Remshalden

Fazit nach zwei Wochen Präsenzunterricht: Was Schüler jetzt brauchen

Schulsozialarbeit
Die Schulsozialarbeiterinnen Edi Egle-Illg und Carola Wolfinger kümmern sich nach den Lockdowns verstärkt um die Sozialkompetenz ihrer Schülerinnen und Schüler. © Gabriel Habermann

Jetzt wäre eines ganz dringend dran, finden die Sozialarbeiterinnen Edi Egle-Illg und Carola Wolfinger: „Wir müssen unbedingt den Schwerpunkt auf das Soziale legen“, finden die Pädagoginnen. Zwar sehen sie ein, dass vor den Sommerferien, die immerhin schon in fünf Wochen beginnen, noch dringend ein paar Zensuren geschrieben werden müssen, aber was sie an den Kindern der Grund- und Realschulen in Grunbach beobachten, gibt ihnen Anlass zur Sorge.

Während der Monate, die die meisten von ihnen hinter dem Computer verbracht haben, haben viele der Kinder ihre Fähigkeiten, sich gruppenkompatibel zu verhalten, eingebüßt. Andere trauten sich kaum noch in die Schule.

Hilfestellung: Auf der Suche nach der verlorenen Motivation

Carola Wolfinger denkt da an eine Drittklässlerin, zu der man den Kontakt während der Lockdowns zu verlieren schien. Grund dafür gewesen waren zum einen technische Schwierigkeiten mit dem Laptop, die die Eltern nicht zu lösen wussten. Ein Hausbesuch der Sozialarbeiterin verbunden mit einer Online-Diagnose des Digitalisierungsbeauftragten der Grundschule schafften Abhilfe. Aber damit war es nicht getan, die Motivation des Mädchens, in die Schule zu gehen, sich am Online-Unterricht zu beteiligen, war flöten gegangen.

"Du schaffst das"

Hier halfen etliche weitere Hausbesuche und Hundespaziergänge weiter. Nach und nach, so berichtet es Carola Wolfinger, sei das Mädchen aufgetaut. So dass sie irgendwann formulierte, Angst vor der Rückkehr ins Klassenzimmer zu haben. Doch die Sozialarbeiterin konnte ihr Mut machen. „Du schaffst das“, sagte sie ihr immer wieder und versuchte ihr zu erklären, wie wichtig der Schulbesuch für sie wäre, vermittelte zwischen den Eltern und der Tochter. Und tatsächlich. Inzwischen ist die Schülerin wieder am Start, rennt mit ihren anderen Kameradinnen über den Pausenhof.

Schutzauftrag gestellt

Andere Geschichten gingen weniger gut aus. Bis heute kämpft beispielsweise Edi Egle-Illg um einen Realschüler, der völlig abgetaucht ist. Auch seine Eltern reagieren nicht, jedes Hilfeangebot wurde bislang ignoriert, weshalb schon längst ein Schutzauftrag bei Kindeswohlgefährdung beantragt wurde. Bis heute konnte der Junge nicht wirklich erreicht werden. Die Pädagogen kämpfen noch immer.

Mitarbeiten neu lernen

So dramatisch ist’s natürlich nicht immer. „Viele haben einfach verlernt, sich zu konzentrieren, länger am Stück zuzuhören“, weiß Edi Egle-Illg. In den Klassenzimmern sei es in den vergangenen Tagen, die die ersten im Präsenzunterricht waren, deshalb erheblich lauter zugegangen als zuvor. Viele Schüler hätten das Mitarbeiten regelrecht verlernt.

Gerade in den Realschulklassen sei es nämlich schnell üblich gewesen, die Laptop-Kameras während des Online-Unterrichts auszuschalten. Ob die Schülerinnen und Schüler daheim also mitarbeiteten oder auf dem Bett die Füße hochlegten, habe sich so nicht feststellen lassen. Was aber inzwischen klar sei: „Die schulischen Leistungen vieler Schüler sind inzwischen völlig am Boden“, weiß Carola Wolfinger.

Auch positive Effekte

Aber - es gibt auch positive Nebeneffekte. Schülerinnen und Schüler, die in der Schule zuvor eher zurückhaltender waren, hätten zum Teil in der mündlichen Mitarbeit einen Sprung nach vorne gemacht. Und Jugendliche, die gar unter Mobbing in der Klasse litten, seien regelrecht aufgeblüht, weil sie so lange Zeit nicht den Anfeindungen der anderen ausgesetzt waren. Und Lernende, die der Lärmpegel im Klassenzimmer stresst, hätten die Ruhe am heimischen Schreibtisch geradezu genossen.

Neue Gewohnheiten übernehmen

Immerhin - grundsätzlich sei die Stimmung in den Klassenzimmern aktuell wirklich gut. Die meisten Schülerinnen und Schüler freuten sich sehr darüber, Klassenkamerad/-innen und Lehrer wiedersehen zu können. Und die Sozialpädagoginnen, die übrigens bei der Evangelischen Gesellschaft (eva) angestellt sind und im Auftrag der Gemeinde Remshalden an den Schulen vor Ort arbeiten, wollen bei allem Glück über die Rückkehr an die Schule so manche neue Gewohnheit aus dem Lockdown übernehmen.

„Gerade die aufsuchende Sozialarbeit bringt gute Erfolge“, findet Carola Wolfinger, die sich vorstellen kann, diesen Teil aus der Corona-Zeit in ihren Arbeitsalltag hinüberzuretten. Und Edi Egle-Illg hat es genossen, per Mail recht intensiv mit ihren Schülerinnen und Schülern in Kontakt zu stehen. So sei manches Gespräch beinahe intensiver geworden, als es auf dem Schulhof zwischen Tür und Angel hätte werden können.

Jetzt wäre eines ganz dringend dran, finden die Sozialarbeiterinnen Edi Egle-Illg und Carola Wolfinger: „Wir müssen unbedingt den Schwerpunkt auf das Soziale legen“, finden die Pädagoginnen. Zwar sehen sie ein, dass vor den Sommerferien, die immerhin schon in fünf Wochen beginnen, noch dringend ein paar Zensuren geschrieben werden müssen, aber was sie an den Kindern der Grund- und Realschulen in Grunbach beobachten, gibt ihnen Anlass zur Sorge.

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