel-Realschule in der Goethestraße in Grunbach-Süd leer und verlassen da. Nur Randalierer machten sich daran hin und wieder zu schaffen. Seit vier Wochen sind nun Experten am Werk und räumen auf und aus, um das Gebäude bereit für den Abriss zu machen. Bisher läuft bei den Entkernungsarbeiten alles nach Plan.

Es ist gespenstisch ruhig auf den Fluren der ehemaligen Realschule. Von

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