Remshalden

Flucht vor Taliban: Remshaldener startet Spendenaktion für afghanischen Freund

AK Asyl Remshalden
Die Taliban feiern in Kabul ein Jahr ihrer neuen Herrschaft - vor der US-Botschaft, die für Ahmad nun geschlossen ist. © Ebrahim Noroozi

Fünf Jahre lang lebte Ahmad - sein richtiger Name ist der Redaktion bekannt, darf aber aus Sicherheitsgründen nicht genannt werden - in Deutschland. Am Telefon nimmt er Bezug auf einzelne Teilorte Remshaldens, erinnert sich noch, wo er damals gearbeitet hatte, wie schwer es für ihn war, ohne seine Familie klarzukommen. Weil er hier kein Asyl bekam, kehrte Ahmad schließlich nach Afghanistan und zu seiner Frau und seinen Kindern zurück. Kurz darauf übernahmen die Taliban, vor denen er eigentlich nach Deutschland geflohen war, die Macht. Jetzt ist er in Gefahr, will in die USA ausreisen, bekommt von den Behörden dafür aber nicht die nötigen Dokumente. Ein alter Bekannter aus Remshalden will ihm helfen.

Kurz nachdem Ahmad nach Afghanistan zurückkehrt, ändert sich dort alles

Klaus Strank war es denn auch, der sich an unsere Zeitung wandte. Er erzählt davon, wie er Ahmad in Remshalden beim Asylcafé kennengelernt hat. Sie seien regelmäßig ins Gespräch gekommen, auch weil das Deutsch von Ahmad und seinen Freunden schnell gut gewesen sei, was die Kommunikation vereinfacht habe. Klaus Strank, seine Frau und Ahmad blieben lose in Kontakt, auch als Ahmad zurück nach Afghanistan musste, schrieben sich Whatsapp-Nachrichten zu Weihnachten oder um sich ein frohes neues Jahr zu wünschen. Dann übernahmen die Taliban vor einem Jahr nach dem Rückzug westlicher Truppen die Macht und Ahmad berichtete auf einmal davon, dass es seiner Familie nicht gut ging.

Er fand keine Arbeit mehr, seine Kinder können nicht mehr zur Schule gehen, weil es an Lehrkräften fehlt, seitdem Frauen den Beruf dort nicht mehr ausüben dürfen, so dass sie keine Perspektive für die Zukunft haben. Trotz der schwierigen Lage muss Ahmad seine Familie weiter ernähren und bat seine deutschen Bekannten um Hilfe. Weil Klaus Strank diese nicht alleine stemmen kann, hat er nun eine Spendenkampagne für den Afghanen und seine Familie gestartet. Das Ziel: Ahmad und seine Familie sollen raus aus Afghanistan. Eine Perspektive dafür hat Ahmad nach eigenen Angaben auch.

Einreise in die USA wäre theoretisch möglich

Ursprünglich flüchtete der Afghane aus seinem Heimatland, weil er, so erzählt er, jahrelang für das amerikanische Militär arbeitete. Deswegen habe er über ein spezielles Visum eine Greencard für sich und seine Familie für die USA bekommen. Die Ausreise aus Afghanistan gestaltet sich aber nicht einfach. „Die Dokumente in Afghanistan vorzubereiten ist sehr schwierig“, so Ahmad. Früher sei es durchaus möglich gewesen, an Reisedokumente zu kommen, die Taliban wollten nun aber nicht, dass die Menschen das Land verlassen. Um über Umwege doch noch an die benötigten Dokumente für seine Familie zu kommen, brauche er nun mehrere Tausend Euro, die er nicht hat. Seine Aussagen zu überprüfen gestaltet sich schwierig, sie klingen aber plausibel.

Das findet auch Klaus Strank. Deshalb engagiert er sich für seinen afghanischen Bekannten. Das Ziel seiner Spendenaktion ist es, dass Ahmad mit seiner Familie aus Afghanistan entkommen kann. Dafür will er 6000 Euro sammeln, damit Ahmad die Reisedokumente besorgen und sich ein neues Leben in den USA aufbauen kann. Er hofft, dass sich viele an der Aktion beteiligen, damit das Geld zusammenkommt.

In acht Monaten erlischt die Chance

Das Gleiche hoffen Ahmad und seine Familie in Afghanistan. Für sie läuft die Zeit ab, um aus dem Land zu fliehen. Etwa acht Monate hat Ahmad noch, sonst verliert seine Familie die Chance, in die USA zu entkommen, so der Familienvater. Die amerikanische Botschaft in Kabul ist geschlossen und die Warteliste für Menschen, die ausreisen wollen, ist lang, es gebe aber vor Ort zumindest Menschen, die die legale Ausreise organisieren könnten. Es hänge am Geld.

„Ich habe viele Probleme mit den Taliban“, sagt Ahmad. Als ethnischer Tadschike bestünden grundsätzliche Spannungen mit den Machthabern. Wenn er die Straße entlanglaufe, werde er gefragt, aus welcher Region er komme und welche Sprache er spreche. Schon ohne dass die Taliban wüssten, dass er einmal für die amerikanische Armee gearbeitet habe, machten sie ihm Schwierigkeiten – wobei er vermutet, dass auch diese Information irgendwo vorliegt und bekannt werden könnte, sollte er einmal von den Behörden mitgenommen werden. Aktuell verlässt er das Haus also nur selten. Und hofft, dass er bald mit seiner Familie fliehen kann.

Fünf Jahre lang lebte Ahmad - sein richtiger Name ist der Redaktion bekannt, darf aber aus Sicherheitsgründen nicht genannt werden - in Deutschland. Am Telefon nimmt er Bezug auf einzelne Teilorte Remshaldens, erinnert sich noch, wo er damals gearbeitet hatte, wie schwer es für ihn war, ohne seine Familie klarzukommen. Weil er hier kein Asyl bekam, kehrte Ahmad schließlich nach Afghanistan und zu seiner Frau und seinen Kindern zurück. Kurz darauf übernahmen die Taliban, vor denen er

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