Remshalden

Flexibel bleiben: Kinderzahl schwankt

Kita
Es ist ein Balanceakt, die zu erwartenden Kinderzahlen richtig einzuschätzen. © Pixabay Liscense

94 zusätzliche Kinder wird das Baugebiet Grunbacher Höhe den Remshaldenern wohl bescheren. Auch die neuen Wohnareale in Geradstetten und Hebsack tragen weiter zu dieser Entwicklung bei. Das hat Tobias Jacobs für das von der Gemeinde beauftragte Planungsbüro Timourou herausgefunden und in der jüngsten Sitzung des Verwaltungsausschusses erklärt. Ein großes Glück ist der reiche Kindersegen allemal, aber auch eine große Aufgabe. Und dies gilt nicht nur für die Eltern, die ihre Sprösslinge beim Großwerden begleiten. Auch die Gemeinde muss sich bemühen, um die dadurch entstehende Spitze an benötigten Betreuungsplätzen abzufangen.

Nicht berechenbar: Wie viele Eltern lassen ihre Kleinkinder betreuen

Das Problem erläuterte Jacobs in der jüngsten Sitzung des Verwaltungsausschusses per Videokonferenz aus Leipzig. „Baugebiete haben einen einmaligen Effekt.“ Sprich: In den ersten Jahren nach den Wohnungsfertigstellungen kommen in bis zu zwei Dritteln der bezogenen Einheiten Kinder zur Welt. Diese nehmen dann zunächst – je nach Bedarf der Eltern – die U3-Betreuungsplätze der Kitas in Anspruch. In Remshalden sind aktuell rund 30 Prozent der Kleinkinder in Betreuung. In Zukunft wird sich diese Zahl entsprechend demografischer Modellrechnungen in Richtung 35 Prozent, wahrscheinlich auch in Richtung von 40 Prozent entwickeln. Nach Erreichen des dritten Lebensjahres dann benötigen beinahe 100 Prozent der 94 Kinder einen Ü3-Kindergartenplatz. Gleichzeitig geht die Prognose davon aus, dass die übrige Geburtenrate in Remshalden stabil bleibt.

Kleine Veränderungen geben in kleiner Gemeinde großen Ausschlag

Allerdings können gerade in kleineren Gemeinden die Geburtenraten über die Jahre hinweg deutlich schwanken, erläuterte Jacobs. Ein zufällig geburtenstarker Jahrgang mit 15 zusätzlichen, in der Statistik nicht erwarteten Babys, kann eine weitere U3-Gruppe nötig machen. Zudem können auch Ereignisse von außen den Bedarf kurzfristig in die Höhe schießen lassen. Jacobs verwies dazu auf den kurzfristigen Zuzug etlicher geflüchteter Familien in den Jahren 2015/16. Das habe zu einem Höhepunkt an in Remshalden lebenden Kindern zwischen null und sechs Jahren geführt. Indes - diese Kurve hat sich längst abgeflacht, viele sind inzwischen fortgezogen, andere sind der relevanten Altersgruppe entwachsen.

Flexible Lösungen sind das A und O

„Wir müssen flexibel bleiben“, fasste Bürgermeister Reinhard Molt dann auch den Blick in die Zukunft zusammen. Grundsätzlich sei man auf einem guten Weg, die bislang in Angriff genommene Kindergartenkonzeption decke sich mit dem berechenbaren Bedarf. Demnach ist ein Anstieg der Kinderzahlen bis 2026 zu erwarten, anschließend wird sich die Kurve wohl leicht abflachen. In den Jahren 2022/23 allerdings könnte es etwas eng werden, weshalb man weiter flexible Lösungen wie die TigeR (Tagespflege in anderen geeigneten Räumen) beibehalten sollte. Gemeinderat Tobias Schädel (BWV) freute sich zum einen über die Bemühungen der Gemeinde, ernsthaft und mit Hilfe der professionellen Prognose die Entwicklung der benötigten Betreuungsplätze abzuschätzen. „So müssen wir nicht wie in der Vergangenheit schon oft, irgendwo schnell irgendwas aufmachen.“

Plötzliche Anstiege abfedern

Ebenso begrüßte Sigrid Pressel (FDP/FW), dass man mit der von der Expertise abgesicherten aktuellen Kindergartenbedarfsplanung einen „Plan in der Schublade“ habe, mit dem man Ausreißern aus der mittelfristigen Prognose entgegensteuern könnte. Kritisch sahen sowohl Pressel als auch Schädel die Tatsache, dass die aktuellen Planungen den Engpass in den Jahren 2023/24 noch nicht ausreichend in den Blick genommen hätten.

Und so bekräftigte Schädel noch einmal den Wunsch, zeitnah über die Einrichtung des sich im Gespräch befindlichen Waldkindergartens nachzudenken. Dieser habe den Vorteil, erheblich schneller zum Start kommen zu können als mehrgruppige Kitas, die erst noch gebaut werden müssten. „Das könnte uns helfen, den ersten Anstieg abzufedern und uns damit viel Spielraum eröffnen.“ Zudem habe eine Unterschriftenliste ergeben, dass mindestens 151 Eltern an solch einem Betreuungsangebot interessiert wären.

Waldkindergarten könnte weiterhelfen

BM Molt und Hauptamtsleiterin Christine Kullen gaben aber zu bedenken, dass eher die Nachfrage nach Ganztagsbetreuungsplätzen mit flexibleren Abholzeiten steige. Der Waldkindergarten dagegen biete nur eine Betreuung bis maximal 14 Uhr an, die Bring- und Abholzeiten seien fix. So sei fraglich, ob sich eine solche Einrichtung dafür eignen würde, den akuten Bedarf zu stillen. Allerdings könnte ein Waldkindergarten tatsächlich verschiedene Einrichtungen mit einzelnen Plätzen entlasten.

Aktuell sieht die Planung vor, an den Standorten an der Wilhelm-Enßle-Straße, an der Lilienstraße und im Neubaugebiet Grunbacher Höhe elf Kita-Gruppen zu eröffnen, wovon bis zu sieben reine U3-Gruppen werden können. Es ist derzeit aber auch geplant, den Kindergarten „Jahnstraße“ mit zwei Ü3-Gruppen zu schließen, sobald der Kindergarten „Lilienstraße“ eröffnet wird. Darüber hinaus ist geplant, eine weitere Kindergartengruppe zu schließen, sobald der zweite Neubau eröffnet hat. Um welchen Kindergarten es sich dabei handelnd wird, steht zum jetzigen Zeitpunkt noch nicht fest. Allerdings – und das betonte Bürgermeister Molt auch noch einmal – falls akute Kinderspitzen auftauchten, könnten zu schließende Gruppen in die Verlängerung gehen, um den unerwarteten Bedarf vorläufig zu decken.

94 zusätzliche Kinder wird das Baugebiet Grunbacher Höhe den Remshaldenern wohl bescheren. Auch die neuen Wohnareale in Geradstetten und Hebsack tragen weiter zu dieser Entwicklung bei. Das hat Tobias Jacobs für das von der Gemeinde beauftragte Planungsbüro Timourou herausgefunden und in der jüngsten Sitzung des Verwaltungsausschusses erklärt. Ein großes Glück ist der reiche Kindersegen allemal, aber auch eine große Aufgabe. Und dies gilt nicht nur für die Eltern, die ihre Sprösslinge beim

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